Feminismus im Wandel der Zeit

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Philip Nguyen
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Beatrixe Klein ist Direktorin des „frauen museum wiesbaden“ (fmw) und gehört neben Eva Schuster, Gabriele Möllmann und Karin Löhr zu den Gründungsfrauen des Hauses.

Ich durfte sie im fmw treffen und mich mit ihr im Museum über das Museum unterhalten.

Zunächst zur Historie:

Im Deutschland der 60er-/70er-Jahre gründeten sich Frauenzentren und Vereine, die politische Arbeit leisteten und um die Rechte der FLINTA+ kämpften und heute noch kämpfen.

Das frauen museum wiesbaden wurde 1984 durch den Verein „Frauenwerkstatt Wiesbaden Zentrum für Kommunikation und Bildung e. V.“ gegründet.

Foto Credit: Philip Nguyen

Die „Frauenwerkstatt“ besteht seit 1982 und ging damals der kulturpolitischen Frage nach: „Wie war das mit den Frauen (FLINTA+) hier in Wiesbaden?“. Im Zuge der lokalhistorischen Forschung erstellte der Verein eine Ausstellung.

Die Exposition zeigte die Rolle der FLINTA+ in der Gesellschaft in Wiesbaden von 1850 bis heute. Der Verein entschied sich dazu, die Ausstellung nicht mehr abzubauen und das frauen museum wiesbaden zu gründen. Es ist somit das dritte Frauenmuseum weltweit.

Das „Frauenmuseum Bonn“ und das „KØN - Gender Museum Denmark“ existierten zu diesem Zeitpunkt bereits.

Man kann die heutige Anzahl der Frauenmuseen weltweit nicht genau benennen, da ihnen teilweise die Standorte aberkannt werden oder ein Bestehen aus finanziellen Gründen nicht möglich ist. Jedoch sind es circa 60 feste Häuser und etwa 30 Initiativen, die in ihrer kulturpolitischen Arbeit den Fokus auf die FLINTA+-Geschichte und -Kultur legen und FLINTA+ in der Kunst fördern.

Auch das fmw vereint Kunst, Kultur und Geschichte. In vier schönen Ausstellungssälen in der Wörthstraße forscht und informiert das frauen museum wiesbaden auf mehreren gesellschaftlichen Ebenen. Mit einer archäologischen, einer künstlerischen und einer kulturhistorischen Sammlung kann man sich in einem informativen Treppenhaus peu à peu durch die verschiedenen Expositionsräume und neue Themenwelten navigieren.

Beatrixe selbst beschreibt die Antriebskraft des fmw als „faszinierend, mutig und wirkungsvoll“. Von Beginn an ging es darum, die aktuelle Veränderung in der Gesellschaft zu benennen und auf neue Themen aufmerksam zu machen.

Es sei nicht selbstverständlich gewesen, erzählt Beatrixe. Die Arbeit des Vereins mit dem fmw wurde nicht immer als Kulturarbeit angesehen, auch in Wiesbaden. Drei Jahre nach dem Umzug des fmw 1991 aus dem ersten Standort in der Nerostraße, wurde beschlossen, das Museum nicht weiter finanziell zu fördern.

Nur durch die harte Arbeit des Vereins und die Unterstützung des Publikums konnte das frauen musuem wiesbaden bestehen bleiben.

Schon lange hat das fmw nicht nur eine lokalhistorische Ausstellung der Geschichte der FLINTA+ in Wiesbaden, sondern arbeitet auf internationaler Ebene mit Museen und Künstler:innen zusammen und wird auch wieder vom Kulturamt Wiesbaden finanziell gefördert.

1997 wurde es sogar mit dem Kulturpreis der Stadt Wiesbaden ausgezeichnet.

Für 2025 ist eine weltweite, große Ausstellung mit allen partizipierenden Frauenmuseen geplant. Jedes Museum erhält dabei die gesammelten Daten aller Museen und macht daraus eine eigene Ausstellung, worauf Beatrixe sich bereits freut.

Neben dem Kuratieren von Ausstellungen bietet das frauen museum wiesbaden Bildungsangebote wie „Kunst mit Klasse“², Stadtrundgänge, Seminare oder auch Lesungen an und leistet zudem bis heute politische Arbeit.

Beispielsweise wurde durch die Kunstaktion „Femorial“³ in den Ortsbeiräten thematisiert, dass Straßen nach FLINTA+-Personen benannt werden sollen. Das Ziel ist es, bis zum 1. Januar 2025 60 Straßen und Plätze nach FLINTA+-Personen benannt zu haben. Diese wunderbare Aktion zeigt, dass es bedeutende FLINTA+ in der Geschichte gab; sehr viele sogar und das allein in Wiesbaden. Sie wurden nur nicht gewürdigt, obwohl sie Bemerkenswertes geschaffen haben, genauso wie ihre männlichen Kollegen.

2020 erhielt das fmw die Auszeichnung als Museum des Monats durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst.

Das frauen museum wiesbaden soll ein Ort des Austauschs sein. Beatrixe spricht von „Feminismen“, was bedeuten soll, dass es nicht nur eine Definition des Begriffs gibt. Es gebe viele verschiedene FLINTA+, die sich als „Feministin“ bezeichnen würden, sich jedoch durchaus unterscheiden, weil sie sich für ganz bestimmte Dinge einsetzten.  

Das ist ja auch ein Punkt: „Die Männer müssen auch.“ Das meine ich damit nicht. Ich denke, es gibt genügend Männer, die auch ihren Blick auf die Gesellschaft verändert haben.

Das war auch ein Hintergrund unseres Hauses von Anfang an: Es soll alle Menschen ansprechen, es soll allen die Möglichkeit geben, sich mit verschiedenen Positionen zu beschäftigen, das ist ganz wichtig.

Manchmal passieren spannende Sachen. Zum Beispiel, dass wir von Menschen, sowohl Frauen als auch Männern, gesagt bekommen: „Ach, das ist so gut, dass sie nicht sowas Feministisches sind“. Das macht deutlich: Manche Menschen haben diesen Begriff „Feminismus“ negativ konnotiert und könnten es vielleicht selbst nicht definieren, oder was sie selbst positiv empfinden, ist nicht feministisch.

Es soll ja ein Austausch angeregt werden, Leute in das Haus zu holen und ihnen auf mehreren Ebenen die Möglichkeit zu geben, sich damit auseinanderzusetzen. Es ist nicht üblich, dass man an der Tür begrüßt wird, man interagiert mit dem Personal.
Es ist keine klassische Museumserfahrung.

Für Beatrixe hat vor allem in den letzten fünf Jahren ein auffälliger Wandel der Frauenrolle in der Gesellschaft und Kunst stattgefunden. Man sehe es zum Beispiel auf der Biennale, wo FLINTA+ stärker vertreten sind. Die Kunstszene achte allgemein mehr darauf, dass FLINTA+ adäquat vertreten seien. Außerdem sei die Nachfrage des weiblichen Publikums groß und der Wunsch danach, dass FLINTA+ auf dem Kunstmarkt erfolgreich sind, auch. Viele FLINTA+ gingen in Museen und es gebe in den letzten Jahren immer mehr Künstlerinnen, die sich zusammenschließen. Eine der Künstlerinnen, auf die man sich in diesem Jahr im fmw freuen kann: Rosa Loy, die dem Künstlerinnennetzwerk Leipzig/Berlin angehört.

Bis heute sei es allerdings so, dass Galerien überwiegend Kunst von Männern verkaufen und noch ein großes Umdenken stattfinden müsse.

Foto Credit: Philip Nguyen

Eine ihrer Lieblingsausstellungen im frauen museum wiesbaden, sagt die Direktorin, sei “Die Sprache der Göttin“ gewesen. Die Exponate in der 1993 präsentierten Ausstellung bildeten den Grundstock für die archäologische Sammlung des frauen museums wiesbaden. Inzwischen sind über 400 Exponate zur Sammlung hinzugefügt worden: Frauen- und Göttinnenfiguren, die von der Steinzeit bis in die Gegenwart hineinreichen. Teile davon sind in der Dauerausstellung „Von Göttinnen und Weisheiten“ zu sehen.

An dieser Stelle sollte man erwähnen, dass Museen natürlich schön sind. Kunst ist ästhetisch, aber Kunst ist auch politisch. Laut dem „Deutschen Museumsbund e. V.“ haben Museen die Aufgabe „Natur- & Kulturgut (zu sammeln), um es für die Nachwelt zu erforschen und vor dem Verfall oder der Vernichtung zu bewahren. (…) Was gesammelt wird, ist vom wissenschaftlichen Erkenntnisstand und den gesellschaftlichen Gegebenheiten abhängig.“

Beatrixe beschreibt das fmw als ein “wildes Museum”.

Wilde Museen fangen an, Dinge zu sammeln, die im normalen Kanon vorher nicht gesammelt wurden. Sie machen einfach etwas Neues. So empfinde ich auch das frauen museum wiesbaden. Die (Frauen des Vereins) haben einfach gesagt: ‘Es passt uns gesellschaftlich etwas nicht und es gibt viele blinde Flecken und da wollen wir jetzt rein gehen und etwas verändern.’

Aktuelle Themen, die die Gesellschaft polarisieren, spiegeln sich in der Kunst- und Kulturgeschichte wieder. Das Thema der FLINTA+ und ihrer Rolle in der Gesellschaft ist weltweit historisch mit Protesten und Kampf verbunden. FLINTA+ teilen diese vermeintliche Geschichte heute noch. In manchen Teilen der Welt kann man noch nicht von positiven Entwicklungen im gesellschaftlichen Umdenken sprechen, wie Beatrixe es in Deutschland in den letzten fünf Jahren wahrgenommen hat.

Themen wie Queerfeminsimus, bei dem alle sogenannten “sexuellen Minderheiten” im Fokus der Betrachtung stehen, spielen im Auftrag des fmw eine wichtige Rolle.

Eine stetige Aufklärung über die aktuelle politische Lage sind unabdingbar für Bildung.

Die Forschungs- und Bildungsarbeit, die das frauen museum wiesbaden leistet, ist sehr wichtig. Das fmw ist ein Ort, an dem FLINTA+-Personen im Mittelpunkt stehen. Ihre Geschichte, ihre Kunst und ihre Stimmen sind hier aufgearbeitet und ausgestellt. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

Zuletzt stellte ich Frau Klein noch die Frage von CatCallsOfWiesbaden: 

Mit welcher Person (tot oder lebendig) würdest du gerne zusammen Abendessen?

Ihre Antwort lautete: Margarethe Fischer (1816-1896). Sie war Kochbrunnenpächterin in Wiesbaden.

______________________________________

¹ = „FLINTA+” = Frauen, Lesben, intersexuelle, nicht-binäre, trans und agender Personen – also für all jene, die aufgrund ihrer Geschlechtsidentität patriarchal diskriminiert werden

² = „Kunst mit Klasse“  = Museumspädagogisches Angebot des „fmw“ mit Schüler:innen und Student:innen

³ = „Femorial“ = Eine Outdoor Kunstaktion des fmw in Kollaboration mit Hans Reitz bei der Frauen auf Straßenschildern gewürdigt wurden; Sie verbindet feminism und memorial und räumt mit Vorurteilen auf

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Beatrixe Klein ist Direktorin des „frauen museum wiesbaden“ (fmw) und gehört neben Eva Schuster, Gabriele Möllmann und Karin Löhr zu den Gründungsfrauen des Hauses.

Ich durfte sie im fmw treffen und mich mit ihr im Museum über das Museum unterhalten.

Zunächst zur Historie:

Im Deutschland der 60er-/70er-Jahre gründeten sich Frauenzentren und Vereine, die politische Arbeit leisteten und um die Rechte der FLINTA+ kämpften und heute noch kämpfen.

Das frauen museum wiesbaden wurde 1984 durch den Verein „Frauenwerkstatt Wiesbaden Zentrum für Kommunikation und Bildung e. V.“ gegründet.

Foto Credit: Philip Nguyen

Die „Frauenwerkstatt“ besteht seit 1982 und ging damals der kulturpolitischen Frage nach: „Wie war das mit den Frauen (FLINTA+) hier in Wiesbaden?“. Im Zuge der lokalhistorischen Forschung erstellte der Verein eine Ausstellung.

Die Exposition zeigte die Rolle der FLINTA+ in der Gesellschaft in Wiesbaden von 1850 bis heute. Der Verein entschied sich dazu, die Ausstellung nicht mehr abzubauen und das frauen museum wiesbaden zu gründen. Es ist somit das dritte Frauenmuseum weltweit.

Das „Frauenmuseum Bonn“ und das „KØN - Gender Museum Denmark“ existierten zu diesem Zeitpunkt bereits.

Man kann die heutige Anzahl der Frauenmuseen weltweit nicht genau benennen, da ihnen teilweise die Standorte aberkannt werden oder ein Bestehen aus finanziellen Gründen nicht möglich ist. Jedoch sind es circa 60 feste Häuser und etwa 30 Initiativen, die in ihrer kulturpolitischen Arbeit den Fokus auf die FLINTA+-Geschichte und -Kultur legen und FLINTA+ in der Kunst fördern.

Auch das fmw vereint Kunst, Kultur und Geschichte. In vier schönen Ausstellungssälen in der Wörthstraße forscht und informiert das frauen museum wiesbaden auf mehreren gesellschaftlichen Ebenen. Mit einer archäologischen, einer künstlerischen und einer kulturhistorischen Sammlung kann man sich in einem informativen Treppenhaus peu à peu durch die verschiedenen Expositionsräume und neue Themenwelten navigieren.

Beatrixe selbst beschreibt die Antriebskraft des fmw als „faszinierend, mutig und wirkungsvoll“. Von Beginn an ging es darum, die aktuelle Veränderung in der Gesellschaft zu benennen und auf neue Themen aufmerksam zu machen.

Es sei nicht selbstverständlich gewesen, erzählt Beatrixe. Die Arbeit des Vereins mit dem fmw wurde nicht immer als Kulturarbeit angesehen, auch in Wiesbaden. Drei Jahre nach dem Umzug des fmw 1991 aus dem ersten Standort in der Nerostraße, wurde beschlossen, das Museum nicht weiter finanziell zu fördern.

Nur durch die harte Arbeit des Vereins und die Unterstützung des Publikums konnte das frauen musuem wiesbaden bestehen bleiben.

Schon lange hat das fmw nicht nur eine lokalhistorische Ausstellung der Geschichte der FLINTA+ in Wiesbaden, sondern arbeitet auf internationaler Ebene mit Museen und Künstler:innen zusammen und wird auch wieder vom Kulturamt Wiesbaden finanziell gefördert.

1997 wurde es sogar mit dem Kulturpreis der Stadt Wiesbaden ausgezeichnet.

Für 2025 ist eine weltweite, große Ausstellung mit allen partizipierenden Frauenmuseen geplant. Jedes Museum erhält dabei die gesammelten Daten aller Museen und macht daraus eine eigene Ausstellung, worauf Beatrixe sich bereits freut.

Neben dem Kuratieren von Ausstellungen bietet das frauen museum wiesbaden Bildungsangebote wie „Kunst mit Klasse“², Stadtrundgänge, Seminare oder auch Lesungen an und leistet zudem bis heute politische Arbeit.

Beispielsweise wurde durch die Kunstaktion „Femorial“³ in den Ortsbeiräten thematisiert, dass Straßen nach FLINTA+-Personen benannt werden sollen. Das Ziel ist es, bis zum 1. Januar 2025 60 Straßen und Plätze nach FLINTA+-Personen benannt zu haben. Diese wunderbare Aktion zeigt, dass es bedeutende FLINTA+ in der Geschichte gab; sehr viele sogar und das allein in Wiesbaden. Sie wurden nur nicht gewürdigt, obwohl sie Bemerkenswertes geschaffen haben, genauso wie ihre männlichen Kollegen.

2020 erhielt das fmw die Auszeichnung als Museum des Monats durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst.

Das frauen museum wiesbaden soll ein Ort des Austauschs sein. Beatrixe spricht von „Feminismen“, was bedeuten soll, dass es nicht nur eine Definition des Begriffs gibt. Es gebe viele verschiedene FLINTA+, die sich als „Feministin“ bezeichnen würden, sich jedoch durchaus unterscheiden, weil sie sich für ganz bestimmte Dinge einsetzten.  

Das ist ja auch ein Punkt: „Die Männer müssen auch.“ Das meine ich damit nicht. Ich denke, es gibt genügend Männer, die auch ihren Blick auf die Gesellschaft verändert haben.

Das war auch ein Hintergrund unseres Hauses von Anfang an: Es soll alle Menschen ansprechen, es soll allen die Möglichkeit geben, sich mit verschiedenen Positionen zu beschäftigen, das ist ganz wichtig.

Manchmal passieren spannende Sachen. Zum Beispiel, dass wir von Menschen, sowohl Frauen als auch Männern, gesagt bekommen: „Ach, das ist so gut, dass sie nicht sowas Feministisches sind“. Das macht deutlich: Manche Menschen haben diesen Begriff „Feminismus“ negativ konnotiert und könnten es vielleicht selbst nicht definieren, oder was sie selbst positiv empfinden, ist nicht feministisch.

Es soll ja ein Austausch angeregt werden, Leute in das Haus zu holen und ihnen auf mehreren Ebenen die Möglichkeit zu geben, sich damit auseinanderzusetzen. Es ist nicht üblich, dass man an der Tür begrüßt wird, man interagiert mit dem Personal.
Es ist keine klassische Museumserfahrung.

Für Beatrixe hat vor allem in den letzten fünf Jahren ein auffälliger Wandel der Frauenrolle in der Gesellschaft und Kunst stattgefunden. Man sehe es zum Beispiel auf der Biennale, wo FLINTA+ stärker vertreten sind. Die Kunstszene achte allgemein mehr darauf, dass FLINTA+ adäquat vertreten seien. Außerdem sei die Nachfrage des weiblichen Publikums groß und der Wunsch danach, dass FLINTA+ auf dem Kunstmarkt erfolgreich sind, auch. Viele FLINTA+ gingen in Museen und es gebe in den letzten Jahren immer mehr Künstlerinnen, die sich zusammenschließen. Eine der Künstlerinnen, auf die man sich in diesem Jahr im fmw freuen kann: Rosa Loy, die dem Künstlerinnennetzwerk Leipzig/Berlin angehört.

Bis heute sei es allerdings so, dass Galerien überwiegend Kunst von Männern verkaufen und noch ein großes Umdenken stattfinden müsse.

Foto Credit: Philip Nguyen

Eine ihrer Lieblingsausstellungen im frauen museum wiesbaden, sagt die Direktorin, sei “Die Sprache der Göttin“ gewesen. Die Exponate in der 1993 präsentierten Ausstellung bildeten den Grundstock für die archäologische Sammlung des frauen museums wiesbaden. Inzwischen sind über 400 Exponate zur Sammlung hinzugefügt worden: Frauen- und Göttinnenfiguren, die von der Steinzeit bis in die Gegenwart hineinreichen. Teile davon sind in der Dauerausstellung „Von Göttinnen und Weisheiten“ zu sehen.

An dieser Stelle sollte man erwähnen, dass Museen natürlich schön sind. Kunst ist ästhetisch, aber Kunst ist auch politisch. Laut dem „Deutschen Museumsbund e. V.“ haben Museen die Aufgabe „Natur- & Kulturgut (zu sammeln), um es für die Nachwelt zu erforschen und vor dem Verfall oder der Vernichtung zu bewahren. (…) Was gesammelt wird, ist vom wissenschaftlichen Erkenntnisstand und den gesellschaftlichen Gegebenheiten abhängig.“

Beatrixe beschreibt das fmw als ein “wildes Museum”.

Wilde Museen fangen an, Dinge zu sammeln, die im normalen Kanon vorher nicht gesammelt wurden. Sie machen einfach etwas Neues. So empfinde ich auch das frauen museum wiesbaden. Die (Frauen des Vereins) haben einfach gesagt: ‘Es passt uns gesellschaftlich etwas nicht und es gibt viele blinde Flecken und da wollen wir jetzt rein gehen und etwas verändern.’

Aktuelle Themen, die die Gesellschaft polarisieren, spiegeln sich in der Kunst- und Kulturgeschichte wieder. Das Thema der FLINTA+ und ihrer Rolle in der Gesellschaft ist weltweit historisch mit Protesten und Kampf verbunden. FLINTA+ teilen diese vermeintliche Geschichte heute noch. In manchen Teilen der Welt kann man noch nicht von positiven Entwicklungen im gesellschaftlichen Umdenken sprechen, wie Beatrixe es in Deutschland in den letzten fünf Jahren wahrgenommen hat.

Themen wie Queerfeminsimus, bei dem alle sogenannten “sexuellen Minderheiten” im Fokus der Betrachtung stehen, spielen im Auftrag des fmw eine wichtige Rolle.

Eine stetige Aufklärung über die aktuelle politische Lage sind unabdingbar für Bildung.

Die Forschungs- und Bildungsarbeit, die das frauen museum wiesbaden leistet, ist sehr wichtig. Das fmw ist ein Ort, an dem FLINTA+-Personen im Mittelpunkt stehen. Ihre Geschichte, ihre Kunst und ihre Stimmen sind hier aufgearbeitet und ausgestellt. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

Zuletzt stellte ich Frau Klein noch die Frage von CatCallsOfWiesbaden: 

Mit welcher Person (tot oder lebendig) würdest du gerne zusammen Abendessen?

Ihre Antwort lautete: Margarethe Fischer (1816-1896). Sie war Kochbrunnenpächterin in Wiesbaden.

______________________________________

¹ = „FLINTA+” = Frauen, Lesben, intersexuelle, nicht-binäre, trans und agender Personen – also für all jene, die aufgrund ihrer Geschlechtsidentität patriarchal diskriminiert werden

² = „Kunst mit Klasse“  = Museumspädagogisches Angebot des „fmw“ mit Schüler:innen und Student:innen

³ = „Femorial“ = Eine Outdoor Kunstaktion des fmw in Kollaboration mit Hans Reitz bei der Frauen auf Straßenschildern gewürdigt wurden; Sie verbindet feminism und memorial und räumt mit Vorurteilen auf

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Beatrixe Klein ist Direktorin des „frauen museum wiesbaden“ (fmw) und gehört neben Eva Schuster, Gabriele Möllmann und Karin Löhr zu den Gründungsfrauen des Hauses.

Ich durfte sie im fmw treffen und mich mit ihr im Museum über das Museum unterhalten.

Zunächst zur Historie:

Im Deutschland der 60er-/70er-Jahre gründeten sich Frauenzentren und Vereine, die politische Arbeit leisteten und um die Rechte der FLINTA+ kämpften und heute noch kämpfen.

Das frauen museum wiesbaden wurde 1984 durch den Verein „Frauenwerkstatt Wiesbaden Zentrum für Kommunikation und Bildung e. V.“ gegründet.

Foto Credit: Philip Nguyen

Die „Frauenwerkstatt“ besteht seit 1982 und ging damals der kulturpolitischen Frage nach: „Wie war das mit den Frauen (FLINTA+) hier in Wiesbaden?“. Im Zuge der lokalhistorischen Forschung erstellte der Verein eine Ausstellung.

Die Exposition zeigte die Rolle der FLINTA+ in der Gesellschaft in Wiesbaden von 1850 bis heute. Der Verein entschied sich dazu, die Ausstellung nicht mehr abzubauen und das frauen museum wiesbaden zu gründen. Es ist somit das dritte Frauenmuseum weltweit.

Das „Frauenmuseum Bonn“ und das „KØN - Gender Museum Denmark“ existierten zu diesem Zeitpunkt bereits.

Man kann die heutige Anzahl der Frauenmuseen weltweit nicht genau benennen, da ihnen teilweise die Standorte aberkannt werden oder ein Bestehen aus finanziellen Gründen nicht möglich ist. Jedoch sind es circa 60 feste Häuser und etwa 30 Initiativen, die in ihrer kulturpolitischen Arbeit den Fokus auf die FLINTA+-Geschichte und -Kultur legen und FLINTA+ in der Kunst fördern.

Auch das fmw vereint Kunst, Kultur und Geschichte. In vier schönen Ausstellungssälen in der Wörthstraße forscht und informiert das frauen museum wiesbaden auf mehreren gesellschaftlichen Ebenen. Mit einer archäologischen, einer künstlerischen und einer kulturhistorischen Sammlung kann man sich in einem informativen Treppenhaus peu à peu durch die verschiedenen Expositionsräume und neue Themenwelten navigieren.

Beatrixe selbst beschreibt die Antriebskraft des fmw als „faszinierend, mutig und wirkungsvoll“. Von Beginn an ging es darum, die aktuelle Veränderung in der Gesellschaft zu benennen und auf neue Themen aufmerksam zu machen.

Es sei nicht selbstverständlich gewesen, erzählt Beatrixe. Die Arbeit des Vereins mit dem fmw wurde nicht immer als Kulturarbeit angesehen, auch in Wiesbaden. Drei Jahre nach dem Umzug des fmw 1991 aus dem ersten Standort in der Nerostraße, wurde beschlossen, das Museum nicht weiter finanziell zu fördern.

Nur durch die harte Arbeit des Vereins und die Unterstützung des Publikums konnte das frauen musuem wiesbaden bestehen bleiben.

Schon lange hat das fmw nicht nur eine lokalhistorische Ausstellung der Geschichte der FLINTA+ in Wiesbaden, sondern arbeitet auf internationaler Ebene mit Museen und Künstler:innen zusammen und wird auch wieder vom Kulturamt Wiesbaden finanziell gefördert.

1997 wurde es sogar mit dem Kulturpreis der Stadt Wiesbaden ausgezeichnet.

Für 2025 ist eine weltweite, große Ausstellung mit allen partizipierenden Frauenmuseen geplant. Jedes Museum erhält dabei die gesammelten Daten aller Museen und macht daraus eine eigene Ausstellung, worauf Beatrixe sich bereits freut.

Neben dem Kuratieren von Ausstellungen bietet das frauen museum wiesbaden Bildungsangebote wie „Kunst mit Klasse“², Stadtrundgänge, Seminare oder auch Lesungen an und leistet zudem bis heute politische Arbeit.

Beispielsweise wurde durch die Kunstaktion „Femorial“³ in den Ortsbeiräten thematisiert, dass Straßen nach FLINTA+-Personen benannt werden sollen. Das Ziel ist es, bis zum 1. Januar 2025 60 Straßen und Plätze nach FLINTA+-Personen benannt zu haben. Diese wunderbare Aktion zeigt, dass es bedeutende FLINTA+ in der Geschichte gab; sehr viele sogar und das allein in Wiesbaden. Sie wurden nur nicht gewürdigt, obwohl sie Bemerkenswertes geschaffen haben, genauso wie ihre männlichen Kollegen.

2020 erhielt das fmw die Auszeichnung als Museum des Monats durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst.

Das frauen museum wiesbaden soll ein Ort des Austauschs sein. Beatrixe spricht von „Feminismen“, was bedeuten soll, dass es nicht nur eine Definition des Begriffs gibt. Es gebe viele verschiedene FLINTA+, die sich als „Feministin“ bezeichnen würden, sich jedoch durchaus unterscheiden, weil sie sich für ganz bestimmte Dinge einsetzten.  

Das ist ja auch ein Punkt: „Die Männer müssen auch.“ Das meine ich damit nicht. Ich denke, es gibt genügend Männer, die auch ihren Blick auf die Gesellschaft verändert haben.

Das war auch ein Hintergrund unseres Hauses von Anfang an: Es soll alle Menschen ansprechen, es soll allen die Möglichkeit geben, sich mit verschiedenen Positionen zu beschäftigen, das ist ganz wichtig.

Manchmal passieren spannende Sachen. Zum Beispiel, dass wir von Menschen, sowohl Frauen als auch Männern, gesagt bekommen: „Ach, das ist so gut, dass sie nicht sowas Feministisches sind“. Das macht deutlich: Manche Menschen haben diesen Begriff „Feminismus“ negativ konnotiert und könnten es vielleicht selbst nicht definieren, oder was sie selbst positiv empfinden, ist nicht feministisch.

Es soll ja ein Austausch angeregt werden, Leute in das Haus zu holen und ihnen auf mehreren Ebenen die Möglichkeit zu geben, sich damit auseinanderzusetzen. Es ist nicht üblich, dass man an der Tür begrüßt wird, man interagiert mit dem Personal.
Es ist keine klassische Museumserfahrung.

Für Beatrixe hat vor allem in den letzten fünf Jahren ein auffälliger Wandel der Frauenrolle in der Gesellschaft und Kunst stattgefunden. Man sehe es zum Beispiel auf der Biennale, wo FLINTA+ stärker vertreten sind. Die Kunstszene achte allgemein mehr darauf, dass FLINTA+ adäquat vertreten seien. Außerdem sei die Nachfrage des weiblichen Publikums groß und der Wunsch danach, dass FLINTA+ auf dem Kunstmarkt erfolgreich sind, auch. Viele FLINTA+ gingen in Museen und es gebe in den letzten Jahren immer mehr Künstlerinnen, die sich zusammenschließen. Eine der Künstlerinnen, auf die man sich in diesem Jahr im fmw freuen kann: Rosa Loy, die dem Künstlerinnennetzwerk Leipzig/Berlin angehört.

Bis heute sei es allerdings so, dass Galerien überwiegend Kunst von Männern verkaufen und noch ein großes Umdenken stattfinden müsse.

Foto Credit: Philip Nguyen

Eine ihrer Lieblingsausstellungen im frauen museum wiesbaden, sagt die Direktorin, sei “Die Sprache der Göttin“ gewesen. Die Exponate in der 1993 präsentierten Ausstellung bildeten den Grundstock für die archäologische Sammlung des frauen museums wiesbaden. Inzwischen sind über 400 Exponate zur Sammlung hinzugefügt worden: Frauen- und Göttinnenfiguren, die von der Steinzeit bis in die Gegenwart hineinreichen. Teile davon sind in der Dauerausstellung „Von Göttinnen und Weisheiten“ zu sehen.

An dieser Stelle sollte man erwähnen, dass Museen natürlich schön sind. Kunst ist ästhetisch, aber Kunst ist auch politisch. Laut dem „Deutschen Museumsbund e. V.“ haben Museen die Aufgabe „Natur- & Kulturgut (zu sammeln), um es für die Nachwelt zu erforschen und vor dem Verfall oder der Vernichtung zu bewahren. (…) Was gesammelt wird, ist vom wissenschaftlichen Erkenntnisstand und den gesellschaftlichen Gegebenheiten abhängig.“

Beatrixe beschreibt das fmw als ein “wildes Museum”.

Wilde Museen fangen an, Dinge zu sammeln, die im normalen Kanon vorher nicht gesammelt wurden. Sie machen einfach etwas Neues. So empfinde ich auch das frauen museum wiesbaden. Die (Frauen des Vereins) haben einfach gesagt: ‘Es passt uns gesellschaftlich etwas nicht und es gibt viele blinde Flecken und da wollen wir jetzt rein gehen und etwas verändern.’

Aktuelle Themen, die die Gesellschaft polarisieren, spiegeln sich in der Kunst- und Kulturgeschichte wieder. Das Thema der FLINTA+ und ihrer Rolle in der Gesellschaft ist weltweit historisch mit Protesten und Kampf verbunden. FLINTA+ teilen diese vermeintliche Geschichte heute noch. In manchen Teilen der Welt kann man noch nicht von positiven Entwicklungen im gesellschaftlichen Umdenken sprechen, wie Beatrixe es in Deutschland in den letzten fünf Jahren wahrgenommen hat.

Themen wie Queerfeminsimus, bei dem alle sogenannten “sexuellen Minderheiten” im Fokus der Betrachtung stehen, spielen im Auftrag des fmw eine wichtige Rolle.

Eine stetige Aufklärung über die aktuelle politische Lage sind unabdingbar für Bildung.

Die Forschungs- und Bildungsarbeit, die das frauen museum wiesbaden leistet, ist sehr wichtig. Das fmw ist ein Ort, an dem FLINTA+-Personen im Mittelpunkt stehen. Ihre Geschichte, ihre Kunst und ihre Stimmen sind hier aufgearbeitet und ausgestellt. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

Zuletzt stellte ich Frau Klein noch die Frage von CatCallsOfWiesbaden: 

Mit welcher Person (tot oder lebendig) würdest du gerne zusammen Abendessen?

Ihre Antwort lautete: Margarethe Fischer (1816-1896). Sie war Kochbrunnenpächterin in Wiesbaden.

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¹ = „FLINTA+” = Frauen, Lesben, intersexuelle, nicht-binäre, trans und agender Personen – also für all jene, die aufgrund ihrer Geschlechtsidentität patriarchal diskriminiert werden

² = „Kunst mit Klasse“  = Museumspädagogisches Angebot des „fmw“ mit Schüler:innen und Student:innen

³ = „Femorial“ = Eine Outdoor Kunstaktion des fmw in Kollaboration mit Hans Reitz bei der Frauen auf Straßenschildern gewürdigt wurden; Sie verbindet feminism und memorial und räumt mit Vorurteilen auf

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Zunächst zur Historie:

Im Deutschland der 60er-/70er-Jahre gründeten sich Frauenzentren und Vereine, die politische Arbeit leisteten und um die Rechte der FLINTA+ kämpften und heute noch kämpfen.

Das frauen museum wiesbaden wurde 1984 durch den Verein „Frauenwerkstatt Wiesbaden Zentrum für Kommunikation und Bildung e. V.“ gegründet.

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Die „Frauenwerkstatt“ besteht seit 1982 und ging damals der kulturpolitischen Frage nach: „Wie war das mit den Frauen (FLINTA+) hier in Wiesbaden?“. Im Zuge der lokalhistorischen Forschung erstellte der Verein eine Ausstellung.

Die Exposition zeigte die Rolle der FLINTA+ in der Gesellschaft in Wiesbaden von 1850 bis heute. Der Verein entschied sich dazu, die Ausstellung nicht mehr abzubauen und das frauen museum wiesbaden zu gründen. Es ist somit das dritte Frauenmuseum weltweit.

Das „Frauenmuseum Bonn“ und das „KØN - Gender Museum Denmark“ existierten zu diesem Zeitpunkt bereits.

Man kann die heutige Anzahl der Frauenmuseen weltweit nicht genau benennen, da ihnen teilweise die Standorte aberkannt werden oder ein Bestehen aus finanziellen Gründen nicht möglich ist. Jedoch sind es circa 60 feste Häuser und etwa 30 Initiativen, die in ihrer kulturpolitischen Arbeit den Fokus auf die FLINTA+-Geschichte und -Kultur legen und FLINTA+ in der Kunst fördern.

Auch das fmw vereint Kunst, Kultur und Geschichte. In vier schönen Ausstellungssälen in der Wörthstraße forscht und informiert das frauen museum wiesbaden auf mehreren gesellschaftlichen Ebenen. Mit einer archäologischen, einer künstlerischen und einer kulturhistorischen Sammlung kann man sich in einem informativen Treppenhaus peu à peu durch die verschiedenen Expositionsräume und neue Themenwelten navigieren.

Beatrixe selbst beschreibt die Antriebskraft des fmw als „faszinierend, mutig und wirkungsvoll“. Von Beginn an ging es darum, die aktuelle Veränderung in der Gesellschaft zu benennen und auf neue Themen aufmerksam zu machen.

Es sei nicht selbstverständlich gewesen, erzählt Beatrixe. Die Arbeit des Vereins mit dem fmw wurde nicht immer als Kulturarbeit angesehen, auch in Wiesbaden. Drei Jahre nach dem Umzug des fmw 1991 aus dem ersten Standort in der Nerostraße, wurde beschlossen, das Museum nicht weiter finanziell zu fördern.

Nur durch die harte Arbeit des Vereins und die Unterstützung des Publikums konnte das frauen musuem wiesbaden bestehen bleiben.

Schon lange hat das fmw nicht nur eine lokalhistorische Ausstellung der Geschichte der FLINTA+ in Wiesbaden, sondern arbeitet auf internationaler Ebene mit Museen und Künstler:innen zusammen und wird auch wieder vom Kulturamt Wiesbaden finanziell gefördert.

1997 wurde es sogar mit dem Kulturpreis der Stadt Wiesbaden ausgezeichnet.

Für 2025 ist eine weltweite, große Ausstellung mit allen partizipierenden Frauenmuseen geplant. Jedes Museum erhält dabei die gesammelten Daten aller Museen und macht daraus eine eigene Ausstellung, worauf Beatrixe sich bereits freut.

Neben dem Kuratieren von Ausstellungen bietet das frauen museum wiesbaden Bildungsangebote wie „Kunst mit Klasse“², Stadtrundgänge, Seminare oder auch Lesungen an und leistet zudem bis heute politische Arbeit.

Beispielsweise wurde durch die Kunstaktion „Femorial“³ in den Ortsbeiräten thematisiert, dass Straßen nach FLINTA+-Personen benannt werden sollen. Das Ziel ist es, bis zum 1. Januar 2025 60 Straßen und Plätze nach FLINTA+-Personen benannt zu haben. Diese wunderbare Aktion zeigt, dass es bedeutende FLINTA+ in der Geschichte gab; sehr viele sogar und das allein in Wiesbaden. Sie wurden nur nicht gewürdigt, obwohl sie Bemerkenswertes geschaffen haben, genauso wie ihre männlichen Kollegen.

2020 erhielt das fmw die Auszeichnung als Museum des Monats durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst.

Das frauen museum wiesbaden soll ein Ort des Austauschs sein. Beatrixe spricht von „Feminismen“, was bedeuten soll, dass es nicht nur eine Definition des Begriffs gibt. Es gebe viele verschiedene FLINTA+, die sich als „Feministin“ bezeichnen würden, sich jedoch durchaus unterscheiden, weil sie sich für ganz bestimmte Dinge einsetzten.  

Das ist ja auch ein Punkt: „Die Männer müssen auch.“ Das meine ich damit nicht. Ich denke, es gibt genügend Männer, die auch ihren Blick auf die Gesellschaft verändert haben.

Das war auch ein Hintergrund unseres Hauses von Anfang an: Es soll alle Menschen ansprechen, es soll allen die Möglichkeit geben, sich mit verschiedenen Positionen zu beschäftigen, das ist ganz wichtig.

Manchmal passieren spannende Sachen. Zum Beispiel, dass wir von Menschen, sowohl Frauen als auch Männern, gesagt bekommen: „Ach, das ist so gut, dass sie nicht sowas Feministisches sind“. Das macht deutlich: Manche Menschen haben diesen Begriff „Feminismus“ negativ konnotiert und könnten es vielleicht selbst nicht definieren, oder was sie selbst positiv empfinden, ist nicht feministisch.

Es soll ja ein Austausch angeregt werden, Leute in das Haus zu holen und ihnen auf mehreren Ebenen die Möglichkeit zu geben, sich damit auseinanderzusetzen. Es ist nicht üblich, dass man an der Tür begrüßt wird, man interagiert mit dem Personal.
Es ist keine klassische Museumserfahrung.

Für Beatrixe hat vor allem in den letzten fünf Jahren ein auffälliger Wandel der Frauenrolle in der Gesellschaft und Kunst stattgefunden. Man sehe es zum Beispiel auf der Biennale, wo FLINTA+ stärker vertreten sind. Die Kunstszene achte allgemein mehr darauf, dass FLINTA+ adäquat vertreten seien. Außerdem sei die Nachfrage des weiblichen Publikums groß und der Wunsch danach, dass FLINTA+ auf dem Kunstmarkt erfolgreich sind, auch. Viele FLINTA+ gingen in Museen und es gebe in den letzten Jahren immer mehr Künstlerinnen, die sich zusammenschließen. Eine der Künstlerinnen, auf die man sich in diesem Jahr im fmw freuen kann: Rosa Loy, die dem Künstlerinnennetzwerk Leipzig/Berlin angehört.

Bis heute sei es allerdings so, dass Galerien überwiegend Kunst von Männern verkaufen und noch ein großes Umdenken stattfinden müsse.

Foto Credit: Philip Nguyen

Eine ihrer Lieblingsausstellungen im frauen museum wiesbaden, sagt die Direktorin, sei “Die Sprache der Göttin“ gewesen. Die Exponate in der 1993 präsentierten Ausstellung bildeten den Grundstock für die archäologische Sammlung des frauen museums wiesbaden. Inzwischen sind über 400 Exponate zur Sammlung hinzugefügt worden: Frauen- und Göttinnenfiguren, die von der Steinzeit bis in die Gegenwart hineinreichen. Teile davon sind in der Dauerausstellung „Von Göttinnen und Weisheiten“ zu sehen.

An dieser Stelle sollte man erwähnen, dass Museen natürlich schön sind. Kunst ist ästhetisch, aber Kunst ist auch politisch. Laut dem „Deutschen Museumsbund e. V.“ haben Museen die Aufgabe „Natur- & Kulturgut (zu sammeln), um es für die Nachwelt zu erforschen und vor dem Verfall oder der Vernichtung zu bewahren. (…) Was gesammelt wird, ist vom wissenschaftlichen Erkenntnisstand und den gesellschaftlichen Gegebenheiten abhängig.“

Beatrixe beschreibt das fmw als ein “wildes Museum”.

Wilde Museen fangen an, Dinge zu sammeln, die im normalen Kanon vorher nicht gesammelt wurden. Sie machen einfach etwas Neues. So empfinde ich auch das frauen museum wiesbaden. Die (Frauen des Vereins) haben einfach gesagt: ‘Es passt uns gesellschaftlich etwas nicht und es gibt viele blinde Flecken und da wollen wir jetzt rein gehen und etwas verändern.’

Aktuelle Themen, die die Gesellschaft polarisieren, spiegeln sich in der Kunst- und Kulturgeschichte wieder. Das Thema der FLINTA+ und ihrer Rolle in der Gesellschaft ist weltweit historisch mit Protesten und Kampf verbunden. FLINTA+ teilen diese vermeintliche Geschichte heute noch. In manchen Teilen der Welt kann man noch nicht von positiven Entwicklungen im gesellschaftlichen Umdenken sprechen, wie Beatrixe es in Deutschland in den letzten fünf Jahren wahrgenommen hat.

Themen wie Queerfeminsimus, bei dem alle sogenannten “sexuellen Minderheiten” im Fokus der Betrachtung stehen, spielen im Auftrag des fmw eine wichtige Rolle.

Eine stetige Aufklärung über die aktuelle politische Lage sind unabdingbar für Bildung.

Die Forschungs- und Bildungsarbeit, die das frauen museum wiesbaden leistet, ist sehr wichtig. Das fmw ist ein Ort, an dem FLINTA+-Personen im Mittelpunkt stehen. Ihre Geschichte, ihre Kunst und ihre Stimmen sind hier aufgearbeitet und ausgestellt. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

Zuletzt stellte ich Frau Klein noch die Frage von CatCallsOfWiesbaden: 

Mit welcher Person (tot oder lebendig) würdest du gerne zusammen Abendessen?

Ihre Antwort lautete: Margarethe Fischer (1816-1896). Sie war Kochbrunnenpächterin in Wiesbaden.

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¹ = „FLINTA+” = Frauen, Lesben, intersexuelle, nicht-binäre, trans und agender Personen – also für all jene, die aufgrund ihrer Geschlechtsidentität patriarchal diskriminiert werden

² = „Kunst mit Klasse“  = Museumspädagogisches Angebot des „fmw“ mit Schüler:innen und Student:innen

³ = „Femorial“ = Eine Outdoor Kunstaktion des fmw in Kollaboration mit Hans Reitz bei der Frauen auf Straßenschildern gewürdigt wurden; Sie verbindet feminism und memorial und räumt mit Vorurteilen auf

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