"Geben und Nehmen" – und davon ganz viel!

MARMORMETALL im Interview

Fotos:
Paul Winning
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Es ist 0 Uhr, Samstag Nacht. Wir sitzen auf der alten Ledercouch im Backstage der Kreativfabrik. Sekt-Mate steht auf dem Tisch, die dumpfen Bässe der Tanzfläche durchfluten den Raum und ich spreche mit Silas über die Liebe zur Musik, Gemeinschaftsgefühl und die Techno-Szene im Rhein-Main-Gebiet. Was sie ausmacht, wieso sie für junge Menschen so wichtig ist und wo sie hin möchte.

Party-Vibes – so wie es Silas gefällt. Er brennt für das, was er tut und das mit einer so sympathischen Gelassenheit und Authentizität, dass es leicht fällt zu verstehen, warum er von den Line-Ups der Region nicht mehr wegzudenken ist. Das ist jedenfalls mein Eindruck.

Silas, bekannt unter dem Namen MARMORMETALL, ist DJ und das schon ziemlich lange. Der 27-jährige Wahl-Wiesbadener gehört zum Kollektiv Fünfsinn und bringt regelmäßig Menschen mit seinen Melodic Hard Techno Sets zum Tanzen.

Kurz vor seinem Auftritt beim Kollektiv SURREALISMUS darf ich ihn interviewen:

Hey Silas, sag mal, "What do DJs actually do?"

Ich glaube, essentiell sind DJs einfach dafür da, Leuten einen schönen Abend zu bereiten. Sie musikalisch durch den Abend zu begleiten, so dass sie sich sozusagen selbst enjoyen können.

Kannst Du dich an deine erste Begegnung mit elektronischer Musik erinnern? Was hat dich daran so begeistert?

Das ist eine nice Frage und auch sehr interessant, weil ich tatsächlich früher andere elektronische Musik gehört habe als die, die ich heute auflege oder selbst mache. Wir hatten früher so einen Proberaum, den wir angemietet haben und da haben wir uns immer am Wochenende getroffen. Das ist schon ewig her, zwölf oder vierzehn Jahre so um den Dreh und da hat jemand von David Hasert „Another Day“  angemacht und der Song hat mich in dem Moment so gecatcht, dass ich dann wissen wollte, ob es da noch mehr Musik in der Richtung gibt. Dann bin ich das erste Mal so reingedived in die elektronische Musik (...) und hatte mit Deep House Kontakt, was an dem Interpreten lag.  Dann hat sich das ein bisschen gewandelt. Ich glaube, der erste Artist, durch den ich zu Techno Musik gekommen bin, war ein Set von Harvey McKay, der hauptsächlich bei dem Label Drumcode unter Vertrag ist und das Set hatte ein paar Lieder drinnen, die ich so vorher noch nie gehört hatte. Das war der Startschuss, warum ich überhaupt in die technoide Szene gekommen bin.

Ordnest du dir denn ein spezielles Genre zu? Wenn ja, welches?

Das ist schwierig. Ich würde sagen, ich schwebe in der Mitte von Melodic- und Hard Techno. Aber das zu einem Genre zusammenzuführen mit Namen – den gibt es mit Sicherheit, aber den kenne ich grade nicht – finde ich schwer. Ich bin privat auch sehr großer Fan von Drum and Bass und von New Disco House. Drum and Bass habe ich noch nicht so oft eingearbeitet, aber ich versuche häufig zwischen zwei Hard Techno Songs mal so einen House Disco Song einzubauen. Also ich würde pauschal sagen: Melodic Hard Techno, sowas um den Dreh.

Wie hast du „deinen“ Sound gefunden und wie würdest du ihn beschreiben?

Ausschlaggebend war wirklich dieses Set von Harvey McKay, denn das war sehr technoid und auch schnell für die damaligen Verhältnisse, für mich und auch für die Szene. Da waren sehr viele Vocals drinnen. Das ist mir auch heute noch wichtig, wenn ich auflege. Ich brauche zwar auch ein sehr rhythmisches Treiben, aber ich bin immer auch auf der Suche nach Melodien und Vocals. Ich skippe oft durch Songs durch und ich erkenne sofort, ob ein Lied was für mich ist oder nicht. Da sind so ein paar Parameter: die Melodie, wie die Drums sich sozusagen selbst arrangieren in dem Lied und die Vocals. Das sind für mich die Key-Elemente, die wichtig sind.

Was hat es eigentlich mit deinem Namen auf sich?

(Lacht) Um ganz ehrlich zu sein, ich weiß es nicht. Ich habe damals, als ich angefangen habe Sets aufzunehmen und die hochladen wollte, einfach einen Namen gebraucht, mir ist aber keiner eingefallen. Ich habe so lange rumprobiert, bis der Name MARMORMETALL auf den Plan kam und der war noch frei. Also dachte ich, “Fuck it, den nehme ich einfach!” und seitdem ist er das. Ich habe auch schon so oft darüber nachgedacht, den zu ändern, aber immer, wenn ich das so mit Freunden oder Leuten aus der Szene bequatsche, sagen die „Wieso? Ist doch nicht schlimm, man kennt das ja jetzt schon!“ Dann denke ich mir ja, okay, stimmt schon.

Apropos, man kennt dich schon: Seit wann legst du auf und wie bist du dazu gekommen?

Auflegen tatsächlich schon sehr lange. Wenn man jetzt zurückgeht zu: Wir legen privat mit Freunden auf deren Partys auf, dann bestimmt schon zehn bis elf Jahre. Offiziell, dass es seinen Weg auf Soundcloud gefunden hat und dass ich auf Partys spiele, wo jetzt nicht nur Freunde sind, das seit ungefähr acht Jahren.

Silas ist seit einigen Jahren beim Kollektiv Fünfsinn am Start, einem der beliebtesten Techno-Kollektive in Wiesbaden. Das Kollektiv ist mittlerweile bekannt für seine vielseitigen Line-Ups, ein buntes Musikangebot und diverse Veranstaltungsreihen in den unterschiedlichsten Locations der Umgebung. Wenn ihr Bock habt mehr zu erfahren, geht es hier zu einem Artikel von unserem Redakteur Edwin, der mit den Gründungsmitgliedern von Fünfsinn gesprochen hat.

Du bist Teil vom Kollektiv Fünfsinn: Wie kam es dazu und was macht es für dich besonders?

Yes! Das war witzigerweise kurz nach Corona. Aber das Kollektiv Fünfsinn gibt es ja schon länger und ich kannte auch schon viele Leute von denen, aber damals war ich noch kein Teil davon. Irgendwann hat mich Jan Scheel, ein guter Kollege, mit dem ich studiert habe und der auch auflegt, dann gefragt, ob ich auf der privaten Hausparty von Julius auflegen will. Das ist, mit Maxleon zusammen, einer der Head-ofs vom Kollektiv Fünfsinn. So habe ich Julius kennengelernt auf seiner Hausparty. Dadurch ist diese Connection zustande gekommen, dann war ich auch mit im Boot. Und seitdem ist das, wie du wahrscheinlich auch weißt, so ein Selbstläufer geworden.

Was das Kollektiv für mich einzigartig macht, ist, dass es viele Kollektive gibt, und ich denke, jeder würde das auch über sein Kollektiv sagen und über seine Leute, aber das ist wirklich auf so einer familiären, freundschaftlichen Basis, dass es mit allen Leuten da mega Spaß macht und es jedes Mal auch über die Musik und die Veranstaltungen hinweg ein sau nices Erlebnis ist. Auch sich mit den Leuten auszutauschen. Jeder Einzelne, der da drinnen ist, macht was Kreatives. Ob es was Handwerkliches ist, Sachen bauen, Musik oder Designs. Allein das ist schon so geil. Mit so vielen Leuten auf einer Wellenlänge zu sein, dass alle gute Freunde sind, das ist wirklich besonders. Das möchte ich nicht missen müssen!

Was gibt dir das Auflegen persönlich?

Ich war schon immer gerne unter Leuten und ich mag es, viele Leute um mich herum zu haben, die ich mag und kenne.

Mir ist oft aufgefallen, wenn man Positives rausgibt, kriegt man auch Positives zurück. Auch bei Leuten, die man nicht kennt. Das kann man durch die Musik so gut weitertragen. Geben und Nehmen – und das liebe ich einfach daran!

Mein Dad spielt auch in einer Band, ich bin mit Musik groß geworden. Mit Plattensammlungen und sowas. Musik ist für mich eine der wichtigsten Sachen überhaupt in meinem Leben. Ich liebe es, Leuten Musik zu zeigen, mir Sachen zeigen zu lassen und das ist so das, was mir so viel beim Auflegen gibt. Dass man mit den Leuten zusammen eine nice Party und generell einen nicen Abend haben kann. Man tauscht so Momente von Freude aus und hat gerade eine geile Zeit. Dieses partymäßige einfach. Es ist schwer, das emotional zu beschreiben, aber ich denke, man weiß, was ich meine.

Foto Credit: Paul Winning

Das hast du sehr schön gesagt. Hast du denn einen bestimmten Anspruch an deine Sets? Welche Gefühle möchtest du bei Menschen auslösen, die zu deinen Auftritten kommen?

Ich will auf jeden Fall immer ein breit  gefächertes Angebot an musikalischen Sachen bieten. Ein breitgefächertes Repertoire an Songs. Ich möchte nie in meinen Sets so genre-versteift festhängen und nur Melodic spielen oder nur Hard Techno. Ich versuche immer Wellen einzubauen, weil ich den Leuten, dadurch dass ich viel Musik kenne und mag, auch viel davon zeigen will. Nicht nur diese Hard-Techno-Schiene. Das ist mein Anspruch an mich, wenn ich auflege: Den Leuten immer noch andere Sachen musikalisch mitzugeben, damit sie sehen, was es sonst noch so gibt. Klar, das ist schwer zu behaupten, wenn man in der Techno-Szene ist und Techno spielt. Manche Menschen denken wahrscheinlich, dass alles das gleiche ist. Aber ich glaube, die Leute, die in der Szene unterwegs sind, wissen, was ich meine.

Heute legst du in der Krea für das Kollektiv SURREALISMUS auf und ich freue mich schon sehr darauf. Wie würdest du ein Set von dir in drei Worten beschreiben?

Da muss ich jetzt an englische Wörter denken, das ist jetzt bestimmt peinlich. Aber ich würde sagen: Energy, Vibe und Fun. (Lacht)

Gibt es einen Moment, an den du dich erinnerst, während du aufgelegt hast, der für dich besonders war und wenn ja, wieso ist er dir im Kopf geblieben?

Set-bedingt – glaube ich –  vor zwei Jahren im Muk in Gießen, weil ich da ursprünglich herkomme. Da habe ich zur Primetime draußen aufgelegt. Es sah alles mega geil aus und dadurch, dass ich von da komme, waren, ohne dass ich es wusste, ganz viele Freunde von früher da. Dadurch hatte ich einen unfassbaren Abend, das war einmalig. Vom Set und Setting her glaube ich, dass es die Bootsparty vom Kollektiv Fünfsinn war. Das war dieses Jahr, glaube ich, meine favourite Party. Das war vom Vibe her, wie sagt man, „lightning captured in a bottle“. Selbst wenn man das nochmal macht, genau so, wird das vom Vibe her wahrscheinlich nicht nochmal so sein. Das war auch Friends and Family at its finest. Das Wetter war top. Das werde ich nie vergessen.

Man sieht Silas häufig nicht alleine an den Decks. Er spielt regelmäßig B2B, “Back to Back", was in der Welt der elektronischen Musik bedeutet, dass sich zwei unabhängige Künstler:innen zusammentun und als Duo auflegen. Seine Freude an sozialen Kontakten, musikalischem Austausch und gegenseitigem Support scheint durch, bei allem, was er tut.

Das klingt ganz toll! Du spielst ja öfter mit anderen Künstler:innen zusammen B2B – heute zum Beispiel mit der DJ Katrinity. Was gibt es dir, diese Erfahrung mit einer anderen Person zu teilen?

Das ist eine gute Frage, denn was am B2B sehr geil ist, auch wenn man sich vorbereitet oder nicht: Man bekommt unfassbar viel musikalischen Input. Ich habe auch im Kollektiv glücklicherweise schon mit sehr vielen Leuten B2B aufgelegt, die nochmal in einer anderen Schiene unterwegs sind. Dadurch bekomme ich so viel neue Musik mit und das ist mega geil, dass man sich auch selbst dadurch musikalisch weiterentwickelt, dass man nicht so verkopft ist auf seine Schiene. Das liebe ich an B2Bs, dass man neue Mukke mitbekommt.

Und wenn du dich entscheiden müsstest: Für immer B2B oder für immer allein spielen?

Das ist fies! (Lacht) Ich liebe B2Bs, aber ich müsste schon sagen, ich glaube alleine natürlich, weil man schon so seine Sachen hat, die man den Leuten zeigen will. Ich glaube, wenn man immer nur B2B spielt, hat man Schwierigkeiten damit, seine eigene Musik zu verwirklichen und an einem Abend darzubieten. Deshalb ist es eine fiese Frage, aber ich würde in dem Fall sagen: lieber allein.

Wenn du dir eine:n B2B-Partner:in aussuchen dürftest, egal wen, wer wäre es?

Mit Katrinity ist es sehr nice, weil es musikalisch ein sehr nicer Wechsel ist, das passt sehr gut. Mit AKONI auch, denn ich muss sagen, der hat vor einem Jahr erst angefangen aufzulegen und hat es geschafft, mich Skill-technisch so krass einzuholen, dass man von dem Jungen auf jeden Fall sau viel noch lernen kann. Das sind so zwei Kandidaten, die ich picken würde.

Wirklich? Wenn du jede:n wählen könntest?

(Lacht) Ach, auch Stars?! Wenn ich von bekannteren Leuten aussuchen dürfte, wäre es von früher noch so mein “Idol”, Adam Beyer, auch weil er Label-Head von Drumcode ist. Musikalisch hat er sich ein bisschen verändert die letzten Jahre, aber ich glaube, wenn ich es jetzt der Frage wegen picken könnte, aus Interesse, würde ich es einmal mit ihm machen.

Hast du einen Club oder Veranstaltungsort, in dem du am liebsten auflegst? Wenn ja, welcher und warum?

Das ist schwer, man hat schon überall gute Abende gehabt. Tanzhaus Dora ist sehr geil, muss ich sagen. Ich feier den Sound da und auch wie alles aufgebaut ist. Davon bin ich ein sehr großer Fan. Das Café ist auch nicht zu unterschätzen im Tanzhaus. Das ist zwar klein, aber ich finds auch geil. Das wären zwei Picks, die ich sagen würde. Aber wenn ich es mir aussuchen könnte, wo ich leider noch nie gespielt habe, was aber eine meiner absoluten Lieblingslocations ist, dann wäre es das Silbergold in Frankfurt. Dazu habe ich eine besondere Verbindung. Die Antwort überrascht bestimmt viele, aber ich finde den Club einmalig. Da würde ich unfassbar gerne mal zocken.

Und wo sieht man dich am häufigsten auf der Tanzfläche?

Früher, als ich noch in Frankfurt gewohnt habe, natürlich im Silbergold. Wiesbaden hält sich leider bedeckt, muss man sagen. Aktuell glaube ich im Tanzhaus, weil da im Rhein-Main-Gebiet die besten Acts sind.

Ist die Musik, die du für deine Sets auswählst, denn auch die, zu der du privat am liebsten feiern gehst?

Ja, das stimmt schon. Aber was ich auch sagen muss, ist, dass ich auch oft auf andere Musik feiern gehe im Elektrobereich. Ich habe da immer wieder Aha-Erlebnisse. Ich liebe ja Drum and Bass und ich war dieses Jahr auf dem Fusion Festival und habe zum ersten Mal in meinem Leben live Drum and Bass gehört und das war dort auf jeden Fall mein absolutes Highlight. Durch die Szene generell, zum Beispiel durch Maxlion, der Trance auflegt, und Katrinity ja auch, aber Maxlions Musik ist ja schon noch spezieller. Er hatte letztens seine K5 Party im Roof, da war ich auch völlig unvoreingenommen und das war auch absolut geil, muss ich sagen.

Also ja, hauptsächlich gehe ich zu meinem Genre feiern, aber grundsätzlich bin ich im Elektrobereich für alles zu haben. Ich würde niemals sagen: „Ne, hab ich keinen Bock hinzugehen!“.

Was gefällt dir an der Techno-Szene hier im Rhein-Main-Gebiet und was macht sie für dich aus?

Ich finde es hier im Rhein-Main-Gebiet so nice, weil es gerade so viele Kollektive gibt, die sehr aktiv sind. Weil, natürlich Frankfurt ausgenommen, Mainz lässt sich drüber streiten, aber vor allem in Wiesbaden ist die Partyszene leider etwas tot und wenn wir, diese Kollektive wie SURREALISMUS, MOTION, Kollektiv Fünfsinn, HELIX aus Frankfurt – und ich habe bestimmt noch einige vergessen – aber wenn die alle nichts machen würden, dann würde diese ganze Szene, diese Secret Raves und Partys, wegfallen. Das ist eine der essentiellsten Baustellen für die Szene. Weil viele Leute durch diese Sachen überhaupt erst an die Musik kommen. Außerdem gefällt mir, dass alle Leute aus den Kollektiven sehr gut miteinander sind und gerne zusammenarbeiten. Das finde ich mega am Rhein-Main-Gebiet!

Was empfindest du als verbesserungswürdig und wie trägst du selbst vielleicht schon zum Umdenken bei?

Ich finde, wir sind schon auf einem guten Weg.

Es wäre natürlich schön, wenn die Politik das auch alles ein bisschen mehr unterstützen würde, weil das immer aus so einer „Erwachsenen-Sicht" betrachtet wird. Das ist alles mit Vorurteilen behaftet und mit Drogenkonsum verknüpft. Man vergisst immer, wie wichtig das ist für junge Leute, dass sowas da ist. Es zählt ja zu Kunst und Kultur, weil es einfach Musik ist!

Das ist unfassbar wichtig und ich würde mir wünschen, dass da von der Stadt einfach mehr Unterstützung kommen würde. Denn eigentlich ist ja aktuell eher das Gegenteil der Fall. Da sieht man wieder, dass es in der Hand des Endverbrauchers liegt. Dass man es selbst machen muss, weil von der „höheren Macht“ keine Unterstützung kommt.

Was Silas anspricht, ist ein Thema, das alle Kunst- und Kulturschaffenden in Wiesbaden aktuell nachhaltig beschäftigt und auch zu Recht verärgert: Die geplanten drastischen Kürzungen der finanziellen Mittel für die frei-gemeinnützige Kulturszene Wiesbadens. Mit Demonstrationen und Aktionen wie “Finger weg vom Kultur- und Sozialetat” oder “Freie Kulturszene sieht rot” wehren sich die Kulturinstitutionen und machen auf diesen Missstand aufmerksam.

Foto Credit: Paul Winning

Was sollte ein:e DJ heutzutage in deinen Augen mitbringen?

Ich glaube heutzutage, um erfolgreich zu werden, ist Social Media unabdingbar. Das geht leider nicht mehr ohne. Generell zu einer Party, gute Stimmung und auch Bock zu haben, das zu machen. Denn wenn man keinen Bock hat auf die Party oder das, was man gerade macht, merken die Leute das auch und dann wird man irgendwann abgeschrieben. Aber ich glaube, das betrifft nur die wenigsten. Die haben sich schon herauskristallisiert.

Auf jeden Fall! Glaubst du, dass jede:r DJ auch selbst Musik produzieren muss beziehungsweise sollte?

Gute Frage, denn DJ, Discjockey, an sich steht ja gar nicht dafür, dass man selbst Musik produziert. Ich glaube, viele Künstler haben auch bewiesen, dass das nicht nötig ist. Ich für meinen Teil finde es für mich wichtig. Obwohl die Antwort auch ein bisschen merkwürdig ist, weil ich jetzt bestimmt seit drei bis vier Jahren keinen Song mehr produziert habe durch Uni, Arbeiten und Masterabschluss, aber ich finde es halt nice, weil es eine gute Möglichkeit ist, das, was man eigentlich machen will, zu produzieren und auflegen zu können. Natürlich hat man Musik, die man mag und auflegt, aber das, was man eigentlich machen will, was man im Kopf hat oder im Herzen, das musikalisch rauszuhauen, das geht, glaube ich, nur durchs Produzieren. Aber ich finde es nicht schlimm, wenn man nur auflegt und nicht produziert, das ist doch eigentlich egal.

Und was würdest du Leuten raten, die selbst gerne auflegen lernen würden aber sich bisher noch nicht so ganz herantrauen?

Darauf könnte man jetzt die klassische Antwort geben: „Einfach anfangen!“ (überlegt). Aber am Ende des Tages stimmt es halt auch. Ich habe damals auch diese Musik gehört und fand sie so geil und wollte dann immer, dass alle Lieder, die ich cool fand, am Stück laufen. Ich habe mir dann von einem Kollegen ein 40 Euro- Mischpult ausgeliehen und zu Hause Mixes aufgenommen. Ich glaube, die Intention, warum man anfängt, ist eigentlich egal. Was vielleicht wichtig ist:

Man sollte nicht das DJ-Sein, sondern das Auflegen-Wollen aus Liebe zur Musik wählen. Dass man die Musik feiert und weitergeben will. Es ist wichtig, dass man das vor diesem Step hat „Ah ich will DJ werden“. Das kommt danach.

Ich sag mal, vielleicht denkt man „Das ist cool!“, aber man feiert eigentlich andere Musik, beschäftigt sich damit und denkt sich dann: „Vielleicht passt auch so ne Band viel mehr zu mir“ oder sowas. Aber wenn ich es auf die Frage herunterbreche, was ich angehenden DJs raten würde, die sich noch nicht so getraut haben, dann: Einfach anfangen (lacht) und sich keinen imaginären Dogmen oder Prinzipien hinzugeben, weil man denkt „das ist cool, das muss ich machen” oder "Das ist angesagt“. Einfach genau das machen, was man selbst cool findet. Denn die Leute, die das auch feiern, kommen irgendwann.

Danke dir für dieses schöne und motivierende Schlusswort! Dann kommen wir nun zur Einerseits-Tradition: Die letzte Frage an dich kommt von der jungen Poetin Lena Hopp. Sie würde gerne wissen, ob du ein Lieblingsbuch hast und wenn ja, welches?

(Lacht) Ich muss sagen, das einzige Buch, das ich mehrmals gelesen habe und was ich von der Story her feier, ist, glaube ich, der Hobbit.

Foto Credit: Paul Winning

Vielen lieben Dank für diesen Einblick in deine Leidenschaft und auch für deine offene, herzliche Art, Silas! Ich wünsche dir noch ganz viele weitere Partys und Momente des kollektiven Glücks.

Wenn ihr Bock habt mehr von Silas zu hören, folgt ihm doch auf Instagram: @marmormetall oder Soundcloud: MARMORMETALL

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Es ist 0 Uhr, Samstag Nacht. Wir sitzen auf der alten Ledercouch im Backstage der Kreativfabrik. Sekt-Mate steht auf dem Tisch, die dumpfen Bässe der Tanzfläche durchfluten den Raum und ich spreche mit Silas über die Liebe zur Musik, Gemeinschaftsgefühl und die Techno-Szene im Rhein-Main-Gebiet. Was sie ausmacht, wieso sie für junge Menschen so wichtig ist und wo sie hin möchte.

Party-Vibes – so wie es Silas gefällt. Er brennt für das, was er tut und das mit einer so sympathischen Gelassenheit und Authentizität, dass es leicht fällt zu verstehen, warum er von den Line-Ups der Region nicht mehr wegzudenken ist. Das ist jedenfalls mein Eindruck.

Silas, bekannt unter dem Namen MARMORMETALL, ist DJ und das schon ziemlich lange. Der 27-jährige Wahl-Wiesbadener gehört zum Kollektiv Fünfsinn und bringt regelmäßig Menschen mit seinen Melodic Hard Techno Sets zum Tanzen.

Kurz vor seinem Auftritt beim Kollektiv SURREALISMUS darf ich ihn interviewen:

Hey Silas, sag mal, "What do DJs actually do?"

Ich glaube, essentiell sind DJs einfach dafür da, Leuten einen schönen Abend zu bereiten. Sie musikalisch durch den Abend zu begleiten, so dass sie sich sozusagen selbst enjoyen können.

Kannst Du dich an deine erste Begegnung mit elektronischer Musik erinnern? Was hat dich daran so begeistert?

Das ist eine nice Frage und auch sehr interessant, weil ich tatsächlich früher andere elektronische Musik gehört habe als die, die ich heute auflege oder selbst mache. Wir hatten früher so einen Proberaum, den wir angemietet haben und da haben wir uns immer am Wochenende getroffen. Das ist schon ewig her, zwölf oder vierzehn Jahre so um den Dreh und da hat jemand von David Hasert „Another Day“  angemacht und der Song hat mich in dem Moment so gecatcht, dass ich dann wissen wollte, ob es da noch mehr Musik in der Richtung gibt. Dann bin ich das erste Mal so reingedived in die elektronische Musik (...) und hatte mit Deep House Kontakt, was an dem Interpreten lag.  Dann hat sich das ein bisschen gewandelt. Ich glaube, der erste Artist, durch den ich zu Techno Musik gekommen bin, war ein Set von Harvey McKay, der hauptsächlich bei dem Label Drumcode unter Vertrag ist und das Set hatte ein paar Lieder drinnen, die ich so vorher noch nie gehört hatte. Das war der Startschuss, warum ich überhaupt in die technoide Szene gekommen bin.

Ordnest du dir denn ein spezielles Genre zu? Wenn ja, welches?

Das ist schwierig. Ich würde sagen, ich schwebe in der Mitte von Melodic- und Hard Techno. Aber das zu einem Genre zusammenzuführen mit Namen – den gibt es mit Sicherheit, aber den kenne ich grade nicht – finde ich schwer. Ich bin privat auch sehr großer Fan von Drum and Bass und von New Disco House. Drum and Bass habe ich noch nicht so oft eingearbeitet, aber ich versuche häufig zwischen zwei Hard Techno Songs mal so einen House Disco Song einzubauen. Also ich würde pauschal sagen: Melodic Hard Techno, sowas um den Dreh.

Wie hast du „deinen“ Sound gefunden und wie würdest du ihn beschreiben?

Ausschlaggebend war wirklich dieses Set von Harvey McKay, denn das war sehr technoid und auch schnell für die damaligen Verhältnisse, für mich und auch für die Szene. Da waren sehr viele Vocals drinnen. Das ist mir auch heute noch wichtig, wenn ich auflege. Ich brauche zwar auch ein sehr rhythmisches Treiben, aber ich bin immer auch auf der Suche nach Melodien und Vocals. Ich skippe oft durch Songs durch und ich erkenne sofort, ob ein Lied was für mich ist oder nicht. Da sind so ein paar Parameter: die Melodie, wie die Drums sich sozusagen selbst arrangieren in dem Lied und die Vocals. Das sind für mich die Key-Elemente, die wichtig sind.

Was hat es eigentlich mit deinem Namen auf sich?

(Lacht) Um ganz ehrlich zu sein, ich weiß es nicht. Ich habe damals, als ich angefangen habe Sets aufzunehmen und die hochladen wollte, einfach einen Namen gebraucht, mir ist aber keiner eingefallen. Ich habe so lange rumprobiert, bis der Name MARMORMETALL auf den Plan kam und der war noch frei. Also dachte ich, “Fuck it, den nehme ich einfach!” und seitdem ist er das. Ich habe auch schon so oft darüber nachgedacht, den zu ändern, aber immer, wenn ich das so mit Freunden oder Leuten aus der Szene bequatsche, sagen die „Wieso? Ist doch nicht schlimm, man kennt das ja jetzt schon!“ Dann denke ich mir ja, okay, stimmt schon.

Apropos, man kennt dich schon: Seit wann legst du auf und wie bist du dazu gekommen?

Auflegen tatsächlich schon sehr lange. Wenn man jetzt zurückgeht zu: Wir legen privat mit Freunden auf deren Partys auf, dann bestimmt schon zehn bis elf Jahre. Offiziell, dass es seinen Weg auf Soundcloud gefunden hat und dass ich auf Partys spiele, wo jetzt nicht nur Freunde sind, das seit ungefähr acht Jahren.

Silas ist seit einigen Jahren beim Kollektiv Fünfsinn am Start, einem der beliebtesten Techno-Kollektive in Wiesbaden. Das Kollektiv ist mittlerweile bekannt für seine vielseitigen Line-Ups, ein buntes Musikangebot und diverse Veranstaltungsreihen in den unterschiedlichsten Locations der Umgebung. Wenn ihr Bock habt mehr zu erfahren, geht es hier zu einem Artikel von unserem Redakteur Edwin, der mit den Gründungsmitgliedern von Fünfsinn gesprochen hat.

Du bist Teil vom Kollektiv Fünfsinn: Wie kam es dazu und was macht es für dich besonders?

Yes! Das war witzigerweise kurz nach Corona. Aber das Kollektiv Fünfsinn gibt es ja schon länger und ich kannte auch schon viele Leute von denen, aber damals war ich noch kein Teil davon. Irgendwann hat mich Jan Scheel, ein guter Kollege, mit dem ich studiert habe und der auch auflegt, dann gefragt, ob ich auf der privaten Hausparty von Julius auflegen will. Das ist, mit Maxleon zusammen, einer der Head-ofs vom Kollektiv Fünfsinn. So habe ich Julius kennengelernt auf seiner Hausparty. Dadurch ist diese Connection zustande gekommen, dann war ich auch mit im Boot. Und seitdem ist das, wie du wahrscheinlich auch weißt, so ein Selbstläufer geworden.

Was das Kollektiv für mich einzigartig macht, ist, dass es viele Kollektive gibt, und ich denke, jeder würde das auch über sein Kollektiv sagen und über seine Leute, aber das ist wirklich auf so einer familiären, freundschaftlichen Basis, dass es mit allen Leuten da mega Spaß macht und es jedes Mal auch über die Musik und die Veranstaltungen hinweg ein sau nices Erlebnis ist. Auch sich mit den Leuten auszutauschen. Jeder Einzelne, der da drinnen ist, macht was Kreatives. Ob es was Handwerkliches ist, Sachen bauen, Musik oder Designs. Allein das ist schon so geil. Mit so vielen Leuten auf einer Wellenlänge zu sein, dass alle gute Freunde sind, das ist wirklich besonders. Das möchte ich nicht missen müssen!

Was gibt dir das Auflegen persönlich?

Ich war schon immer gerne unter Leuten und ich mag es, viele Leute um mich herum zu haben, die ich mag und kenne.

Mir ist oft aufgefallen, wenn man Positives rausgibt, kriegt man auch Positives zurück. Auch bei Leuten, die man nicht kennt. Das kann man durch die Musik so gut weitertragen. Geben und Nehmen – und das liebe ich einfach daran!

Mein Dad spielt auch in einer Band, ich bin mit Musik groß geworden. Mit Plattensammlungen und sowas. Musik ist für mich eine der wichtigsten Sachen überhaupt in meinem Leben. Ich liebe es, Leuten Musik zu zeigen, mir Sachen zeigen zu lassen und das ist so das, was mir so viel beim Auflegen gibt. Dass man mit den Leuten zusammen eine nice Party und generell einen nicen Abend haben kann. Man tauscht so Momente von Freude aus und hat gerade eine geile Zeit. Dieses partymäßige einfach. Es ist schwer, das emotional zu beschreiben, aber ich denke, man weiß, was ich meine.

Foto Credit: Paul Winning

Das hast du sehr schön gesagt. Hast du denn einen bestimmten Anspruch an deine Sets? Welche Gefühle möchtest du bei Menschen auslösen, die zu deinen Auftritten kommen?

Ich will auf jeden Fall immer ein breit  gefächertes Angebot an musikalischen Sachen bieten. Ein breitgefächertes Repertoire an Songs. Ich möchte nie in meinen Sets so genre-versteift festhängen und nur Melodic spielen oder nur Hard Techno. Ich versuche immer Wellen einzubauen, weil ich den Leuten, dadurch dass ich viel Musik kenne und mag, auch viel davon zeigen will. Nicht nur diese Hard-Techno-Schiene. Das ist mein Anspruch an mich, wenn ich auflege: Den Leuten immer noch andere Sachen musikalisch mitzugeben, damit sie sehen, was es sonst noch so gibt. Klar, das ist schwer zu behaupten, wenn man in der Techno-Szene ist und Techno spielt. Manche Menschen denken wahrscheinlich, dass alles das gleiche ist. Aber ich glaube, die Leute, die in der Szene unterwegs sind, wissen, was ich meine.

Heute legst du in der Krea für das Kollektiv SURREALISMUS auf und ich freue mich schon sehr darauf. Wie würdest du ein Set von dir in drei Worten beschreiben?

Da muss ich jetzt an englische Wörter denken, das ist jetzt bestimmt peinlich. Aber ich würde sagen: Energy, Vibe und Fun. (Lacht)

Gibt es einen Moment, an den du dich erinnerst, während du aufgelegt hast, der für dich besonders war und wenn ja, wieso ist er dir im Kopf geblieben?

Set-bedingt – glaube ich –  vor zwei Jahren im Muk in Gießen, weil ich da ursprünglich herkomme. Da habe ich zur Primetime draußen aufgelegt. Es sah alles mega geil aus und dadurch, dass ich von da komme, waren, ohne dass ich es wusste, ganz viele Freunde von früher da. Dadurch hatte ich einen unfassbaren Abend, das war einmalig. Vom Set und Setting her glaube ich, dass es die Bootsparty vom Kollektiv Fünfsinn war. Das war dieses Jahr, glaube ich, meine favourite Party. Das war vom Vibe her, wie sagt man, „lightning captured in a bottle“. Selbst wenn man das nochmal macht, genau so, wird das vom Vibe her wahrscheinlich nicht nochmal so sein. Das war auch Friends and Family at its finest. Das Wetter war top. Das werde ich nie vergessen.

Man sieht Silas häufig nicht alleine an den Decks. Er spielt regelmäßig B2B, “Back to Back", was in der Welt der elektronischen Musik bedeutet, dass sich zwei unabhängige Künstler:innen zusammentun und als Duo auflegen. Seine Freude an sozialen Kontakten, musikalischem Austausch und gegenseitigem Support scheint durch, bei allem, was er tut.

Das klingt ganz toll! Du spielst ja öfter mit anderen Künstler:innen zusammen B2B – heute zum Beispiel mit der DJ Katrinity. Was gibt es dir, diese Erfahrung mit einer anderen Person zu teilen?

Das ist eine gute Frage, denn was am B2B sehr geil ist, auch wenn man sich vorbereitet oder nicht: Man bekommt unfassbar viel musikalischen Input. Ich habe auch im Kollektiv glücklicherweise schon mit sehr vielen Leuten B2B aufgelegt, die nochmal in einer anderen Schiene unterwegs sind. Dadurch bekomme ich so viel neue Musik mit und das ist mega geil, dass man sich auch selbst dadurch musikalisch weiterentwickelt, dass man nicht so verkopft ist auf seine Schiene. Das liebe ich an B2Bs, dass man neue Mukke mitbekommt.

Und wenn du dich entscheiden müsstest: Für immer B2B oder für immer allein spielen?

Das ist fies! (Lacht) Ich liebe B2Bs, aber ich müsste schon sagen, ich glaube alleine natürlich, weil man schon so seine Sachen hat, die man den Leuten zeigen will. Ich glaube, wenn man immer nur B2B spielt, hat man Schwierigkeiten damit, seine eigene Musik zu verwirklichen und an einem Abend darzubieten. Deshalb ist es eine fiese Frage, aber ich würde in dem Fall sagen: lieber allein.

Wenn du dir eine:n B2B-Partner:in aussuchen dürftest, egal wen, wer wäre es?

Mit Katrinity ist es sehr nice, weil es musikalisch ein sehr nicer Wechsel ist, das passt sehr gut. Mit AKONI auch, denn ich muss sagen, der hat vor einem Jahr erst angefangen aufzulegen und hat es geschafft, mich Skill-technisch so krass einzuholen, dass man von dem Jungen auf jeden Fall sau viel noch lernen kann. Das sind so zwei Kandidaten, die ich picken würde.

Wirklich? Wenn du jede:n wählen könntest?

(Lacht) Ach, auch Stars?! Wenn ich von bekannteren Leuten aussuchen dürfte, wäre es von früher noch so mein “Idol”, Adam Beyer, auch weil er Label-Head von Drumcode ist. Musikalisch hat er sich ein bisschen verändert die letzten Jahre, aber ich glaube, wenn ich es jetzt der Frage wegen picken könnte, aus Interesse, würde ich es einmal mit ihm machen.

Hast du einen Club oder Veranstaltungsort, in dem du am liebsten auflegst? Wenn ja, welcher und warum?

Das ist schwer, man hat schon überall gute Abende gehabt. Tanzhaus Dora ist sehr geil, muss ich sagen. Ich feier den Sound da und auch wie alles aufgebaut ist. Davon bin ich ein sehr großer Fan. Das Café ist auch nicht zu unterschätzen im Tanzhaus. Das ist zwar klein, aber ich finds auch geil. Das wären zwei Picks, die ich sagen würde. Aber wenn ich es mir aussuchen könnte, wo ich leider noch nie gespielt habe, was aber eine meiner absoluten Lieblingslocations ist, dann wäre es das Silbergold in Frankfurt. Dazu habe ich eine besondere Verbindung. Die Antwort überrascht bestimmt viele, aber ich finde den Club einmalig. Da würde ich unfassbar gerne mal zocken.

Und wo sieht man dich am häufigsten auf der Tanzfläche?

Früher, als ich noch in Frankfurt gewohnt habe, natürlich im Silbergold. Wiesbaden hält sich leider bedeckt, muss man sagen. Aktuell glaube ich im Tanzhaus, weil da im Rhein-Main-Gebiet die besten Acts sind.

Ist die Musik, die du für deine Sets auswählst, denn auch die, zu der du privat am liebsten feiern gehst?

Ja, das stimmt schon. Aber was ich auch sagen muss, ist, dass ich auch oft auf andere Musik feiern gehe im Elektrobereich. Ich habe da immer wieder Aha-Erlebnisse. Ich liebe ja Drum and Bass und ich war dieses Jahr auf dem Fusion Festival und habe zum ersten Mal in meinem Leben live Drum and Bass gehört und das war dort auf jeden Fall mein absolutes Highlight. Durch die Szene generell, zum Beispiel durch Maxlion, der Trance auflegt, und Katrinity ja auch, aber Maxlions Musik ist ja schon noch spezieller. Er hatte letztens seine K5 Party im Roof, da war ich auch völlig unvoreingenommen und das war auch absolut geil, muss ich sagen.

Also ja, hauptsächlich gehe ich zu meinem Genre feiern, aber grundsätzlich bin ich im Elektrobereich für alles zu haben. Ich würde niemals sagen: „Ne, hab ich keinen Bock hinzugehen!“.

Was gefällt dir an der Techno-Szene hier im Rhein-Main-Gebiet und was macht sie für dich aus?

Ich finde es hier im Rhein-Main-Gebiet so nice, weil es gerade so viele Kollektive gibt, die sehr aktiv sind. Weil, natürlich Frankfurt ausgenommen, Mainz lässt sich drüber streiten, aber vor allem in Wiesbaden ist die Partyszene leider etwas tot und wenn wir, diese Kollektive wie SURREALISMUS, MOTION, Kollektiv Fünfsinn, HELIX aus Frankfurt – und ich habe bestimmt noch einige vergessen – aber wenn die alle nichts machen würden, dann würde diese ganze Szene, diese Secret Raves und Partys, wegfallen. Das ist eine der essentiellsten Baustellen für die Szene. Weil viele Leute durch diese Sachen überhaupt erst an die Musik kommen. Außerdem gefällt mir, dass alle Leute aus den Kollektiven sehr gut miteinander sind und gerne zusammenarbeiten. Das finde ich mega am Rhein-Main-Gebiet!

Was empfindest du als verbesserungswürdig und wie trägst du selbst vielleicht schon zum Umdenken bei?

Ich finde, wir sind schon auf einem guten Weg.

Es wäre natürlich schön, wenn die Politik das auch alles ein bisschen mehr unterstützen würde, weil das immer aus so einer „Erwachsenen-Sicht" betrachtet wird. Das ist alles mit Vorurteilen behaftet und mit Drogenkonsum verknüpft. Man vergisst immer, wie wichtig das ist für junge Leute, dass sowas da ist. Es zählt ja zu Kunst und Kultur, weil es einfach Musik ist!

Das ist unfassbar wichtig und ich würde mir wünschen, dass da von der Stadt einfach mehr Unterstützung kommen würde. Denn eigentlich ist ja aktuell eher das Gegenteil der Fall. Da sieht man wieder, dass es in der Hand des Endverbrauchers liegt. Dass man es selbst machen muss, weil von der „höheren Macht“ keine Unterstützung kommt.

Was Silas anspricht, ist ein Thema, das alle Kunst- und Kulturschaffenden in Wiesbaden aktuell nachhaltig beschäftigt und auch zu Recht verärgert: Die geplanten drastischen Kürzungen der finanziellen Mittel für die frei-gemeinnützige Kulturszene Wiesbadens. Mit Demonstrationen und Aktionen wie “Finger weg vom Kultur- und Sozialetat” oder “Freie Kulturszene sieht rot” wehren sich die Kulturinstitutionen und machen auf diesen Missstand aufmerksam.

Foto Credit: Paul Winning

Was sollte ein:e DJ heutzutage in deinen Augen mitbringen?

Ich glaube heutzutage, um erfolgreich zu werden, ist Social Media unabdingbar. Das geht leider nicht mehr ohne. Generell zu einer Party, gute Stimmung und auch Bock zu haben, das zu machen. Denn wenn man keinen Bock hat auf die Party oder das, was man gerade macht, merken die Leute das auch und dann wird man irgendwann abgeschrieben. Aber ich glaube, das betrifft nur die wenigsten. Die haben sich schon herauskristallisiert.

Auf jeden Fall! Glaubst du, dass jede:r DJ auch selbst Musik produzieren muss beziehungsweise sollte?

Gute Frage, denn DJ, Discjockey, an sich steht ja gar nicht dafür, dass man selbst Musik produziert. Ich glaube, viele Künstler haben auch bewiesen, dass das nicht nötig ist. Ich für meinen Teil finde es für mich wichtig. Obwohl die Antwort auch ein bisschen merkwürdig ist, weil ich jetzt bestimmt seit drei bis vier Jahren keinen Song mehr produziert habe durch Uni, Arbeiten und Masterabschluss, aber ich finde es halt nice, weil es eine gute Möglichkeit ist, das, was man eigentlich machen will, zu produzieren und auflegen zu können. Natürlich hat man Musik, die man mag und auflegt, aber das, was man eigentlich machen will, was man im Kopf hat oder im Herzen, das musikalisch rauszuhauen, das geht, glaube ich, nur durchs Produzieren. Aber ich finde es nicht schlimm, wenn man nur auflegt und nicht produziert, das ist doch eigentlich egal.

Und was würdest du Leuten raten, die selbst gerne auflegen lernen würden aber sich bisher noch nicht so ganz herantrauen?

Darauf könnte man jetzt die klassische Antwort geben: „Einfach anfangen!“ (überlegt). Aber am Ende des Tages stimmt es halt auch. Ich habe damals auch diese Musik gehört und fand sie so geil und wollte dann immer, dass alle Lieder, die ich cool fand, am Stück laufen. Ich habe mir dann von einem Kollegen ein 40 Euro- Mischpult ausgeliehen und zu Hause Mixes aufgenommen. Ich glaube, die Intention, warum man anfängt, ist eigentlich egal. Was vielleicht wichtig ist:

Man sollte nicht das DJ-Sein, sondern das Auflegen-Wollen aus Liebe zur Musik wählen. Dass man die Musik feiert und weitergeben will. Es ist wichtig, dass man das vor diesem Step hat „Ah ich will DJ werden“. Das kommt danach.

Ich sag mal, vielleicht denkt man „Das ist cool!“, aber man feiert eigentlich andere Musik, beschäftigt sich damit und denkt sich dann: „Vielleicht passt auch so ne Band viel mehr zu mir“ oder sowas. Aber wenn ich es auf die Frage herunterbreche, was ich angehenden DJs raten würde, die sich noch nicht so getraut haben, dann: Einfach anfangen (lacht) und sich keinen imaginären Dogmen oder Prinzipien hinzugeben, weil man denkt „das ist cool, das muss ich machen” oder "Das ist angesagt“. Einfach genau das machen, was man selbst cool findet. Denn die Leute, die das auch feiern, kommen irgendwann.

Danke dir für dieses schöne und motivierende Schlusswort! Dann kommen wir nun zur Einerseits-Tradition: Die letzte Frage an dich kommt von der jungen Poetin Lena Hopp. Sie würde gerne wissen, ob du ein Lieblingsbuch hast und wenn ja, welches?

(Lacht) Ich muss sagen, das einzige Buch, das ich mehrmals gelesen habe und was ich von der Story her feier, ist, glaube ich, der Hobbit.

Foto Credit: Paul Winning

Vielen lieben Dank für diesen Einblick in deine Leidenschaft und auch für deine offene, herzliche Art, Silas! Ich wünsche dir noch ganz viele weitere Partys und Momente des kollektiven Glücks.

Wenn ihr Bock habt mehr von Silas zu hören, folgt ihm doch auf Instagram: @marmormetall oder Soundcloud: MARMORMETALL

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