Ist hier eigentlich jemand allergisch gegen the Kid Popa?

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Titelbild Credit: Ruben Rheinländer, Bild Popadiclo Credit: Jumandy Guitarra, Bild Ozelot Credit: Migouz Photo
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Popadiclo und Ozelot, ihr seid Produzenten und Musiker aus Mainz und ihr seid die einzigen, die bereits ein zweites Mal beim Einerseits Magazin interviewt werden. Ihr wart nämlich schon vor unserem Relaunch am Start, macht aber auch so viel Musik, dass man mit euch auf jeden Fall immer wieder quatschen kann.

Ihr macht bereits eine ganze Weile Musik zusammen, so seit 2015/2016. Ihr seid aber ja grundsätzlich kein Duo, ihr tretet nur oft gemeinsam in Erscheinung, vor allem live. 

Vielleicht gehen wir aber mal ein bisschen zurück. 

Wie seid ihr so musikalisch sozialisiert? 

Popadiclo: Ich habe auf jeden Fall viel Timbaland gehört. Sonst wurde ich von meiner Schwester ein bisschen trainiert. Sie ist 14 Jahre älter als ich und sie hat viel von der 90s Hip-Hop Kultur aufgesaugt. Wir haben immer im Auto zusammen Mukke gehört. Ich habe relativ früh gemerkt, auf was für Kleinigkeiten ich in Musik achte. Zum Beispiel, wie lange ein Delay ausklingt oder Ähnliches. So richtig Bock auf Musikproduktion habe ich dann bekommen durch Videos, zum Beispiel durch Arab Muzik wie er auf den Pads rumgedrummed hat oder so (lacht). 

Ozelot: (lacht) Kennst du Arab Muzik, Johanna?

Nein, tatsächlich gar nicht. 

Ozelot: Der macht einfach das wildeste Fingerdrumming, was man sich so vorstellen kann. 

Muss ich mir gleich unbedingt mal reinziehen!

Popadiclo: Ich glaube, so richtig in die Musikproduktion bin ich dann gekommen, weil ich Bock hatte, Musik zu machen, aber auch, weil es einfach unfassbar cool aussieht, mit so viel Gear rumzufummeln. Wenn ich heute bei mir im Zimmer Mukke mache, habe ich wirklich nur noch ein Midi-Keyboard. Früher war es flashig und cool, man spielt einfach auf so Pads rum. 

Ozelot, wie sah es bei dir aus? Was hat dich inspiriert?

Ozelot: Bei mir spielt mein Vater eine große Rolle. Er hat viel Jazz gehört, aber auch Sachen, die damit verwandt sind. Teilweise Hip-Hop, Funk, House. Durch ihn habe ich die ersten Sachen gehört, aber auch 50 Cent, Eminem und Co. Ich habe das dann versucht nachzuahmen, nachzurappen. Mein Vater hat mir dann, ohne dass ich nachgefragt habe, Magix Music Maker geschenkt, als ich 11 Jahre alt war. Dann habe ich angefangen rumzuprobieren. Vorher habe ich gar nicht darüber nachgedacht, Beats zu machen. 

Ihr seid bereits auf die ersten Berührungspunkte eingegangen. Aber wie ging es dann los? Was war eure Herangehensweise und mit welchem Equipment habt ihr angefangen?

Popadiclo: Als ich entschieden habe, dass ich Musik machen möchte, habe ich gar kein Hip-Hop mehr gehört, sondern Techno, House und Deep House. Es gibt einen deutschen Künstler, der heißt Martin Stimming. Der hat mit Ableton (Anm. d. Red.: Software zur Musikproduktion) aufgelegt und seine eigenen Songs in Stems (Anm. d. Red.: eine Gruppe von Audiospuren) exportiert und live gespielt. Für mich war die Idee einfach reizend, eigene Songs zu haben, die aber nicht einfach nur aufzulegen, sondern Drums, Percussions und alles getrennt zu haben, auf die Crowd zu schauen und zu beobachten, was die Leute feiern. Dann habe ich mit Ableton angefangen und habe eineinhalb Jahre an der Modern Music School in Mainz einen Ableton-Kurs belegt. Da war ich 17/18 Jahre alt und das war wirklich ein riesiges Sprungbrett, Musikproduktion wirklich zu verstehen. Jeder kennt das und hatte in der Schulzeit einen Lehrer oder Lehrerin, dessen Fächer man vielleicht geliebt hat, aber deren Art und Weise zu unterrichten hat für einen einfach nicht funktioniert. Da hatte ich extrem Glück, denn der Dozent war korrekt und wusste, wie man es Leuten nahebringt. Ich habe dann aber relativ schnell damit abgeschlossen, mit Ableton Live Sets zu spielen. Die DAW (Anm. d. Red.: Digital Audio Workstation, ein computergestütztes System für Tonaufnahme, Mixing und Mastering) habe ich trotzdem nicht mehr gewechselt, weil ich mich hart in Ableton verliebt habe. Und zu Midi-Controllern: Ich hatte früher diese LPD25 mit acht Pads und acht Drehern und ein kleines Keyboard. Ansonsten habe ich noch ein Ableton Push. Zum Produzieren benutze ich heute wirklich nur noch den Computer und ein Midi-Keyboard. 

Ozelot: Als ich dann sehr jung angefangen habe, mit Magix rumzuprobieren, bin ich dabei auch noch eine Weile geblieben. Ich habe für mich Wege gefunden, damit sehr coole Sachen zu machen. Ich habe teilweise noch andere Freeware oder Demo-Versionen eingebunden und da war alles mögliche dabei. Ich habe die Programme aber immer sehr schlecht gecheckt und nur minimal benutzt. Irgendwann hatte ich dann auch Ableton. Das habe ich am Anfang nur für einzelne Instrumente benutzt, bis ich Araz (Popadiclo) kennengelernt habe und er mir durch seinen Kurs super viel zeigen konnte. Seitdem bin ich auch bei Ableton geblieben. Es gab zwischendrin auch eine Zeit, in der ich größtenteils mit Hardware produziert habe, zum Beispiel mit der SP404. 

Wenn man den Zeitpunkt als ihr angefangen habt, Musik zu machen und heute vergleicht, gibt es heute deutlich einfacheren Zugang, mehr Tutorials, Sample-Seiten und Co. Glaubt ihr, es ist dementsprechend heute auch einfacher, gute Musik zu machen?

Ozelot: Finde ich sehr schwer zu beantworten. Ich denke, es ist definitiv einfacher, überhaupt Musik zu machen. Dadurch ist es aber auch schwieriger zu sagen, was gute Musik ist, weil es einfach so viel gibt. Ich denke eigentlich, dass es schwieriger ist, vor allem seinen eigenen Stil zu finden. Durch die ganzen Tutorials und Co. wird das eigene Stilbewusstsein beeinflusst. Wenn man den eigenen Stil als Notwendigkeit für eigene Musik sieht, ist es also eher schwerer, gute Musik zu machen. Natürlich kann man aber auch sagen, dass durch den leichteren Zugang auch mehr Leute zum Musikmachen finden und vielleicht auch mehr krasse Talente dabei sind, die es sonst nie gemacht hätten. 

Popadiclo: Ich habe da gar nichts hinzuzufügen. Oskar (Ozelot) hat die Antwort auf jeden Fall genailed. Ich finde auch, dass es einfacher ist, Zugang zu finden, aber ich glaube, mit einer großen Übersättigung wird es auch schwerer, gute Musik zu finden. 

Ozelot: Am Ende ist es aber auch einfach nice, dass so viele Menschen dieses Hobby haben und die Selbstverwirklichung für sich finden. Ich weiß ja, wie viel Spaß es mir macht und ich wünsche jedem anderen auch, dass er diesen Spaß hat (lacht).

Popadiclo: Safe, da bin ich komplett bei dir. Man könnte denken, es sei etwas Schlechtes, dass es so übersättigt ist, aber eigentlich ist es etwas total Geiles. 

Habt ihr euch über Musik kennengelernt?

Popadiclo: Ja, mehr oder weniger schon. 

Credit: Johanna Kaatz (Instagram: j_tothek)

Ihr macht ja auch schon lange und immer wieder Projekte zusammen. Hat sich an dem gemeinsamen Musikmachen etwas verändert über die letzten Jahre? Und wie kann man sich eine Session bei euch überhaupt vorstellen?

Ozelot: Also wir beide sind Typen, die sich nur ganz schlecht zurückhalten können beim Arbeiten. Darin sind wir auf jeden Fall besser geworden (lacht). Manchmal habe ich echt ein schlechtes Gewissen, wenn ich mit Leuten zusammenarbeite, die gar nicht so sind. Dann fühlt es sich so an, als hätte ich alles entschieden. Irgendwie ist der kreative Impuls dann einfach zu stark. 

Popadiclo: Wir haben uns auch irgendwie eingegrooved. Das war nicht von Anfang an perfekt. Wir machen das jetzt aber bestimmt schon sechs oder sieben Jahre zusammen. Ich habe nie hinterfragt, ob ich mit Oskar Musik machen soll. Es hat schon immer extrem reibungsfrei funktioniert. Oskar hat es auch schon ganz gut gesagt, wir können uns beide schlecht zurückhalten, aber auf eine sehr funktionale Art und Weise würde ich sagen. Der Workflow ist in anderen Kollaborationen einfach anders. Mit Henace zum Beispiel weiß ich, dem muss ich seine 20 Minuten geben und wenn ich ihm nur sage, dass er die Hi-Hat etwas verschieben soll, ist sein Flow kaputt. Oskar kann ich damit garnicht aus der Ruhe bringen. Der macht einfach seinen Scheiß weiter (lacht).

Ozelot: Was ich noch hinzufügen würde, es ergibt sich mit der Zeit auch eine Sprache zwischen einander, je nachdem, mit welchem Programm man zum Beispiel arbeitet. Wir wissen einfach immer sehr gut, was der jeweils andere meint. 

Ihr habt es ja gerade auch schon angeschnitten: Ihr seid generell sehr connected mit vielen Musiker:innen aus dem Rhein-Main-Gebiet und arbeitet an vielen Sachen mit. Du, Oskar, produzierst ja nicht nur, sondern rappst auch. Ihr habt auf jeden Fall in den meisten Ecken, in die ich schaue, eure Finger mit im Spiel. 

Schwere Frage, weil es darauf ankommt, in welche Kreise man schaut, aber wie klingt das Rhein-Main-Gebiet eurer Meinung nach? Wofür steht diese Ecke musikalisch?

Popadiclo: Es gibt wenig rum Geflexe. Wenig Ketten, Chains, Autos, Frauen, Männer, was weiß ich. Es ist ehrlich auf eine Art und Weise und heruntergebrochen “Lifestyle Rap” würde ich sagen. Aber eher “gut essen und trinken”-Lifestyle Rap und nicht “Porsche, Ferrari”-Lifestyle Rap. 

Das trifft es richtig gut!

Ozelot: Stimmt! Ich finde es ganz schwer zu sagen. Vielleicht interpretiere ich Styles von Artists jetzt auch ganz anders, als sie es selbst tun würden. Alles sehr durchmischt. Es gibt viel, was in die Straßen-Richtung geht, zum Beispiel von OG LU und Tubab, aber auch die emotionale Seite wie zum Beispiel Alieu oder Thizzy

Popadiclo: Oder auch IVE!

Ozelot: Ja, stimmt!

Aber dann trifft es “ehrlich” ja schon sehr gut auf den Punkt und beinhaltet beide Seiten, sowohl “Straße” als auch “emotionalen Rap”. 

Welche Rolle spielt das Rhein-Main-Gebiet denn in eurem Schaffen? Habt ihr mal mit dem Gedanken gespielt, hier wegzuwollen oder zu müssen? Gerade wenn es um Kreativität geht, wollen ja viele in die große Stadt. 

Ozelot: Ne, eigentlich nicht. Und Frankfurt ist ja auch schon eine große Stadt (lacht).  Es ist nicht so, als könnte ich mir nicht vorstellen, woanders zu leben, aber aktuell sind wir hier natürlich auch sehr vernetzt. Obwohl das in einer anderen Stadt bestimmt auch so wäre. 

Popadiclo: Ich finde, Deutschland ist so klein. Ich feier Mainz so sehr. Mainz ist wie eine Couch, einfach chillig. Man ist in einer Stunde in Frankfurt und von Frankfurt aus in vier Stunden in Berlin oder Hamburg. Das ist irgendwie keine Zeit. Natürlich wäre es cooler, in einer halben Stunde irgendwo zu sein, wäre praktischer, aber wegziehen ist nicht, was ich krass reizend finde. Es funktioniert ja auch so. Ich könnte außerdem nicht aus dem Rhein-Main-Gebiet wegziehen, weil meine Mama hier ist. Das geht einfach nicht. 

Ozelot: Ja, same! 

Ich finde auch das ganze Rhein-Main-Gebiet ist unglaublich chillig. Ich bin so viel hier, einfach weil ich es sehr genieße, hier zu sein. Fühle ich also total. 

Wenn ihr zurückdenkt, was in letzter Zeit alles an Projekten passiert ist, was ist für euch persönlich herausgestochen. Was hat euch besonders Bock gemacht?

Popadiclo: Bei mir auf jeden Fall das Album, das ich letztes Jahr gedroppt habe - “Fast Asleep”. Shoutout an Tim Zerban, Noob Soup. Ohne ihn wäre das Ganze nicht so crazy geworden. Diese Beats sind letztes Jahr im März rausgekommen und die waren alle schon ein Jahr davor fertig. Das war das erste Projekt, bei dem es mir egal war, wann es rauskommt. Ich wollte das alles fertig ist, bevor die Release-Phase losgeht. Das ist alles selfmade. Da ist niemand dahinter und das hat mir für meinen Headspace extrem viel Ruhe gegeben, zu sagen: “Ich habe keinen Stress. Tim hat keinen Stress.” Ich denke so oft an dieses Projekt. Da sehe ich meine Energie unfassbar gut investiert. Das andere ist auf jeden Fall das “GAUNERS” Projekt. Das ist einfach geil geworden. Da habe ich einfach gar kein Gefühl dafür gehabt. Das ist im Vergleich zu “Fast Asleep” super hastig rausgekommen. Da waren teilweise Songs angeliefert, die noch Pre-Mixes waren und drei Tage vor Release haben wir die Master ausgetauscht. Ich habe das zwar schon oft gehört, aber ich glaube, da brauche ich noch einen Moment, um zu checken, was da überhaupt passiert ist, weil das sehr überwältigend war. Diese zwei Projekte waren von der Handhabung und Veröffentlichung sehr schwarz / weiß. Aber es waren auch sieben Leute vs. zwei. 

Ozelot: Bei mir ist es sehr ähnlich. Ich habe letztes Jahr auch ein Tape gedroppt, “Natürlich Nachtaktiv”. Das war für mich sehr besonders, weil es das erste Rap-Release war. Beim “GAUNERS” Tape war ich zwar weniger involviert, aber es war mir eine Ehre, da dabei zu sein. 

Setzt ihr euch beim Schaffen vorab Ziele? Oder passiert das meistens ganz organisch?

Popadiclo: Bei mir ist es ein Mix aus beidem. Ich glaube, ab einem gewissen Punkt entscheidet man, dass daraus ein Projekt werden soll. Ich habe aber noch nie so zielgerichtet gearbeitet, dass ich mich an einen Beat gesetzt und vorher gesagt habe: “Wir machen jetzt ein Album.” Aber mit Gigi Schnabib mache ich gerade ein Album und das haben wir beschlossen, bevor auch nur ein Song existiert hat. Das hatte ich vorher bei keinem anderen Projekt. Mein favorite Prozess ist, glaube ich, Mukke zu machen und zu checken, dass da gerade Styles zusammenpassen, die man zusammen auf eine EP bringen könnte und das nicht vorab schon zu planen. Ich glaube, sich einen Kasten zu bauen, in den man dann Sachen malt, ist schwerer als erst zu malen und dann einen Kasten darum zu bauen. 

Ozelot: Sehr gut formuliert, Araz (lacht). Das geht mir auf jeden Fall auch so. Trotzdem setze ich mir Ziele und plane zumindest grob den Zeitrahmen, in dem ich etwas veröffentlichen will. 

Was bedeutet Erfolg für euch in Bezug auf Musik?

Ozelot: Sehr schwer zu sagen. Ich glaube, der Traum von jedem, der Musik macht, ist, davon leben zu können, ohne etwas anderes machen zu müssen. So lange man das noch nicht erreicht hat, ist finanzieller Erfolg schon ein Ziel, zumindest ein kleiner Teil. Heißt aber nicht, dass man das primär dafür macht. Manchmal freut man sich auch einfach, wenn man etwas macht, was man selbst geil findet. Ansonsten ist die Anerkennung von anderen Künstlern auch sehr wichtig für mich. Das ist mir nochmal mehr wert als “nur” von anderen Leuten. 

Popadiclo: Ich finde, Anerkennung von anderen Künstlern ist auch das, was man sich am wenigsten erträumt hat. Ansonsten wäre es auch ein Ziel davon zu leben, aber Oskar, ich glaube, wenn wir beide dick grinden würden, könnten wir das auch. Deswegen glaube ich, ist es nicht so sehr das, was es für mich ausmacht. Gänsehaut ist für mich auch ein Erfolgserlebnis. Irgendwas zu machen und zu sehen, dass das andere beeinflusst. Das finde ich krass! Es ist auch geil, wenn Leuten Kleinigkeiten auffallen, bei denen man sich viel Mühe gegeben hat. 

Gehen wir mal etwas weg von der Musik und Produktion und schauen generell auf Kunst und Kultur. Wie nehmt ihr die Kunst- und Kulturszene im Rhein-Main-Gebiet wahr?

Popadiclo: Sleepy (lacht).

Ozelot: Es geht schon ein bisschen, Wiesbaden und Mainz sind aber auch einfach nicht die größten Städte. Ich bin aber auch nicht so viel draußen unterwegs (lacht). Deswegen kann ich es nicht so krass beurteilen. 

Popadiclo: Vor dem alten Postlager hätte man auf jeden Fall sagen können, dass hier gar nichts geht. Jetzt habe ich eher das Gefühl, dass die Leute nichts machen. Ich bin letztens mit Hannes durch die Stadt gelaufen, wir sind an einer Kulturstätte vorbei und er meinte: “Da könnte die Stadt ja mal was machen.” Ich habe es ihm nicht gesagt, aber dachte mir: “Ja klar, kann die Stadt da etwas machen, aber wir könnten auch etwas machen”. Wir könnten der Stadt auch einen Brief schreiben. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Leute sehr zufrieden sind und nicht das Gefühl haben, etwas machen zu müssen. Für mich war der Moment sehr entscheidend, denn wir sind auch Teil der Stadt. 

Ich glaube, der Stadt beziehungsweise den Menschen, die etwas entscheiden können, ist vielleicht auch gar nicht so bewusst, was wir wollen. Natürlich könnte viel mehr passieren, vor allem wenn wir über Leerstand sprechen, aber die müssen natürlich auch Input bekommen. Und lieber machen wir etwas, als dass irgendein Justus BWL, der seit 100 Jahren bei der Stadt arbeitet, entscheidet, was für Kunst und Kultur gemacht wird. Am Ende ist es ziemlich sicher eh nicht das, was wir uns vorstellen. Ich glaube, es ist das Zusammenspiel aus beidem. 

Popadiclo: Deswegen können wir jetzt mal ein bisschen Werbung machen. Ich mache nämlich am 12.08. eine Party im Schick und Schön. Es wird eine casual low grind-Party und Wun Two, Hulk Hodn, Nadim aus Köln und ich spielen live ein Video/DJ-Set mit Tim. 

Ozelot: Was geht denn da ab? Das heftigste Event der letzten zehn Jahre oder was? 

Popadiclo: Das war nämlich das, was ich gemacht habe, nachdem ich dachte: We gotta do something! Es fühlt sich auch total cool an, dass ich etwas machen kann. 

Mega, das klingt richtig gut! Wie konsumiert ihr denn sonst Kunst und Kultur? Also Ozelot hat ja schon verraten, dass er nicht so oft das Haus verlässt, also dann vermutlich eher digital (lacht). Geht ihr auf Ausstellungen und wie informiert ihr euch?

Popadiclo: Informieren auf jeden Fall viel über Instagram. Ich habe auch ein sehr künstlerisches Umfeld, nicht nur Musik. Sonst bin ich auch gerne in Museen. 

Ozelot: Ich glaube, ich muss mich nochmal korrigieren, sonst klingt es so, als würde ich wirklich nur zu Hause hängen (lacht). Ich bin nur nicht random unterwegs. Ich würde sagen, dass ich mich gar nicht informiere, aber über die Bubble, in der ich unterwegs bin, bekomme ich sehr viel mit. Ansonsten präferiere ich es auf jeden Fall, live Kunst zu konsumieren, egal ob Musik oder andere Kunstformen. 

Ihr habt bereits einige Leute erwähnt, aber gibt es irgendjemanden, den oder die ihr empfehlt, unbedingt mal auszuchecken? Ganz egal welche Kunstform?

Popadiclo: Einmal Lil Egos, Dahlia. Sie wird irgendwann eine fucking Comicserie machen. Ansonsten auf jeden Fall Tim Zerban aka Noob Soup. Tessa macht sehr krasse analoge Fotos. Sie macht nicht nur Fotografie, sondern teilt auch zwischendurch Wissenswertes über analoge Fotografie. Die drei fallen mir aus dem Stegreif ein. 

Ozelot: Ich habe einen Homie, der sich Somar nennt und Graffiti macht, aber seit einigen Jahren nur noch Aufträge. Dann hätte ich noch eine Empfehlung, die nicht Rhein-Main ist, aber sie würde ich gerne nennen. Die kennst du sicher auch, Yabo Jewlery aus Hamburg. 

Popadiclo: Das ist Rhein-Main, Bro. 

Ozelot: Stimmt, sie kommt zumindest aus dem Rhein-Main-Gebiet. Das ist eine Freundin von mir, die Goldschmiedin ist und nicen Schmuck macht. 

Eine Frage, die Laura vom Labor Westend für euch mitgegeben hat, ist: Was könnt ihr, was ihr nicht können wollt?

Popadiclo: Alkohol trinken fällt mir da so ein. 

Ozelot: Vermutlich mich selbst zu sehr zu hinterfragen. 

Habt ihr ansonsten etwas, was ihr euch ganz persönlich oder für das Rhein-Main-Gebiet wünscht?

Popadiclo: Etwas, was ich mir wünschen würde, wären ein, zwei Kulturstätten mehr in Mainz. Außerdem gibt es eine Instagramseite, die heißt Kaisertor-Initiative und da geht es um die Umgestaltung des Kaisertors. Die kümmern sich sehr aktiv darum, dass endlich was mit diesen Grünflächen passiert. 

Ozelot: Hm, da fällt mir nichts Konkretes ein. 

Was wünschst du denn Araz und mir (lacht)?

Popadiclo: Oskar will, dass die S8 nicht mehr zu spät kommt (lacht).

Ozelot: Ich wünsche euch einen schönen Tag und alles Gute für alles, was ihr euch wünscht. 

Ich danke euch! Das wünsche ich euch auch!

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Popadiclo und Ozelot, ihr seid Produzenten und Musiker aus Mainz und ihr seid die einzigen, die bereits ein zweites Mal beim Einerseits Magazin interviewt werden. Ihr wart nämlich schon vor unserem Relaunch am Start, macht aber auch so viel Musik, dass man mit euch auf jeden Fall immer wieder quatschen kann.

Ihr macht bereits eine ganze Weile Musik zusammen, so seit 2015/2016. Ihr seid aber ja grundsätzlich kein Duo, ihr tretet nur oft gemeinsam in Erscheinung, vor allem live. 

Vielleicht gehen wir aber mal ein bisschen zurück. 

Wie seid ihr so musikalisch sozialisiert? 

Popadiclo: Ich habe auf jeden Fall viel Timbaland gehört. Sonst wurde ich von meiner Schwester ein bisschen trainiert. Sie ist 14 Jahre älter als ich und sie hat viel von der 90s Hip-Hop Kultur aufgesaugt. Wir haben immer im Auto zusammen Mukke gehört. Ich habe relativ früh gemerkt, auf was für Kleinigkeiten ich in Musik achte. Zum Beispiel, wie lange ein Delay ausklingt oder Ähnliches. So richtig Bock auf Musikproduktion habe ich dann bekommen durch Videos, zum Beispiel durch Arab Muzik wie er auf den Pads rumgedrummed hat oder so (lacht). 

Ozelot: (lacht) Kennst du Arab Muzik, Johanna?

Nein, tatsächlich gar nicht. 

Ozelot: Der macht einfach das wildeste Fingerdrumming, was man sich so vorstellen kann. 

Muss ich mir gleich unbedingt mal reinziehen!

Popadiclo: Ich glaube, so richtig in die Musikproduktion bin ich dann gekommen, weil ich Bock hatte, Musik zu machen, aber auch, weil es einfach unfassbar cool aussieht, mit so viel Gear rumzufummeln. Wenn ich heute bei mir im Zimmer Mukke mache, habe ich wirklich nur noch ein Midi-Keyboard. Früher war es flashig und cool, man spielt einfach auf so Pads rum. 

Ozelot, wie sah es bei dir aus? Was hat dich inspiriert?

Ozelot: Bei mir spielt mein Vater eine große Rolle. Er hat viel Jazz gehört, aber auch Sachen, die damit verwandt sind. Teilweise Hip-Hop, Funk, House. Durch ihn habe ich die ersten Sachen gehört, aber auch 50 Cent, Eminem und Co. Ich habe das dann versucht nachzuahmen, nachzurappen. Mein Vater hat mir dann, ohne dass ich nachgefragt habe, Magix Music Maker geschenkt, als ich 11 Jahre alt war. Dann habe ich angefangen rumzuprobieren. Vorher habe ich gar nicht darüber nachgedacht, Beats zu machen. 

Ihr seid bereits auf die ersten Berührungspunkte eingegangen. Aber wie ging es dann los? Was war eure Herangehensweise und mit welchem Equipment habt ihr angefangen?

Popadiclo: Als ich entschieden habe, dass ich Musik machen möchte, habe ich gar kein Hip-Hop mehr gehört, sondern Techno, House und Deep House. Es gibt einen deutschen Künstler, der heißt Martin Stimming. Der hat mit Ableton (Anm. d. Red.: Software zur Musikproduktion) aufgelegt und seine eigenen Songs in Stems (Anm. d. Red.: eine Gruppe von Audiospuren) exportiert und live gespielt. Für mich war die Idee einfach reizend, eigene Songs zu haben, die aber nicht einfach nur aufzulegen, sondern Drums, Percussions und alles getrennt zu haben, auf die Crowd zu schauen und zu beobachten, was die Leute feiern. Dann habe ich mit Ableton angefangen und habe eineinhalb Jahre an der Modern Music School in Mainz einen Ableton-Kurs belegt. Da war ich 17/18 Jahre alt und das war wirklich ein riesiges Sprungbrett, Musikproduktion wirklich zu verstehen. Jeder kennt das und hatte in der Schulzeit einen Lehrer oder Lehrerin, dessen Fächer man vielleicht geliebt hat, aber deren Art und Weise zu unterrichten hat für einen einfach nicht funktioniert. Da hatte ich extrem Glück, denn der Dozent war korrekt und wusste, wie man es Leuten nahebringt. Ich habe dann aber relativ schnell damit abgeschlossen, mit Ableton Live Sets zu spielen. Die DAW (Anm. d. Red.: Digital Audio Workstation, ein computergestütztes System für Tonaufnahme, Mixing und Mastering) habe ich trotzdem nicht mehr gewechselt, weil ich mich hart in Ableton verliebt habe. Und zu Midi-Controllern: Ich hatte früher diese LPD25 mit acht Pads und acht Drehern und ein kleines Keyboard. Ansonsten habe ich noch ein Ableton Push. Zum Produzieren benutze ich heute wirklich nur noch den Computer und ein Midi-Keyboard. 

Ozelot: Als ich dann sehr jung angefangen habe, mit Magix rumzuprobieren, bin ich dabei auch noch eine Weile geblieben. Ich habe für mich Wege gefunden, damit sehr coole Sachen zu machen. Ich habe teilweise noch andere Freeware oder Demo-Versionen eingebunden und da war alles mögliche dabei. Ich habe die Programme aber immer sehr schlecht gecheckt und nur minimal benutzt. Irgendwann hatte ich dann auch Ableton. Das habe ich am Anfang nur für einzelne Instrumente benutzt, bis ich Araz (Popadiclo) kennengelernt habe und er mir durch seinen Kurs super viel zeigen konnte. Seitdem bin ich auch bei Ableton geblieben. Es gab zwischendrin auch eine Zeit, in der ich größtenteils mit Hardware produziert habe, zum Beispiel mit der SP404. 

Wenn man den Zeitpunkt als ihr angefangen habt, Musik zu machen und heute vergleicht, gibt es heute deutlich einfacheren Zugang, mehr Tutorials, Sample-Seiten und Co. Glaubt ihr, es ist dementsprechend heute auch einfacher, gute Musik zu machen?

Ozelot: Finde ich sehr schwer zu beantworten. Ich denke, es ist definitiv einfacher, überhaupt Musik zu machen. Dadurch ist es aber auch schwieriger zu sagen, was gute Musik ist, weil es einfach so viel gibt. Ich denke eigentlich, dass es schwieriger ist, vor allem seinen eigenen Stil zu finden. Durch die ganzen Tutorials und Co. wird das eigene Stilbewusstsein beeinflusst. Wenn man den eigenen Stil als Notwendigkeit für eigene Musik sieht, ist es also eher schwerer, gute Musik zu machen. Natürlich kann man aber auch sagen, dass durch den leichteren Zugang auch mehr Leute zum Musikmachen finden und vielleicht auch mehr krasse Talente dabei sind, die es sonst nie gemacht hätten. 

Popadiclo: Ich habe da gar nichts hinzuzufügen. Oskar (Ozelot) hat die Antwort auf jeden Fall genailed. Ich finde auch, dass es einfacher ist, Zugang zu finden, aber ich glaube, mit einer großen Übersättigung wird es auch schwerer, gute Musik zu finden. 

Ozelot: Am Ende ist es aber auch einfach nice, dass so viele Menschen dieses Hobby haben und die Selbstverwirklichung für sich finden. Ich weiß ja, wie viel Spaß es mir macht und ich wünsche jedem anderen auch, dass er diesen Spaß hat (lacht).

Popadiclo: Safe, da bin ich komplett bei dir. Man könnte denken, es sei etwas Schlechtes, dass es so übersättigt ist, aber eigentlich ist es etwas total Geiles. 

Habt ihr euch über Musik kennengelernt?

Popadiclo: Ja, mehr oder weniger schon. 

Credit: Johanna Kaatz (Instagram: j_tothek)

Ihr macht ja auch schon lange und immer wieder Projekte zusammen. Hat sich an dem gemeinsamen Musikmachen etwas verändert über die letzten Jahre? Und wie kann man sich eine Session bei euch überhaupt vorstellen?

Ozelot: Also wir beide sind Typen, die sich nur ganz schlecht zurückhalten können beim Arbeiten. Darin sind wir auf jeden Fall besser geworden (lacht). Manchmal habe ich echt ein schlechtes Gewissen, wenn ich mit Leuten zusammenarbeite, die gar nicht so sind. Dann fühlt es sich so an, als hätte ich alles entschieden. Irgendwie ist der kreative Impuls dann einfach zu stark. 

Popadiclo: Wir haben uns auch irgendwie eingegrooved. Das war nicht von Anfang an perfekt. Wir machen das jetzt aber bestimmt schon sechs oder sieben Jahre zusammen. Ich habe nie hinterfragt, ob ich mit Oskar Musik machen soll. Es hat schon immer extrem reibungsfrei funktioniert. Oskar hat es auch schon ganz gut gesagt, wir können uns beide schlecht zurückhalten, aber auf eine sehr funktionale Art und Weise würde ich sagen. Der Workflow ist in anderen Kollaborationen einfach anders. Mit Henace zum Beispiel weiß ich, dem muss ich seine 20 Minuten geben und wenn ich ihm nur sage, dass er die Hi-Hat etwas verschieben soll, ist sein Flow kaputt. Oskar kann ich damit garnicht aus der Ruhe bringen. Der macht einfach seinen Scheiß weiter (lacht).

Ozelot: Was ich noch hinzufügen würde, es ergibt sich mit der Zeit auch eine Sprache zwischen einander, je nachdem, mit welchem Programm man zum Beispiel arbeitet. Wir wissen einfach immer sehr gut, was der jeweils andere meint. 

Ihr habt es ja gerade auch schon angeschnitten: Ihr seid generell sehr connected mit vielen Musiker:innen aus dem Rhein-Main-Gebiet und arbeitet an vielen Sachen mit. Du, Oskar, produzierst ja nicht nur, sondern rappst auch. Ihr habt auf jeden Fall in den meisten Ecken, in die ich schaue, eure Finger mit im Spiel. 

Schwere Frage, weil es darauf ankommt, in welche Kreise man schaut, aber wie klingt das Rhein-Main-Gebiet eurer Meinung nach? Wofür steht diese Ecke musikalisch?

Popadiclo: Es gibt wenig rum Geflexe. Wenig Ketten, Chains, Autos, Frauen, Männer, was weiß ich. Es ist ehrlich auf eine Art und Weise und heruntergebrochen “Lifestyle Rap” würde ich sagen. Aber eher “gut essen und trinken”-Lifestyle Rap und nicht “Porsche, Ferrari”-Lifestyle Rap. 

Das trifft es richtig gut!

Ozelot: Stimmt! Ich finde es ganz schwer zu sagen. Vielleicht interpretiere ich Styles von Artists jetzt auch ganz anders, als sie es selbst tun würden. Alles sehr durchmischt. Es gibt viel, was in die Straßen-Richtung geht, zum Beispiel von OG LU und Tubab, aber auch die emotionale Seite wie zum Beispiel Alieu oder Thizzy

Popadiclo: Oder auch IVE!

Ozelot: Ja, stimmt!

Aber dann trifft es “ehrlich” ja schon sehr gut auf den Punkt und beinhaltet beide Seiten, sowohl “Straße” als auch “emotionalen Rap”. 

Welche Rolle spielt das Rhein-Main-Gebiet denn in eurem Schaffen? Habt ihr mal mit dem Gedanken gespielt, hier wegzuwollen oder zu müssen? Gerade wenn es um Kreativität geht, wollen ja viele in die große Stadt. 

Ozelot: Ne, eigentlich nicht. Und Frankfurt ist ja auch schon eine große Stadt (lacht).  Es ist nicht so, als könnte ich mir nicht vorstellen, woanders zu leben, aber aktuell sind wir hier natürlich auch sehr vernetzt. Obwohl das in einer anderen Stadt bestimmt auch so wäre. 

Popadiclo: Ich finde, Deutschland ist so klein. Ich feier Mainz so sehr. Mainz ist wie eine Couch, einfach chillig. Man ist in einer Stunde in Frankfurt und von Frankfurt aus in vier Stunden in Berlin oder Hamburg. Das ist irgendwie keine Zeit. Natürlich wäre es cooler, in einer halben Stunde irgendwo zu sein, wäre praktischer, aber wegziehen ist nicht, was ich krass reizend finde. Es funktioniert ja auch so. Ich könnte außerdem nicht aus dem Rhein-Main-Gebiet wegziehen, weil meine Mama hier ist. Das geht einfach nicht. 

Ozelot: Ja, same! 

Ich finde auch das ganze Rhein-Main-Gebiet ist unglaublich chillig. Ich bin so viel hier, einfach weil ich es sehr genieße, hier zu sein. Fühle ich also total. 

Wenn ihr zurückdenkt, was in letzter Zeit alles an Projekten passiert ist, was ist für euch persönlich herausgestochen. Was hat euch besonders Bock gemacht?

Popadiclo: Bei mir auf jeden Fall das Album, das ich letztes Jahr gedroppt habe - “Fast Asleep”. Shoutout an Tim Zerban, Noob Soup. Ohne ihn wäre das Ganze nicht so crazy geworden. Diese Beats sind letztes Jahr im März rausgekommen und die waren alle schon ein Jahr davor fertig. Das war das erste Projekt, bei dem es mir egal war, wann es rauskommt. Ich wollte das alles fertig ist, bevor die Release-Phase losgeht. Das ist alles selfmade. Da ist niemand dahinter und das hat mir für meinen Headspace extrem viel Ruhe gegeben, zu sagen: “Ich habe keinen Stress. Tim hat keinen Stress.” Ich denke so oft an dieses Projekt. Da sehe ich meine Energie unfassbar gut investiert. Das andere ist auf jeden Fall das “GAUNERS” Projekt. Das ist einfach geil geworden. Da habe ich einfach gar kein Gefühl dafür gehabt. Das ist im Vergleich zu “Fast Asleep” super hastig rausgekommen. Da waren teilweise Songs angeliefert, die noch Pre-Mixes waren und drei Tage vor Release haben wir die Master ausgetauscht. Ich habe das zwar schon oft gehört, aber ich glaube, da brauche ich noch einen Moment, um zu checken, was da überhaupt passiert ist, weil das sehr überwältigend war. Diese zwei Projekte waren von der Handhabung und Veröffentlichung sehr schwarz / weiß. Aber es waren auch sieben Leute vs. zwei. 

Ozelot: Bei mir ist es sehr ähnlich. Ich habe letztes Jahr auch ein Tape gedroppt, “Natürlich Nachtaktiv”. Das war für mich sehr besonders, weil es das erste Rap-Release war. Beim “GAUNERS” Tape war ich zwar weniger involviert, aber es war mir eine Ehre, da dabei zu sein. 

Setzt ihr euch beim Schaffen vorab Ziele? Oder passiert das meistens ganz organisch?

Popadiclo: Bei mir ist es ein Mix aus beidem. Ich glaube, ab einem gewissen Punkt entscheidet man, dass daraus ein Projekt werden soll. Ich habe aber noch nie so zielgerichtet gearbeitet, dass ich mich an einen Beat gesetzt und vorher gesagt habe: “Wir machen jetzt ein Album.” Aber mit Gigi Schnabib mache ich gerade ein Album und das haben wir beschlossen, bevor auch nur ein Song existiert hat. Das hatte ich vorher bei keinem anderen Projekt. Mein favorite Prozess ist, glaube ich, Mukke zu machen und zu checken, dass da gerade Styles zusammenpassen, die man zusammen auf eine EP bringen könnte und das nicht vorab schon zu planen. Ich glaube, sich einen Kasten zu bauen, in den man dann Sachen malt, ist schwerer als erst zu malen und dann einen Kasten darum zu bauen. 

Ozelot: Sehr gut formuliert, Araz (lacht). Das geht mir auf jeden Fall auch so. Trotzdem setze ich mir Ziele und plane zumindest grob den Zeitrahmen, in dem ich etwas veröffentlichen will. 

Was bedeutet Erfolg für euch in Bezug auf Musik?

Ozelot: Sehr schwer zu sagen. Ich glaube, der Traum von jedem, der Musik macht, ist, davon leben zu können, ohne etwas anderes machen zu müssen. So lange man das noch nicht erreicht hat, ist finanzieller Erfolg schon ein Ziel, zumindest ein kleiner Teil. Heißt aber nicht, dass man das primär dafür macht. Manchmal freut man sich auch einfach, wenn man etwas macht, was man selbst geil findet. Ansonsten ist die Anerkennung von anderen Künstlern auch sehr wichtig für mich. Das ist mir nochmal mehr wert als “nur” von anderen Leuten. 

Popadiclo: Ich finde, Anerkennung von anderen Künstlern ist auch das, was man sich am wenigsten erträumt hat. Ansonsten wäre es auch ein Ziel davon zu leben, aber Oskar, ich glaube, wenn wir beide dick grinden würden, könnten wir das auch. Deswegen glaube ich, ist es nicht so sehr das, was es für mich ausmacht. Gänsehaut ist für mich auch ein Erfolgserlebnis. Irgendwas zu machen und zu sehen, dass das andere beeinflusst. Das finde ich krass! Es ist auch geil, wenn Leuten Kleinigkeiten auffallen, bei denen man sich viel Mühe gegeben hat. 

Gehen wir mal etwas weg von der Musik und Produktion und schauen generell auf Kunst und Kultur. Wie nehmt ihr die Kunst- und Kulturszene im Rhein-Main-Gebiet wahr?

Popadiclo: Sleepy (lacht).

Ozelot: Es geht schon ein bisschen, Wiesbaden und Mainz sind aber auch einfach nicht die größten Städte. Ich bin aber auch nicht so viel draußen unterwegs (lacht). Deswegen kann ich es nicht so krass beurteilen. 

Popadiclo: Vor dem alten Postlager hätte man auf jeden Fall sagen können, dass hier gar nichts geht. Jetzt habe ich eher das Gefühl, dass die Leute nichts machen. Ich bin letztens mit Hannes durch die Stadt gelaufen, wir sind an einer Kulturstätte vorbei und er meinte: “Da könnte die Stadt ja mal was machen.” Ich habe es ihm nicht gesagt, aber dachte mir: “Ja klar, kann die Stadt da etwas machen, aber wir könnten auch etwas machen”. Wir könnten der Stadt auch einen Brief schreiben. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Leute sehr zufrieden sind und nicht das Gefühl haben, etwas machen zu müssen. Für mich war der Moment sehr entscheidend, denn wir sind auch Teil der Stadt. 

Ich glaube, der Stadt beziehungsweise den Menschen, die etwas entscheiden können, ist vielleicht auch gar nicht so bewusst, was wir wollen. Natürlich könnte viel mehr passieren, vor allem wenn wir über Leerstand sprechen, aber die müssen natürlich auch Input bekommen. Und lieber machen wir etwas, als dass irgendein Justus BWL, der seit 100 Jahren bei der Stadt arbeitet, entscheidet, was für Kunst und Kultur gemacht wird. Am Ende ist es ziemlich sicher eh nicht das, was wir uns vorstellen. Ich glaube, es ist das Zusammenspiel aus beidem. 

Popadiclo: Deswegen können wir jetzt mal ein bisschen Werbung machen. Ich mache nämlich am 12.08. eine Party im Schick und Schön. Es wird eine casual low grind-Party und Wun Two, Hulk Hodn, Nadim aus Köln und ich spielen live ein Video/DJ-Set mit Tim. 

Ozelot: Was geht denn da ab? Das heftigste Event der letzten zehn Jahre oder was? 

Popadiclo: Das war nämlich das, was ich gemacht habe, nachdem ich dachte: We gotta do something! Es fühlt sich auch total cool an, dass ich etwas machen kann. 

Mega, das klingt richtig gut! Wie konsumiert ihr denn sonst Kunst und Kultur? Also Ozelot hat ja schon verraten, dass er nicht so oft das Haus verlässt, also dann vermutlich eher digital (lacht). Geht ihr auf Ausstellungen und wie informiert ihr euch?

Popadiclo: Informieren auf jeden Fall viel über Instagram. Ich habe auch ein sehr künstlerisches Umfeld, nicht nur Musik. Sonst bin ich auch gerne in Museen. 

Ozelot: Ich glaube, ich muss mich nochmal korrigieren, sonst klingt es so, als würde ich wirklich nur zu Hause hängen (lacht). Ich bin nur nicht random unterwegs. Ich würde sagen, dass ich mich gar nicht informiere, aber über die Bubble, in der ich unterwegs bin, bekomme ich sehr viel mit. Ansonsten präferiere ich es auf jeden Fall, live Kunst zu konsumieren, egal ob Musik oder andere Kunstformen. 

Ihr habt bereits einige Leute erwähnt, aber gibt es irgendjemanden, den oder die ihr empfehlt, unbedingt mal auszuchecken? Ganz egal welche Kunstform?

Popadiclo: Einmal Lil Egos, Dahlia. Sie wird irgendwann eine fucking Comicserie machen. Ansonsten auf jeden Fall Tim Zerban aka Noob Soup. Tessa macht sehr krasse analoge Fotos. Sie macht nicht nur Fotografie, sondern teilt auch zwischendurch Wissenswertes über analoge Fotografie. Die drei fallen mir aus dem Stegreif ein. 

Ozelot: Ich habe einen Homie, der sich Somar nennt und Graffiti macht, aber seit einigen Jahren nur noch Aufträge. Dann hätte ich noch eine Empfehlung, die nicht Rhein-Main ist, aber sie würde ich gerne nennen. Die kennst du sicher auch, Yabo Jewlery aus Hamburg. 

Popadiclo: Das ist Rhein-Main, Bro. 

Ozelot: Stimmt, sie kommt zumindest aus dem Rhein-Main-Gebiet. Das ist eine Freundin von mir, die Goldschmiedin ist und nicen Schmuck macht. 

Eine Frage, die Laura vom Labor Westend für euch mitgegeben hat, ist: Was könnt ihr, was ihr nicht können wollt?

Popadiclo: Alkohol trinken fällt mir da so ein. 

Ozelot: Vermutlich mich selbst zu sehr zu hinterfragen. 

Habt ihr ansonsten etwas, was ihr euch ganz persönlich oder für das Rhein-Main-Gebiet wünscht?

Popadiclo: Etwas, was ich mir wünschen würde, wären ein, zwei Kulturstätten mehr in Mainz. Außerdem gibt es eine Instagramseite, die heißt Kaisertor-Initiative und da geht es um die Umgestaltung des Kaisertors. Die kümmern sich sehr aktiv darum, dass endlich was mit diesen Grünflächen passiert. 

Ozelot: Hm, da fällt mir nichts Konkretes ein. 

Was wünschst du denn Araz und mir (lacht)?

Popadiclo: Oskar will, dass die S8 nicht mehr zu spät kommt (lacht).

Ozelot: Ich wünsche euch einen schönen Tag und alles Gute für alles, was ihr euch wünscht. 

Ich danke euch! Das wünsche ich euch auch!

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