Voll auf Filme

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Philipp Nguyen
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Seinem Namen entsprechend ist Lennywestend im Westend in Wiesbaden zu Hause. Zwischen der Goebenbank, Blocks und seinen Kreisen fühlt er sich wohl. Diese, und viele weitere Spots, hält er regelmäßig auf Video fest. Damit begeistert er vor allem Musiker:innen der Hip-Hop Szene. Wie er zur Videografie gekommen ist und welche Kunst ihn sonst begeistert, hat er mir an einem seiner Lieblingsplätze in Wiesbaden erzählt. 

Foto Credits: Philipp Nguyen

Du drehst Filme für Musiker:innen, aber auch deine eigenen Projekte. Wie und wann hast du damit angefangen?

Mit den Handyvideos, die ich mache, habe ich vor circa zwei bis drei Jahren angefangen. Das war weniger mit dem Anspruch, dass ich das jetzt machen will, um richtig gut zu werden, ich wollte einfach machen. Ich hatte einfach Spaß daran und habe das bei anderen Leuten auf Instagram gesehen. Ich bin natürlich nicht der Erste, der das in dem Stil macht. Ich hatte viele Inspirationen und habe mich dann einfach ausprobiert. Teilweise sehr trashig mit der Handykamera und einer Handy-App. Am Anfang war dabei kein ernsthafter Gedanke, dass ich das professionell machen, oder damit groß werden möchte. Das war in erster Linie zum Spaß. 

Mit welchem Anspruch und Ziel hast du dann deinen ersten richtigen Film gedreht?

Für die Videos, die ich für Instagram drehe, habe ich kein großes Ziel oder eine große Vision. Das passiert meistens beim Schneiden und ist alles sehr intuitiv. Ich setze mich davor selten hin und überlege, welchen Stil ich umsetzen oder Vibe kreieren möchte. Ich fange einfach Sachen ein und schaue dann, was daraus entsteht. Bei den Instagram-Videos ist es dementsprechend schwer zu sagen, aber mir fällt direkt ein Musikvideo ein, das ich gedreht habe. Das war mit und für Toni Dancehall (@tonitone069), ein Rapper aus Offenbach, und Rafiki (@rafiki.pzk). Das war das erste Musikvideo, bei dem wir uns richtige Gedanken gemacht haben. Das habe ich mit Miguel (@migouzphoto) zusammen gedreht und wir haben uns mehrere Tage vorher getroffen, ein Konzept erarbeitet, Szenenshots runter geschrieben und so weiter. Das haben wir meiner Meinung nach auch gut umgesetzt. 

Das war für „Zu spät“ oder?

Ja genau! Das war das erste Projekt, bei dem viel Zeit und viel Planung eingeflossen ist. 

Wann und wie kam generell die erste Zusammenarbeit mit Musiker:innen? Kommen sie auf dich zu oder fragst du auch Künstler:innen an?

Die kamen auf mich zu. Das lief meistens über Instagram und sie haben mir auf meine Clips geschrieben: „Ey, das ist cool. Hast du nicht auch mal Bock ein Musikvideo zu drehen?“. Das war vor circa eineinhalb Jahren. 

Du hast den Prozess von dem Video mit Toni Dancehall ja schon kurz angeschnitten. Wie kann man sich allgemein den Prozess der Zusammenarbeit vorstellen? Tauscht man sich explizit über die jeweiligen Vorstellungen aus, oder darfst du einfach machen?

Das Gute ist ja, dass mich die Leute anschreiben, weil sie genau das feiern, was ich mache. Ich kann dann schon in meinem Stil arbeiten. Natürlich gibt es trotzdem auch Ideen, die die Künstler mit einbringen und je nach Song bieten sich einfach bestimmte Stile an. Bei einem schnellen Hip-Hop Track würde ich kein langsames, vibiges Video verwenden, sondern schnelle Schnitte, mehr Action. Es ist allgemein sehr unterschiedlich und sehr gemixt. Das passiert einfach mit dem Künstler zusammen. Es ist auch immer angenehm, wenn man sich vorher trifft, mal ein bisschen quatscht und sich etwas kennt. Ich mache mir dann im Anschluss immer Gedanken, erstelle mir vielleicht schon Moodboards oder Skripte, während ich den Song, für den das Video sein soll, anhöre. Ich schreibe mir Farbideen runter, lasse mich von anderen Videos inspirieren und sammle Screenshots. Darauf kann man dann gemeinsam aufbauen. Das bedeutet aber nicht, dass man sich hundert Prozent an alles hält. Beim Dreh müssen dann nicht alle geplanten Szenen umgesetzt werden, das ist gar nicht so wichtig. Es geht eher darum, einen groben Anhaltspunkt zu haben, und es hilft beim Dreh einfach weiter im Ablauf. Es sollte am Ende einfach ein guter Mix aus den Vorstellungen von mir und denen vom Künstler sein. 

Ist ja auch schön, am Ende beide Handschriften widerzuspiegeln. 

So war es auch bei dem Dreh mit Toni. Ich mache genau den Stil, den er feiert, und in die Richtung sollte das Video gehen. Am Ende ist etwas anderes daraus geworden und das finde ich sehr geil. Zum Teil habe ich auch das Gefühl, dass Leute denken, dass ich nur die Schiene gerne fahre, die ich auf Instagram präsentiere. Das ist gar nicht der Fall. Ich würde gerne viel mehr experimentieren. Was ich mache, ist ein stetiger Lernprozess. Ich bin kein Profi und auch kein gelernter Videograf. Was ich mache, passiert alles autodidaktisch. Ich habe erstmal Bock auf alles. 

Wie würdest du den Stil deiner Filme beschreiben?

Ehrlich, Straße, wenn man das so grob sagen kann, und schnell. 

Hat sich dein Prozess beim Drehen und Schneiden in den letzten Jahren verändert? Oder ist es immer noch sehr intuitiv?

Dadurch, dass ich mittlerweile auch beruflich mehr in der Videografie stecke und die ganze Technik von einer ganz anderen Seite lerne, und auch lerne, wie man die Story im Video richtig aufbaut, hat sich das schon verändert. Ich möchte das Ganze professionalisieren und möchte die Ästhetik, Story und alles verfeinern. Ich möchte auch nicht mehr so viel mit dem Handy aufnehmen, sondern mehr mit richtigen Kameras. Ich habe zwar eine kleine Kamera mit integriertem Gimbal, aber selbst diese Kamera erzeugt nicht den Look wie eine richtige Filmkamera. Einerseits fällt dann auch die Spontanität weg, die jetzt noch da ist. Leute, die mit einer richtigen Kamera gefilmt werden, fühlen sich vermutlich unwohler, als wenn man kurz das Handy draufhält. Ich weiß momentan noch nicht, wie ich den Mix aus Spontanität und Professionalität perfekt hinbekomme. Diese Spontanität ist wichtig für meine Videos, weil es unverfälscht und echt eingefangen wird. Außerdem würde ich gerne noch mehr Story mit einbauen, was das Schneiden für mich auch einfacher macht. Ich glaube, das passiert alles mit der Zeit. Ich habe das Glück, dass die Leute um mich herum sehr entspannt und offen damit umgehen, von mir gefilmt zu werden. Ich muss mich wenig einschränken. 

Wie lange sitzt du im Schnitt an einem Video?

Da fließt so viel Zeit vorab mit rein. Der Rohschnitt dauert vielleicht vier bis fünf Stunden. Die Arbeitszeit für Editing und Schnitt beträgt vielleicht so zwanzig Stunden. Das kann natürlich immer variieren. Dann mache ich mir noch Gedanken, welche Musik ich verwenden möchte, wie man die Clips am Ende auswählt. Es ist schwer zu sagen, aber ich denke insgesamt gehen circa zwei Tage an Gedankenarbeit drauf. Das Handwerk selbst geht dann schneller. (Lacht) Ich muss aber sagen, dass ich einen ziemlich schlechten Laptop habe, und alles lange dauert und ich teilweise fast verzweifle. Ich bin natürlich auch kein Profi und muss mir hin und wieder noch Tutorials anschauen, und werde verrückt, weil ich sie teilweise nicht verstehe. (Lacht) Viel Kopfarbeit!

Die Linse ist bei deinen Arbeiten häufig auf Häuserblocks, die Straße und vielleicht Teile der Gesellschaft gerichtet, bei denen viele Leute eher weggucken. Du arbeitest auch hin und wieder mit Vocal-Schnipseln von verschiedenen Reportagen. Im letzten Video zum Beispiel verwendest du eine Vocal-Spur einer Reportage über die Geschichte einer kriminellen 14-Jährigen. Woher kommt die Faszination dafür, genau das zu verfilmen?

Ich wurde inspiriert von vielen Videos, die in diese Richtung gehen. Außerdem bin ich sehr Hip-Hop-affin, auch Straßenrap-affin. Das urbane Bild hat sich seit meiner Jugend klar abgezeichnet. Ich habe selber mal versucht, zu rappen und habe mich einfach immer von Hip-Hop hingezogen gefühlt. Mich haben schon immer eher die Ecken interessiert, an die man nicht als erstes geht und die man nicht unbedingt in irgendeinem glossy Reisemagazin einer Stadt findet. Das hat mich immer mehr gecatched als das Kurhaus in Wiesbaden (lacht). 

Glaubst du, dass die Romantisierung der Straße, gerade auch gefüttert durch Straßenrap, auch problematisch sein kann? Es wird damit teilweise auch verherrlicht, was auf der Straße passiert und ausgeblendet, dass das die Lebensrealität viel zu vieler Menschen ist. 

Es ist überhaupt nicht cool. Ich versuche, das eher aufklärend zu sehen und als Möglichkeit, vielen Menschen zu zeigen, was es alles gibt. Natürlich ist das vielen Menschen bewusst, aber viele verschließen sich davor auch. Das Problem in der Musik ist, dass sich Künstler entweder nicht klar aussprechen oder man sich ausschließlich die Musik anhört und wenig mit der Person beschäftigt. Wenn man sich länger mit Hip-Hop beschäftigt, versteht man vielleicht auch eher, dass sich viele Künstler damit nicht glorifizieren wollen, sondern eher aufklären und wachrütteln möchten. Vielleicht könnte man auch auf Seiten der Schule mit aufklären. Wir leben in einer Zeit, in der Hip-Hop den Zeitgeist der Jugend vorgibt und vielleicht kann man auch in dem Rahmen aufzeigen, dass das teilweise einfach ein Business ist und nicht zwingend, oder nicht mehr, die Lebensrealität der Künstler. Man könnte auch Künstler, Labels und so weiter einladen. Es gibt bestimmt genug Rapper und Rapperinnen, die das nur machen, um in irgendeiner Form cool zu sein, aber ich glaube nicht, dass das den Großteil betrifft. Das sollte auch nicht der Ansporn sein, Kunst zu machen. 

Glaubst du, dass Kunst eine gute Möglichkeit ist, auf ästhetische Art und Weise verschiedene Schichten der Gesellschaft näher zusammen zu bringen?

Ja, aber jeder hat seinen eigenen Geschmack und sein eigenes kreatives Auge. Kunst kann sicher helfen, aber ich glaube nicht, dass das der einzige Aspekt ist, der Leute zusammenbringt. Ich glaube, Sport ist da nochmal krasser, um Kulturen und Menschen zusammen zu bringen. 

Was ist denn dein Bezug zu Kunst und Kultur ganz allgemein?

Ich studiere Kunst (lacht). Also freie Kunst. Davor hatte ich wenig Berührungspunkte mit Kunst. Ich habe eine Ausbildung als Mediengestalter gemacht, das ist aber wenig frei und kreativ. Ich habe gesprüht, aber das war für mich auch weniger mit Kunstaspekt, es hat einfach Spaß gemacht. Dann kam das Studium und ich habe mich angefangen richtig damit auseinanderzusetzen, mit verschiedenen Kunstformen und Künstlern. Es gibt so viel, was interessant ist und ich mir auf YouTube oder Netflix reinziehe. Es gibt eine Dokumentation auf Netflix, „Abstrakt“ heißt die, davon gibt es sehr gute Folgen. Olafur Eliasson (@studioolafureliasson), krasser Typ. Der macht sehr krasse Sachen. Das hat alles weniger mit dem Studium zu tun, das waren aber die ersten Ausfühler gewesen, die ich mir zu Gemüte geführt habe. Ich merke aber auch in der Uni, dass ich noch einiges nachzuholen habe, an Wissen darüber. Du brauchst es nicht als Künstler, aber es ist schon hilfreich, einen theoretischen Hintergrund zu haben. 

Du bist gebürtiger Wiesbadener, lebst auch immer noch hier und bist vor allem sehr glücklich hier. Viele Kunstschaffende zieht es in Großstädte wie Berlin. Was hält dich hier?

Ich habe hier alles, was ich brauche. Ich habe hier meine Freunde, meinen engsten Kreis und ich bin sehr froh, dass hier alles fußläufig ist. Man muss nicht ständig mit Bus und Bahn rumfahren. Ich sehe es nicht wirklich für nötig in eine andere Stadt zu ziehen. Ich würde gerne viel mehr reisen und die Zeit in anderen Städten  verbringen, aber mein Standort ist einfach hier. 

Foto Credits: Philipp Nguyen

Inspirationen mit hier hernehmen ist auch gut. 

Ja genau! Ich habe hier einfach alles, was ich brauche, um es kurzzufassen. 

Wie empfindest du denn die Kunst- und Kulturszene im Rhein-Main-Gebiet?

Wird schon besser! Richtung Frankfurt und Offenbach passiert sehr viel, was ich natürlich auch durch die Uni mitbekomme. Wiesbaden hängt schon noch hinterher. Generell würde ich sagen, dass Frankfurt sehr viel zu bieten hat. Allein das Museumsufer. In Wiesbaden gab es in letzter Zeit auch viele gute Ausstellungen. Es passieren immer wieder Sachen, aber leider habe ich das Gefühl, dass man in Wiesbaden zu wenig davon mitbekommt. Es findet immer in kleinen Kreisen statt.

Ja, das stimmt. Man bekommt das oft mit, weil man sich in eben den Kreisen aufhält. Es ist schon sehr Bubble-intern. Ich glaube, es ist wichtig, dass das präsenter wird. Das ist auch eines unserer Ziele mit dem Magazin. 

Ja genau, das muss einfach mehr in die Masse gebracht werden. Und noch eine Sache: In Wiesbaden muss mehr getan und genutzt werden, was öffentlichen Leerstand betrifft. Es gibt so viele kleine leerstehende Läden, die man jetzt temporär für Pop-up Stores nutzen könnte, bis eben neue Mieter drin sind. Das heißt nicht, dass tausende Galerien errichtet werden müssen, es geht darum, das zu nutzen was gerade geht. Es gibt so viel Potenzial in Wiesbaden, aber die Leute, beziehungsweise Entscheider, stellen sich da leider noch etwas quer. Ein gutes Beispiel ist die Biennale, die vor ein paar Jahren in Wiesbaden war. Das war unter anderem in der City Passage, aber auch in vielen kleinen Galerien und Stores. Das ging eine Woche lang und da war Wiesbaden komplett im Ausnahmezustand, hatte ich das Gefühl. Das ist das perfekte Beispiel, was man aus Wiesbaden machen könnte. 

Wir haben bereits unterschiedliche Kunstformen angeschnitten, aber welche Form von Kunst begeistert dich denn außerhalb von Film am meisten? Kannst du in dem Bereich Künstler:innen empfehlen?

Ich bin in letzter Zeit großer Fan von Architektur, vor allem was alte Plattenbauten angeht. Ostmoderne nennt man das ja. Ich schaue mir viele Videos dazu an und Fotos von Fotografen und Architekten. Es gibt einen Fotografen auf Instagram, den ich diesbezüglich sehr empfehlen kann. Der ist auch Architekt und Autor und dokumentiert die ostmoderne und baubezogene Kunst aus der DDR. Martin Maleschka (@martinmaleschka) heißt er. Ein Freund von mir, Luis Kirche (@luiskirche12), macht sehr coole Zeichnungen und hat ein sehr kreatives Mindset. Er ist noch jung, aber in ihm sehe ich auf jeden Fall Potenzial, dass er mal ein großer Grafiker wird. Zwei weitere Empfehlungen wären Daniel Edvon (@daniel.edvon) und Konstantin Kipfmüller (@k.fuerchtegott). Das sind beides krasse Maler. 

Danke für die vielen Empfehlungen, werde ich auschecken. Was wünschst du dir denn für deine Zukunft und die der Kunst- und Kulturszene hier?

Einfach mehr in Wiesbaden, mehr öffentliche Räume, egal ob temporär oder auf lange Zeit. Mehr nach außen tragen was passiert und dass die Leute offener werden. Es wäre cool, wenn Veranstaltungen dann auch mal länger als 22 Uhr gehen würden, ohne dass gleich die Stadtpolizei kommt (lacht). Für mich wünsche ich mir, dass ich mich in dem ganzen Video-Ding weiter beweisen kann, genauso wie in meinem Studium. Ich will mich einfach weiter professionalisieren und damit auch im besten Fall mein Geld verdienen. Das Ganze sollte aber bedacht sein und mit viel Zeit. Ich mache mir da keinen Stress. 

Eine Frage, die andere Kunst- und Kulturschaffende interessiert, in dem Fall die Initiative „CatCalls of Wiesbaden“: Mit welcher Person, egal ob tot oder lebendig, würdest du gerne zusammen Abendessen?

Puh (lacht)! Günther Jauch! Ich habe früher gerne „Wer wird Millionär?“ geschaut. Mit Günther Jauch einen Jibbi fetzen (lacht). 

Ihr findet Lenny auf Instagram unter @lennywestend

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Seinem Namen entsprechend ist Lennywestend im Westend in Wiesbaden zu Hause. Zwischen der Goebenbank, Blocks und seinen Kreisen fühlt er sich wohl. Diese, und viele weitere Spots, hält er regelmäßig auf Video fest. Damit begeistert er vor allem Musiker:innen der Hip-Hop Szene. Wie er zur Videografie gekommen ist und welche Kunst ihn sonst begeistert, hat er mir an einem seiner Lieblingsplätze in Wiesbaden erzählt. 

Foto Credits: Philipp Nguyen

Du drehst Filme für Musiker:innen, aber auch deine eigenen Projekte. Wie und wann hast du damit angefangen?

Mit den Handyvideos, die ich mache, habe ich vor circa zwei bis drei Jahren angefangen. Das war weniger mit dem Anspruch, dass ich das jetzt machen will, um richtig gut zu werden, ich wollte einfach machen. Ich hatte einfach Spaß daran und habe das bei anderen Leuten auf Instagram gesehen. Ich bin natürlich nicht der Erste, der das in dem Stil macht. Ich hatte viele Inspirationen und habe mich dann einfach ausprobiert. Teilweise sehr trashig mit der Handykamera und einer Handy-App. Am Anfang war dabei kein ernsthafter Gedanke, dass ich das professionell machen, oder damit groß werden möchte. Das war in erster Linie zum Spaß. 

Mit welchem Anspruch und Ziel hast du dann deinen ersten richtigen Film gedreht?

Für die Videos, die ich für Instagram drehe, habe ich kein großes Ziel oder eine große Vision. Das passiert meistens beim Schneiden und ist alles sehr intuitiv. Ich setze mich davor selten hin und überlege, welchen Stil ich umsetzen oder Vibe kreieren möchte. Ich fange einfach Sachen ein und schaue dann, was daraus entsteht. Bei den Instagram-Videos ist es dementsprechend schwer zu sagen, aber mir fällt direkt ein Musikvideo ein, das ich gedreht habe. Das war mit und für Toni Dancehall (@tonitone069), ein Rapper aus Offenbach, und Rafiki (@rafiki.pzk). Das war das erste Musikvideo, bei dem wir uns richtige Gedanken gemacht haben. Das habe ich mit Miguel (@migouzphoto) zusammen gedreht und wir haben uns mehrere Tage vorher getroffen, ein Konzept erarbeitet, Szenenshots runter geschrieben und so weiter. Das haben wir meiner Meinung nach auch gut umgesetzt. 

Das war für „Zu spät“ oder?

Ja genau! Das war das erste Projekt, bei dem viel Zeit und viel Planung eingeflossen ist. 

Wann und wie kam generell die erste Zusammenarbeit mit Musiker:innen? Kommen sie auf dich zu oder fragst du auch Künstler:innen an?

Die kamen auf mich zu. Das lief meistens über Instagram und sie haben mir auf meine Clips geschrieben: „Ey, das ist cool. Hast du nicht auch mal Bock ein Musikvideo zu drehen?“. Das war vor circa eineinhalb Jahren. 

Du hast den Prozess von dem Video mit Toni Dancehall ja schon kurz angeschnitten. Wie kann man sich allgemein den Prozess der Zusammenarbeit vorstellen? Tauscht man sich explizit über die jeweiligen Vorstellungen aus, oder darfst du einfach machen?

Das Gute ist ja, dass mich die Leute anschreiben, weil sie genau das feiern, was ich mache. Ich kann dann schon in meinem Stil arbeiten. Natürlich gibt es trotzdem auch Ideen, die die Künstler mit einbringen und je nach Song bieten sich einfach bestimmte Stile an. Bei einem schnellen Hip-Hop Track würde ich kein langsames, vibiges Video verwenden, sondern schnelle Schnitte, mehr Action. Es ist allgemein sehr unterschiedlich und sehr gemixt. Das passiert einfach mit dem Künstler zusammen. Es ist auch immer angenehm, wenn man sich vorher trifft, mal ein bisschen quatscht und sich etwas kennt. Ich mache mir dann im Anschluss immer Gedanken, erstelle mir vielleicht schon Moodboards oder Skripte, während ich den Song, für den das Video sein soll, anhöre. Ich schreibe mir Farbideen runter, lasse mich von anderen Videos inspirieren und sammle Screenshots. Darauf kann man dann gemeinsam aufbauen. Das bedeutet aber nicht, dass man sich hundert Prozent an alles hält. Beim Dreh müssen dann nicht alle geplanten Szenen umgesetzt werden, das ist gar nicht so wichtig. Es geht eher darum, einen groben Anhaltspunkt zu haben, und es hilft beim Dreh einfach weiter im Ablauf. Es sollte am Ende einfach ein guter Mix aus den Vorstellungen von mir und denen vom Künstler sein. 

Ist ja auch schön, am Ende beide Handschriften widerzuspiegeln. 

So war es auch bei dem Dreh mit Toni. Ich mache genau den Stil, den er feiert, und in die Richtung sollte das Video gehen. Am Ende ist etwas anderes daraus geworden und das finde ich sehr geil. Zum Teil habe ich auch das Gefühl, dass Leute denken, dass ich nur die Schiene gerne fahre, die ich auf Instagram präsentiere. Das ist gar nicht der Fall. Ich würde gerne viel mehr experimentieren. Was ich mache, ist ein stetiger Lernprozess. Ich bin kein Profi und auch kein gelernter Videograf. Was ich mache, passiert alles autodidaktisch. Ich habe erstmal Bock auf alles. 

Wie würdest du den Stil deiner Filme beschreiben?

Ehrlich, Straße, wenn man das so grob sagen kann, und schnell. 

Hat sich dein Prozess beim Drehen und Schneiden in den letzten Jahren verändert? Oder ist es immer noch sehr intuitiv?

Dadurch, dass ich mittlerweile auch beruflich mehr in der Videografie stecke und die ganze Technik von einer ganz anderen Seite lerne, und auch lerne, wie man die Story im Video richtig aufbaut, hat sich das schon verändert. Ich möchte das Ganze professionalisieren und möchte die Ästhetik, Story und alles verfeinern. Ich möchte auch nicht mehr so viel mit dem Handy aufnehmen, sondern mehr mit richtigen Kameras. Ich habe zwar eine kleine Kamera mit integriertem Gimbal, aber selbst diese Kamera erzeugt nicht den Look wie eine richtige Filmkamera. Einerseits fällt dann auch die Spontanität weg, die jetzt noch da ist. Leute, die mit einer richtigen Kamera gefilmt werden, fühlen sich vermutlich unwohler, als wenn man kurz das Handy draufhält. Ich weiß momentan noch nicht, wie ich den Mix aus Spontanität und Professionalität perfekt hinbekomme. Diese Spontanität ist wichtig für meine Videos, weil es unverfälscht und echt eingefangen wird. Außerdem würde ich gerne noch mehr Story mit einbauen, was das Schneiden für mich auch einfacher macht. Ich glaube, das passiert alles mit der Zeit. Ich habe das Glück, dass die Leute um mich herum sehr entspannt und offen damit umgehen, von mir gefilmt zu werden. Ich muss mich wenig einschränken. 

Wie lange sitzt du im Schnitt an einem Video?

Da fließt so viel Zeit vorab mit rein. Der Rohschnitt dauert vielleicht vier bis fünf Stunden. Die Arbeitszeit für Editing und Schnitt beträgt vielleicht so zwanzig Stunden. Das kann natürlich immer variieren. Dann mache ich mir noch Gedanken, welche Musik ich verwenden möchte, wie man die Clips am Ende auswählt. Es ist schwer zu sagen, aber ich denke insgesamt gehen circa zwei Tage an Gedankenarbeit drauf. Das Handwerk selbst geht dann schneller. (Lacht) Ich muss aber sagen, dass ich einen ziemlich schlechten Laptop habe, und alles lange dauert und ich teilweise fast verzweifle. Ich bin natürlich auch kein Profi und muss mir hin und wieder noch Tutorials anschauen, und werde verrückt, weil ich sie teilweise nicht verstehe. (Lacht) Viel Kopfarbeit!

Die Linse ist bei deinen Arbeiten häufig auf Häuserblocks, die Straße und vielleicht Teile der Gesellschaft gerichtet, bei denen viele Leute eher weggucken. Du arbeitest auch hin und wieder mit Vocal-Schnipseln von verschiedenen Reportagen. Im letzten Video zum Beispiel verwendest du eine Vocal-Spur einer Reportage über die Geschichte einer kriminellen 14-Jährigen. Woher kommt die Faszination dafür, genau das zu verfilmen?

Ich wurde inspiriert von vielen Videos, die in diese Richtung gehen. Außerdem bin ich sehr Hip-Hop-affin, auch Straßenrap-affin. Das urbane Bild hat sich seit meiner Jugend klar abgezeichnet. Ich habe selber mal versucht, zu rappen und habe mich einfach immer von Hip-Hop hingezogen gefühlt. Mich haben schon immer eher die Ecken interessiert, an die man nicht als erstes geht und die man nicht unbedingt in irgendeinem glossy Reisemagazin einer Stadt findet. Das hat mich immer mehr gecatched als das Kurhaus in Wiesbaden (lacht). 

Glaubst du, dass die Romantisierung der Straße, gerade auch gefüttert durch Straßenrap, auch problematisch sein kann? Es wird damit teilweise auch verherrlicht, was auf der Straße passiert und ausgeblendet, dass das die Lebensrealität viel zu vieler Menschen ist. 

Es ist überhaupt nicht cool. Ich versuche, das eher aufklärend zu sehen und als Möglichkeit, vielen Menschen zu zeigen, was es alles gibt. Natürlich ist das vielen Menschen bewusst, aber viele verschließen sich davor auch. Das Problem in der Musik ist, dass sich Künstler entweder nicht klar aussprechen oder man sich ausschließlich die Musik anhört und wenig mit der Person beschäftigt. Wenn man sich länger mit Hip-Hop beschäftigt, versteht man vielleicht auch eher, dass sich viele Künstler damit nicht glorifizieren wollen, sondern eher aufklären und wachrütteln möchten. Vielleicht könnte man auch auf Seiten der Schule mit aufklären. Wir leben in einer Zeit, in der Hip-Hop den Zeitgeist der Jugend vorgibt und vielleicht kann man auch in dem Rahmen aufzeigen, dass das teilweise einfach ein Business ist und nicht zwingend, oder nicht mehr, die Lebensrealität der Künstler. Man könnte auch Künstler, Labels und so weiter einladen. Es gibt bestimmt genug Rapper und Rapperinnen, die das nur machen, um in irgendeiner Form cool zu sein, aber ich glaube nicht, dass das den Großteil betrifft. Das sollte auch nicht der Ansporn sein, Kunst zu machen. 

Glaubst du, dass Kunst eine gute Möglichkeit ist, auf ästhetische Art und Weise verschiedene Schichten der Gesellschaft näher zusammen zu bringen?

Ja, aber jeder hat seinen eigenen Geschmack und sein eigenes kreatives Auge. Kunst kann sicher helfen, aber ich glaube nicht, dass das der einzige Aspekt ist, der Leute zusammenbringt. Ich glaube, Sport ist da nochmal krasser, um Kulturen und Menschen zusammen zu bringen. 

Was ist denn dein Bezug zu Kunst und Kultur ganz allgemein?

Ich studiere Kunst (lacht). Also freie Kunst. Davor hatte ich wenig Berührungspunkte mit Kunst. Ich habe eine Ausbildung als Mediengestalter gemacht, das ist aber wenig frei und kreativ. Ich habe gesprüht, aber das war für mich auch weniger mit Kunstaspekt, es hat einfach Spaß gemacht. Dann kam das Studium und ich habe mich angefangen richtig damit auseinanderzusetzen, mit verschiedenen Kunstformen und Künstlern. Es gibt so viel, was interessant ist und ich mir auf YouTube oder Netflix reinziehe. Es gibt eine Dokumentation auf Netflix, „Abstrakt“ heißt die, davon gibt es sehr gute Folgen. Olafur Eliasson (@studioolafureliasson), krasser Typ. Der macht sehr krasse Sachen. Das hat alles weniger mit dem Studium zu tun, das waren aber die ersten Ausfühler gewesen, die ich mir zu Gemüte geführt habe. Ich merke aber auch in der Uni, dass ich noch einiges nachzuholen habe, an Wissen darüber. Du brauchst es nicht als Künstler, aber es ist schon hilfreich, einen theoretischen Hintergrund zu haben. 

Du bist gebürtiger Wiesbadener, lebst auch immer noch hier und bist vor allem sehr glücklich hier. Viele Kunstschaffende zieht es in Großstädte wie Berlin. Was hält dich hier?

Ich habe hier alles, was ich brauche. Ich habe hier meine Freunde, meinen engsten Kreis und ich bin sehr froh, dass hier alles fußläufig ist. Man muss nicht ständig mit Bus und Bahn rumfahren. Ich sehe es nicht wirklich für nötig in eine andere Stadt zu ziehen. Ich würde gerne viel mehr reisen und die Zeit in anderen Städten  verbringen, aber mein Standort ist einfach hier. 

Foto Credits: Philipp Nguyen

Inspirationen mit hier hernehmen ist auch gut. 

Ja genau! Ich habe hier einfach alles, was ich brauche, um es kurzzufassen. 

Wie empfindest du denn die Kunst- und Kulturszene im Rhein-Main-Gebiet?

Wird schon besser! Richtung Frankfurt und Offenbach passiert sehr viel, was ich natürlich auch durch die Uni mitbekomme. Wiesbaden hängt schon noch hinterher. Generell würde ich sagen, dass Frankfurt sehr viel zu bieten hat. Allein das Museumsufer. In Wiesbaden gab es in letzter Zeit auch viele gute Ausstellungen. Es passieren immer wieder Sachen, aber leider habe ich das Gefühl, dass man in Wiesbaden zu wenig davon mitbekommt. Es findet immer in kleinen Kreisen statt.

Ja, das stimmt. Man bekommt das oft mit, weil man sich in eben den Kreisen aufhält. Es ist schon sehr Bubble-intern. Ich glaube, es ist wichtig, dass das präsenter wird. Das ist auch eines unserer Ziele mit dem Magazin. 

Ja genau, das muss einfach mehr in die Masse gebracht werden. Und noch eine Sache: In Wiesbaden muss mehr getan und genutzt werden, was öffentlichen Leerstand betrifft. Es gibt so viele kleine leerstehende Läden, die man jetzt temporär für Pop-up Stores nutzen könnte, bis eben neue Mieter drin sind. Das heißt nicht, dass tausende Galerien errichtet werden müssen, es geht darum, das zu nutzen was gerade geht. Es gibt so viel Potenzial in Wiesbaden, aber die Leute, beziehungsweise Entscheider, stellen sich da leider noch etwas quer. Ein gutes Beispiel ist die Biennale, die vor ein paar Jahren in Wiesbaden war. Das war unter anderem in der City Passage, aber auch in vielen kleinen Galerien und Stores. Das ging eine Woche lang und da war Wiesbaden komplett im Ausnahmezustand, hatte ich das Gefühl. Das ist das perfekte Beispiel, was man aus Wiesbaden machen könnte. 

Wir haben bereits unterschiedliche Kunstformen angeschnitten, aber welche Form von Kunst begeistert dich denn außerhalb von Film am meisten? Kannst du in dem Bereich Künstler:innen empfehlen?

Ich bin in letzter Zeit großer Fan von Architektur, vor allem was alte Plattenbauten angeht. Ostmoderne nennt man das ja. Ich schaue mir viele Videos dazu an und Fotos von Fotografen und Architekten. Es gibt einen Fotografen auf Instagram, den ich diesbezüglich sehr empfehlen kann. Der ist auch Architekt und Autor und dokumentiert die ostmoderne und baubezogene Kunst aus der DDR. Martin Maleschka (@martinmaleschka) heißt er. Ein Freund von mir, Luis Kirche (@luiskirche12), macht sehr coole Zeichnungen und hat ein sehr kreatives Mindset. Er ist noch jung, aber in ihm sehe ich auf jeden Fall Potenzial, dass er mal ein großer Grafiker wird. Zwei weitere Empfehlungen wären Daniel Edvon (@daniel.edvon) und Konstantin Kipfmüller (@k.fuerchtegott). Das sind beides krasse Maler. 

Danke für die vielen Empfehlungen, werde ich auschecken. Was wünschst du dir denn für deine Zukunft und die der Kunst- und Kulturszene hier?

Einfach mehr in Wiesbaden, mehr öffentliche Räume, egal ob temporär oder auf lange Zeit. Mehr nach außen tragen was passiert und dass die Leute offener werden. Es wäre cool, wenn Veranstaltungen dann auch mal länger als 22 Uhr gehen würden, ohne dass gleich die Stadtpolizei kommt (lacht). Für mich wünsche ich mir, dass ich mich in dem ganzen Video-Ding weiter beweisen kann, genauso wie in meinem Studium. Ich will mich einfach weiter professionalisieren und damit auch im besten Fall mein Geld verdienen. Das Ganze sollte aber bedacht sein und mit viel Zeit. Ich mache mir da keinen Stress. 

Eine Frage, die andere Kunst- und Kulturschaffende interessiert, in dem Fall die Initiative „CatCalls of Wiesbaden“: Mit welcher Person, egal ob tot oder lebendig, würdest du gerne zusammen Abendessen?

Puh (lacht)! Günther Jauch! Ich habe früher gerne „Wer wird Millionär?“ geschaut. Mit Günther Jauch einen Jibbi fetzen (lacht). 

Ihr findet Lenny auf Instagram unter @lennywestend

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Seinem Namen entsprechend ist Lennywestend im Westend in Wiesbaden zu Hause. Zwischen der Goebenbank, Blocks und seinen Kreisen fühlt er sich wohl. Diese, und viele weitere Spots, hält er regelmäßig auf Video fest. Damit begeistert er vor allem Musiker:innen der Hip-Hop Szene. Wie er zur Videografie gekommen ist und welche Kunst ihn sonst begeistert, hat er mir an einem seiner Lieblingsplätze in Wiesbaden erzählt. 

Foto Credits: Philipp Nguyen

Du drehst Filme für Musiker:innen, aber auch deine eigenen Projekte. Wie und wann hast du damit angefangen?

Mit den Handyvideos, die ich mache, habe ich vor circa zwei bis drei Jahren angefangen. Das war weniger mit dem Anspruch, dass ich das jetzt machen will, um richtig gut zu werden, ich wollte einfach machen. Ich hatte einfach Spaß daran und habe das bei anderen Leuten auf Instagram gesehen. Ich bin natürlich nicht der Erste, der das in dem Stil macht. Ich hatte viele Inspirationen und habe mich dann einfach ausprobiert. Teilweise sehr trashig mit der Handykamera und einer Handy-App. Am Anfang war dabei kein ernsthafter Gedanke, dass ich das professionell machen, oder damit groß werden möchte. Das war in erster Linie zum Spaß. 

Mit welchem Anspruch und Ziel hast du dann deinen ersten richtigen Film gedreht?

Für die Videos, die ich für Instagram drehe, habe ich kein großes Ziel oder eine große Vision. Das passiert meistens beim Schneiden und ist alles sehr intuitiv. Ich setze mich davor selten hin und überlege, welchen Stil ich umsetzen oder Vibe kreieren möchte. Ich fange einfach Sachen ein und schaue dann, was daraus entsteht. Bei den Instagram-Videos ist es dementsprechend schwer zu sagen, aber mir fällt direkt ein Musikvideo ein, das ich gedreht habe. Das war mit und für Toni Dancehall (@tonitone069), ein Rapper aus Offenbach, und Rafiki (@rafiki.pzk). Das war das erste Musikvideo, bei dem wir uns richtige Gedanken gemacht haben. Das habe ich mit Miguel (@migouzphoto) zusammen gedreht und wir haben uns mehrere Tage vorher getroffen, ein Konzept erarbeitet, Szenenshots runter geschrieben und so weiter. Das haben wir meiner Meinung nach auch gut umgesetzt. 

Das war für „Zu spät“ oder?

Ja genau! Das war das erste Projekt, bei dem viel Zeit und viel Planung eingeflossen ist. 

Wann und wie kam generell die erste Zusammenarbeit mit Musiker:innen? Kommen sie auf dich zu oder fragst du auch Künstler:innen an?

Die kamen auf mich zu. Das lief meistens über Instagram und sie haben mir auf meine Clips geschrieben: „Ey, das ist cool. Hast du nicht auch mal Bock ein Musikvideo zu drehen?“. Das war vor circa eineinhalb Jahren. 

Du hast den Prozess von dem Video mit Toni Dancehall ja schon kurz angeschnitten. Wie kann man sich allgemein den Prozess der Zusammenarbeit vorstellen? Tauscht man sich explizit über die jeweiligen Vorstellungen aus, oder darfst du einfach machen?

Das Gute ist ja, dass mich die Leute anschreiben, weil sie genau das feiern, was ich mache. Ich kann dann schon in meinem Stil arbeiten. Natürlich gibt es trotzdem auch Ideen, die die Künstler mit einbringen und je nach Song bieten sich einfach bestimmte Stile an. Bei einem schnellen Hip-Hop Track würde ich kein langsames, vibiges Video verwenden, sondern schnelle Schnitte, mehr Action. Es ist allgemein sehr unterschiedlich und sehr gemixt. Das passiert einfach mit dem Künstler zusammen. Es ist auch immer angenehm, wenn man sich vorher trifft, mal ein bisschen quatscht und sich etwas kennt. Ich mache mir dann im Anschluss immer Gedanken, erstelle mir vielleicht schon Moodboards oder Skripte, während ich den Song, für den das Video sein soll, anhöre. Ich schreibe mir Farbideen runter, lasse mich von anderen Videos inspirieren und sammle Screenshots. Darauf kann man dann gemeinsam aufbauen. Das bedeutet aber nicht, dass man sich hundert Prozent an alles hält. Beim Dreh müssen dann nicht alle geplanten Szenen umgesetzt werden, das ist gar nicht so wichtig. Es geht eher darum, einen groben Anhaltspunkt zu haben, und es hilft beim Dreh einfach weiter im Ablauf. Es sollte am Ende einfach ein guter Mix aus den Vorstellungen von mir und denen vom Künstler sein. 

Ist ja auch schön, am Ende beide Handschriften widerzuspiegeln. 

So war es auch bei dem Dreh mit Toni. Ich mache genau den Stil, den er feiert, und in die Richtung sollte das Video gehen. Am Ende ist etwas anderes daraus geworden und das finde ich sehr geil. Zum Teil habe ich auch das Gefühl, dass Leute denken, dass ich nur die Schiene gerne fahre, die ich auf Instagram präsentiere. Das ist gar nicht der Fall. Ich würde gerne viel mehr experimentieren. Was ich mache, ist ein stetiger Lernprozess. Ich bin kein Profi und auch kein gelernter Videograf. Was ich mache, passiert alles autodidaktisch. Ich habe erstmal Bock auf alles. 

Wie würdest du den Stil deiner Filme beschreiben?

Ehrlich, Straße, wenn man das so grob sagen kann, und schnell. 

Hat sich dein Prozess beim Drehen und Schneiden in den letzten Jahren verändert? Oder ist es immer noch sehr intuitiv?

Dadurch, dass ich mittlerweile auch beruflich mehr in der Videografie stecke und die ganze Technik von einer ganz anderen Seite lerne, und auch lerne, wie man die Story im Video richtig aufbaut, hat sich das schon verändert. Ich möchte das Ganze professionalisieren und möchte die Ästhetik, Story und alles verfeinern. Ich möchte auch nicht mehr so viel mit dem Handy aufnehmen, sondern mehr mit richtigen Kameras. Ich habe zwar eine kleine Kamera mit integriertem Gimbal, aber selbst diese Kamera erzeugt nicht den Look wie eine richtige Filmkamera. Einerseits fällt dann auch die Spontanität weg, die jetzt noch da ist. Leute, die mit einer richtigen Kamera gefilmt werden, fühlen sich vermutlich unwohler, als wenn man kurz das Handy draufhält. Ich weiß momentan noch nicht, wie ich den Mix aus Spontanität und Professionalität perfekt hinbekomme. Diese Spontanität ist wichtig für meine Videos, weil es unverfälscht und echt eingefangen wird. Außerdem würde ich gerne noch mehr Story mit einbauen, was das Schneiden für mich auch einfacher macht. Ich glaube, das passiert alles mit der Zeit. Ich habe das Glück, dass die Leute um mich herum sehr entspannt und offen damit umgehen, von mir gefilmt zu werden. Ich muss mich wenig einschränken. 

Wie lange sitzt du im Schnitt an einem Video?

Da fließt so viel Zeit vorab mit rein. Der Rohschnitt dauert vielleicht vier bis fünf Stunden. Die Arbeitszeit für Editing und Schnitt beträgt vielleicht so zwanzig Stunden. Das kann natürlich immer variieren. Dann mache ich mir noch Gedanken, welche Musik ich verwenden möchte, wie man die Clips am Ende auswählt. Es ist schwer zu sagen, aber ich denke insgesamt gehen circa zwei Tage an Gedankenarbeit drauf. Das Handwerk selbst geht dann schneller. (Lacht) Ich muss aber sagen, dass ich einen ziemlich schlechten Laptop habe, und alles lange dauert und ich teilweise fast verzweifle. Ich bin natürlich auch kein Profi und muss mir hin und wieder noch Tutorials anschauen, und werde verrückt, weil ich sie teilweise nicht verstehe. (Lacht) Viel Kopfarbeit!

Die Linse ist bei deinen Arbeiten häufig auf Häuserblocks, die Straße und vielleicht Teile der Gesellschaft gerichtet, bei denen viele Leute eher weggucken. Du arbeitest auch hin und wieder mit Vocal-Schnipseln von verschiedenen Reportagen. Im letzten Video zum Beispiel verwendest du eine Vocal-Spur einer Reportage über die Geschichte einer kriminellen 14-Jährigen. Woher kommt die Faszination dafür, genau das zu verfilmen?

Ich wurde inspiriert von vielen Videos, die in diese Richtung gehen. Außerdem bin ich sehr Hip-Hop-affin, auch Straßenrap-affin. Das urbane Bild hat sich seit meiner Jugend klar abgezeichnet. Ich habe selber mal versucht, zu rappen und habe mich einfach immer von Hip-Hop hingezogen gefühlt. Mich haben schon immer eher die Ecken interessiert, an die man nicht als erstes geht und die man nicht unbedingt in irgendeinem glossy Reisemagazin einer Stadt findet. Das hat mich immer mehr gecatched als das Kurhaus in Wiesbaden (lacht). 

Glaubst du, dass die Romantisierung der Straße, gerade auch gefüttert durch Straßenrap, auch problematisch sein kann? Es wird damit teilweise auch verherrlicht, was auf der Straße passiert und ausgeblendet, dass das die Lebensrealität viel zu vieler Menschen ist. 

Es ist überhaupt nicht cool. Ich versuche, das eher aufklärend zu sehen und als Möglichkeit, vielen Menschen zu zeigen, was es alles gibt. Natürlich ist das vielen Menschen bewusst, aber viele verschließen sich davor auch. Das Problem in der Musik ist, dass sich Künstler entweder nicht klar aussprechen oder man sich ausschließlich die Musik anhört und wenig mit der Person beschäftigt. Wenn man sich länger mit Hip-Hop beschäftigt, versteht man vielleicht auch eher, dass sich viele Künstler damit nicht glorifizieren wollen, sondern eher aufklären und wachrütteln möchten. Vielleicht könnte man auch auf Seiten der Schule mit aufklären. Wir leben in einer Zeit, in der Hip-Hop den Zeitgeist der Jugend vorgibt und vielleicht kann man auch in dem Rahmen aufzeigen, dass das teilweise einfach ein Business ist und nicht zwingend, oder nicht mehr, die Lebensrealität der Künstler. Man könnte auch Künstler, Labels und so weiter einladen. Es gibt bestimmt genug Rapper und Rapperinnen, die das nur machen, um in irgendeiner Form cool zu sein, aber ich glaube nicht, dass das den Großteil betrifft. Das sollte auch nicht der Ansporn sein, Kunst zu machen. 

Glaubst du, dass Kunst eine gute Möglichkeit ist, auf ästhetische Art und Weise verschiedene Schichten der Gesellschaft näher zusammen zu bringen?

Ja, aber jeder hat seinen eigenen Geschmack und sein eigenes kreatives Auge. Kunst kann sicher helfen, aber ich glaube nicht, dass das der einzige Aspekt ist, der Leute zusammenbringt. Ich glaube, Sport ist da nochmal krasser, um Kulturen und Menschen zusammen zu bringen. 

Was ist denn dein Bezug zu Kunst und Kultur ganz allgemein?

Ich studiere Kunst (lacht). Also freie Kunst. Davor hatte ich wenig Berührungspunkte mit Kunst. Ich habe eine Ausbildung als Mediengestalter gemacht, das ist aber wenig frei und kreativ. Ich habe gesprüht, aber das war für mich auch weniger mit Kunstaspekt, es hat einfach Spaß gemacht. Dann kam das Studium und ich habe mich angefangen richtig damit auseinanderzusetzen, mit verschiedenen Kunstformen und Künstlern. Es gibt so viel, was interessant ist und ich mir auf YouTube oder Netflix reinziehe. Es gibt eine Dokumentation auf Netflix, „Abstrakt“ heißt die, davon gibt es sehr gute Folgen. Olafur Eliasson (@studioolafureliasson), krasser Typ. Der macht sehr krasse Sachen. Das hat alles weniger mit dem Studium zu tun, das waren aber die ersten Ausfühler gewesen, die ich mir zu Gemüte geführt habe. Ich merke aber auch in der Uni, dass ich noch einiges nachzuholen habe, an Wissen darüber. Du brauchst es nicht als Künstler, aber es ist schon hilfreich, einen theoretischen Hintergrund zu haben. 

Du bist gebürtiger Wiesbadener, lebst auch immer noch hier und bist vor allem sehr glücklich hier. Viele Kunstschaffende zieht es in Großstädte wie Berlin. Was hält dich hier?

Ich habe hier alles, was ich brauche. Ich habe hier meine Freunde, meinen engsten Kreis und ich bin sehr froh, dass hier alles fußläufig ist. Man muss nicht ständig mit Bus und Bahn rumfahren. Ich sehe es nicht wirklich für nötig in eine andere Stadt zu ziehen. Ich würde gerne viel mehr reisen und die Zeit in anderen Städten  verbringen, aber mein Standort ist einfach hier. 

Foto Credits: Philipp Nguyen

Inspirationen mit hier hernehmen ist auch gut. 

Ja genau! Ich habe hier einfach alles, was ich brauche, um es kurzzufassen. 

Wie empfindest du denn die Kunst- und Kulturszene im Rhein-Main-Gebiet?

Wird schon besser! Richtung Frankfurt und Offenbach passiert sehr viel, was ich natürlich auch durch die Uni mitbekomme. Wiesbaden hängt schon noch hinterher. Generell würde ich sagen, dass Frankfurt sehr viel zu bieten hat. Allein das Museumsufer. In Wiesbaden gab es in letzter Zeit auch viele gute Ausstellungen. Es passieren immer wieder Sachen, aber leider habe ich das Gefühl, dass man in Wiesbaden zu wenig davon mitbekommt. Es findet immer in kleinen Kreisen statt.

Ja, das stimmt. Man bekommt das oft mit, weil man sich in eben den Kreisen aufhält. Es ist schon sehr Bubble-intern. Ich glaube, es ist wichtig, dass das präsenter wird. Das ist auch eines unserer Ziele mit dem Magazin. 

Ja genau, das muss einfach mehr in die Masse gebracht werden. Und noch eine Sache: In Wiesbaden muss mehr getan und genutzt werden, was öffentlichen Leerstand betrifft. Es gibt so viele kleine leerstehende Läden, die man jetzt temporär für Pop-up Stores nutzen könnte, bis eben neue Mieter drin sind. Das heißt nicht, dass tausende Galerien errichtet werden müssen, es geht darum, das zu nutzen was gerade geht. Es gibt so viel Potenzial in Wiesbaden, aber die Leute, beziehungsweise Entscheider, stellen sich da leider noch etwas quer. Ein gutes Beispiel ist die Biennale, die vor ein paar Jahren in Wiesbaden war. Das war unter anderem in der City Passage, aber auch in vielen kleinen Galerien und Stores. Das ging eine Woche lang und da war Wiesbaden komplett im Ausnahmezustand, hatte ich das Gefühl. Das ist das perfekte Beispiel, was man aus Wiesbaden machen könnte. 

Wir haben bereits unterschiedliche Kunstformen angeschnitten, aber welche Form von Kunst begeistert dich denn außerhalb von Film am meisten? Kannst du in dem Bereich Künstler:innen empfehlen?

Ich bin in letzter Zeit großer Fan von Architektur, vor allem was alte Plattenbauten angeht. Ostmoderne nennt man das ja. Ich schaue mir viele Videos dazu an und Fotos von Fotografen und Architekten. Es gibt einen Fotografen auf Instagram, den ich diesbezüglich sehr empfehlen kann. Der ist auch Architekt und Autor und dokumentiert die ostmoderne und baubezogene Kunst aus der DDR. Martin Maleschka (@martinmaleschka) heißt er. Ein Freund von mir, Luis Kirche (@luiskirche12), macht sehr coole Zeichnungen und hat ein sehr kreatives Mindset. Er ist noch jung, aber in ihm sehe ich auf jeden Fall Potenzial, dass er mal ein großer Grafiker wird. Zwei weitere Empfehlungen wären Daniel Edvon (@daniel.edvon) und Konstantin Kipfmüller (@k.fuerchtegott). Das sind beides krasse Maler. 

Danke für die vielen Empfehlungen, werde ich auschecken. Was wünschst du dir denn für deine Zukunft und die der Kunst- und Kulturszene hier?

Einfach mehr in Wiesbaden, mehr öffentliche Räume, egal ob temporär oder auf lange Zeit. Mehr nach außen tragen was passiert und dass die Leute offener werden. Es wäre cool, wenn Veranstaltungen dann auch mal länger als 22 Uhr gehen würden, ohne dass gleich die Stadtpolizei kommt (lacht). Für mich wünsche ich mir, dass ich mich in dem ganzen Video-Ding weiter beweisen kann, genauso wie in meinem Studium. Ich will mich einfach weiter professionalisieren und damit auch im besten Fall mein Geld verdienen. Das Ganze sollte aber bedacht sein und mit viel Zeit. Ich mache mir da keinen Stress. 

Eine Frage, die andere Kunst- und Kulturschaffende interessiert, in dem Fall die Initiative „CatCalls of Wiesbaden“: Mit welcher Person, egal ob tot oder lebendig, würdest du gerne zusammen Abendessen?

Puh (lacht)! Günther Jauch! Ich habe früher gerne „Wer wird Millionär?“ geschaut. Mit Günther Jauch einen Jibbi fetzen (lacht). 

Ihr findet Lenny auf Instagram unter @lennywestend

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Fotocredits

Seinem Namen entsprechend ist Lennywestend im Westend in Wiesbaden zu Hause. Zwischen der Goebenbank, Blocks und seinen Kreisen fühlt er sich wohl. Diese, und viele weitere Spots, hält er regelmäßig auf Video fest. Damit begeistert er vor allem Musiker:innen der Hip-Hop Szene. Wie er zur Videografie gekommen ist und welche Kunst ihn sonst begeistert, hat er mir an einem seiner Lieblingsplätze in Wiesbaden erzählt. 

Foto Credits: Philipp Nguyen

Du drehst Filme für Musiker:innen, aber auch deine eigenen Projekte. Wie und wann hast du damit angefangen?

Mit den Handyvideos, die ich mache, habe ich vor circa zwei bis drei Jahren angefangen. Das war weniger mit dem Anspruch, dass ich das jetzt machen will, um richtig gut zu werden, ich wollte einfach machen. Ich hatte einfach Spaß daran und habe das bei anderen Leuten auf Instagram gesehen. Ich bin natürlich nicht der Erste, der das in dem Stil macht. Ich hatte viele Inspirationen und habe mich dann einfach ausprobiert. Teilweise sehr trashig mit der Handykamera und einer Handy-App. Am Anfang war dabei kein ernsthafter Gedanke, dass ich das professionell machen, oder damit groß werden möchte. Das war in erster Linie zum Spaß. 

Mit welchem Anspruch und Ziel hast du dann deinen ersten richtigen Film gedreht?

Für die Videos, die ich für Instagram drehe, habe ich kein großes Ziel oder eine große Vision. Das passiert meistens beim Schneiden und ist alles sehr intuitiv. Ich setze mich davor selten hin und überlege, welchen Stil ich umsetzen oder Vibe kreieren möchte. Ich fange einfach Sachen ein und schaue dann, was daraus entsteht. Bei den Instagram-Videos ist es dementsprechend schwer zu sagen, aber mir fällt direkt ein Musikvideo ein, das ich gedreht habe. Das war mit und für Toni Dancehall (@tonitone069), ein Rapper aus Offenbach, und Rafiki (@rafiki.pzk). Das war das erste Musikvideo, bei dem wir uns richtige Gedanken gemacht haben. Das habe ich mit Miguel (@migouzphoto) zusammen gedreht und wir haben uns mehrere Tage vorher getroffen, ein Konzept erarbeitet, Szenenshots runter geschrieben und so weiter. Das haben wir meiner Meinung nach auch gut umgesetzt. 

Das war für „Zu spät“ oder?

Ja genau! Das war das erste Projekt, bei dem viel Zeit und viel Planung eingeflossen ist. 

Wann und wie kam generell die erste Zusammenarbeit mit Musiker:innen? Kommen sie auf dich zu oder fragst du auch Künstler:innen an?

Die kamen auf mich zu. Das lief meistens über Instagram und sie haben mir auf meine Clips geschrieben: „Ey, das ist cool. Hast du nicht auch mal Bock ein Musikvideo zu drehen?“. Das war vor circa eineinhalb Jahren. 

Du hast den Prozess von dem Video mit Toni Dancehall ja schon kurz angeschnitten. Wie kann man sich allgemein den Prozess der Zusammenarbeit vorstellen? Tauscht man sich explizit über die jeweiligen Vorstellungen aus, oder darfst du einfach machen?

Das Gute ist ja, dass mich die Leute anschreiben, weil sie genau das feiern, was ich mache. Ich kann dann schon in meinem Stil arbeiten. Natürlich gibt es trotzdem auch Ideen, die die Künstler mit einbringen und je nach Song bieten sich einfach bestimmte Stile an. Bei einem schnellen Hip-Hop Track würde ich kein langsames, vibiges Video verwenden, sondern schnelle Schnitte, mehr Action. Es ist allgemein sehr unterschiedlich und sehr gemixt. Das passiert einfach mit dem Künstler zusammen. Es ist auch immer angenehm, wenn man sich vorher trifft, mal ein bisschen quatscht und sich etwas kennt. Ich mache mir dann im Anschluss immer Gedanken, erstelle mir vielleicht schon Moodboards oder Skripte, während ich den Song, für den das Video sein soll, anhöre. Ich schreibe mir Farbideen runter, lasse mich von anderen Videos inspirieren und sammle Screenshots. Darauf kann man dann gemeinsam aufbauen. Das bedeutet aber nicht, dass man sich hundert Prozent an alles hält. Beim Dreh müssen dann nicht alle geplanten Szenen umgesetzt werden, das ist gar nicht so wichtig. Es geht eher darum, einen groben Anhaltspunkt zu haben, und es hilft beim Dreh einfach weiter im Ablauf. Es sollte am Ende einfach ein guter Mix aus den Vorstellungen von mir und denen vom Künstler sein. 

Ist ja auch schön, am Ende beide Handschriften widerzuspiegeln. 

So war es auch bei dem Dreh mit Toni. Ich mache genau den Stil, den er feiert, und in die Richtung sollte das Video gehen. Am Ende ist etwas anderes daraus geworden und das finde ich sehr geil. Zum Teil habe ich auch das Gefühl, dass Leute denken, dass ich nur die Schiene gerne fahre, die ich auf Instagram präsentiere. Das ist gar nicht der Fall. Ich würde gerne viel mehr experimentieren. Was ich mache, ist ein stetiger Lernprozess. Ich bin kein Profi und auch kein gelernter Videograf. Was ich mache, passiert alles autodidaktisch. Ich habe erstmal Bock auf alles. 

Wie würdest du den Stil deiner Filme beschreiben?

Ehrlich, Straße, wenn man das so grob sagen kann, und schnell. 

Hat sich dein Prozess beim Drehen und Schneiden in den letzten Jahren verändert? Oder ist es immer noch sehr intuitiv?

Dadurch, dass ich mittlerweile auch beruflich mehr in der Videografie stecke und die ganze Technik von einer ganz anderen Seite lerne, und auch lerne, wie man die Story im Video richtig aufbaut, hat sich das schon verändert. Ich möchte das Ganze professionalisieren und möchte die Ästhetik, Story und alles verfeinern. Ich möchte auch nicht mehr so viel mit dem Handy aufnehmen, sondern mehr mit richtigen Kameras. Ich habe zwar eine kleine Kamera mit integriertem Gimbal, aber selbst diese Kamera erzeugt nicht den Look wie eine richtige Filmkamera. Einerseits fällt dann auch die Spontanität weg, die jetzt noch da ist. Leute, die mit einer richtigen Kamera gefilmt werden, fühlen sich vermutlich unwohler, als wenn man kurz das Handy draufhält. Ich weiß momentan noch nicht, wie ich den Mix aus Spontanität und Professionalität perfekt hinbekomme. Diese Spontanität ist wichtig für meine Videos, weil es unverfälscht und echt eingefangen wird. Außerdem würde ich gerne noch mehr Story mit einbauen, was das Schneiden für mich auch einfacher macht. Ich glaube, das passiert alles mit der Zeit. Ich habe das Glück, dass die Leute um mich herum sehr entspannt und offen damit umgehen, von mir gefilmt zu werden. Ich muss mich wenig einschränken. 

Wie lange sitzt du im Schnitt an einem Video?

Da fließt so viel Zeit vorab mit rein. Der Rohschnitt dauert vielleicht vier bis fünf Stunden. Die Arbeitszeit für Editing und Schnitt beträgt vielleicht so zwanzig Stunden. Das kann natürlich immer variieren. Dann mache ich mir noch Gedanken, welche Musik ich verwenden möchte, wie man die Clips am Ende auswählt. Es ist schwer zu sagen, aber ich denke insgesamt gehen circa zwei Tage an Gedankenarbeit drauf. Das Handwerk selbst geht dann schneller. (Lacht) Ich muss aber sagen, dass ich einen ziemlich schlechten Laptop habe, und alles lange dauert und ich teilweise fast verzweifle. Ich bin natürlich auch kein Profi und muss mir hin und wieder noch Tutorials anschauen, und werde verrückt, weil ich sie teilweise nicht verstehe. (Lacht) Viel Kopfarbeit!

Die Linse ist bei deinen Arbeiten häufig auf Häuserblocks, die Straße und vielleicht Teile der Gesellschaft gerichtet, bei denen viele Leute eher weggucken. Du arbeitest auch hin und wieder mit Vocal-Schnipseln von verschiedenen Reportagen. Im letzten Video zum Beispiel verwendest du eine Vocal-Spur einer Reportage über die Geschichte einer kriminellen 14-Jährigen. Woher kommt die Faszination dafür, genau das zu verfilmen?

Ich wurde inspiriert von vielen Videos, die in diese Richtung gehen. Außerdem bin ich sehr Hip-Hop-affin, auch Straßenrap-affin. Das urbane Bild hat sich seit meiner Jugend klar abgezeichnet. Ich habe selber mal versucht, zu rappen und habe mich einfach immer von Hip-Hop hingezogen gefühlt. Mich haben schon immer eher die Ecken interessiert, an die man nicht als erstes geht und die man nicht unbedingt in irgendeinem glossy Reisemagazin einer Stadt findet. Das hat mich immer mehr gecatched als das Kurhaus in Wiesbaden (lacht). 

Glaubst du, dass die Romantisierung der Straße, gerade auch gefüttert durch Straßenrap, auch problematisch sein kann? Es wird damit teilweise auch verherrlicht, was auf der Straße passiert und ausgeblendet, dass das die Lebensrealität viel zu vieler Menschen ist. 

Es ist überhaupt nicht cool. Ich versuche, das eher aufklärend zu sehen und als Möglichkeit, vielen Menschen zu zeigen, was es alles gibt. Natürlich ist das vielen Menschen bewusst, aber viele verschließen sich davor auch. Das Problem in der Musik ist, dass sich Künstler entweder nicht klar aussprechen oder man sich ausschließlich die Musik anhört und wenig mit der Person beschäftigt. Wenn man sich länger mit Hip-Hop beschäftigt, versteht man vielleicht auch eher, dass sich viele Künstler damit nicht glorifizieren wollen, sondern eher aufklären und wachrütteln möchten. Vielleicht könnte man auch auf Seiten der Schule mit aufklären. Wir leben in einer Zeit, in der Hip-Hop den Zeitgeist der Jugend vorgibt und vielleicht kann man auch in dem Rahmen aufzeigen, dass das teilweise einfach ein Business ist und nicht zwingend, oder nicht mehr, die Lebensrealität der Künstler. Man könnte auch Künstler, Labels und so weiter einladen. Es gibt bestimmt genug Rapper und Rapperinnen, die das nur machen, um in irgendeiner Form cool zu sein, aber ich glaube nicht, dass das den Großteil betrifft. Das sollte auch nicht der Ansporn sein, Kunst zu machen. 

Glaubst du, dass Kunst eine gute Möglichkeit ist, auf ästhetische Art und Weise verschiedene Schichten der Gesellschaft näher zusammen zu bringen?

Ja, aber jeder hat seinen eigenen Geschmack und sein eigenes kreatives Auge. Kunst kann sicher helfen, aber ich glaube nicht, dass das der einzige Aspekt ist, der Leute zusammenbringt. Ich glaube, Sport ist da nochmal krasser, um Kulturen und Menschen zusammen zu bringen. 

Was ist denn dein Bezug zu Kunst und Kultur ganz allgemein?

Ich studiere Kunst (lacht). Also freie Kunst. Davor hatte ich wenig Berührungspunkte mit Kunst. Ich habe eine Ausbildung als Mediengestalter gemacht, das ist aber wenig frei und kreativ. Ich habe gesprüht, aber das war für mich auch weniger mit Kunstaspekt, es hat einfach Spaß gemacht. Dann kam das Studium und ich habe mich angefangen richtig damit auseinanderzusetzen, mit verschiedenen Kunstformen und Künstlern. Es gibt so viel, was interessant ist und ich mir auf YouTube oder Netflix reinziehe. Es gibt eine Dokumentation auf Netflix, „Abstrakt“ heißt die, davon gibt es sehr gute Folgen. Olafur Eliasson (@studioolafureliasson), krasser Typ. Der macht sehr krasse Sachen. Das hat alles weniger mit dem Studium zu tun, das waren aber die ersten Ausfühler gewesen, die ich mir zu Gemüte geführt habe. Ich merke aber auch in der Uni, dass ich noch einiges nachzuholen habe, an Wissen darüber. Du brauchst es nicht als Künstler, aber es ist schon hilfreich, einen theoretischen Hintergrund zu haben. 

Du bist gebürtiger Wiesbadener, lebst auch immer noch hier und bist vor allem sehr glücklich hier. Viele Kunstschaffende zieht es in Großstädte wie Berlin. Was hält dich hier?

Ich habe hier alles, was ich brauche. Ich habe hier meine Freunde, meinen engsten Kreis und ich bin sehr froh, dass hier alles fußläufig ist. Man muss nicht ständig mit Bus und Bahn rumfahren. Ich sehe es nicht wirklich für nötig in eine andere Stadt zu ziehen. Ich würde gerne viel mehr reisen und die Zeit in anderen Städten  verbringen, aber mein Standort ist einfach hier. 

Foto Credits: Philipp Nguyen

Inspirationen mit hier hernehmen ist auch gut. 

Ja genau! Ich habe hier einfach alles, was ich brauche, um es kurzzufassen. 

Wie empfindest du denn die Kunst- und Kulturszene im Rhein-Main-Gebiet?

Wird schon besser! Richtung Frankfurt und Offenbach passiert sehr viel, was ich natürlich auch durch die Uni mitbekomme. Wiesbaden hängt schon noch hinterher. Generell würde ich sagen, dass Frankfurt sehr viel zu bieten hat. Allein das Museumsufer. In Wiesbaden gab es in letzter Zeit auch viele gute Ausstellungen. Es passieren immer wieder Sachen, aber leider habe ich das Gefühl, dass man in Wiesbaden zu wenig davon mitbekommt. Es findet immer in kleinen Kreisen statt.

Ja, das stimmt. Man bekommt das oft mit, weil man sich in eben den Kreisen aufhält. Es ist schon sehr Bubble-intern. Ich glaube, es ist wichtig, dass das präsenter wird. Das ist auch eines unserer Ziele mit dem Magazin. 

Ja genau, das muss einfach mehr in die Masse gebracht werden. Und noch eine Sache: In Wiesbaden muss mehr getan und genutzt werden, was öffentlichen Leerstand betrifft. Es gibt so viele kleine leerstehende Läden, die man jetzt temporär für Pop-up Stores nutzen könnte, bis eben neue Mieter drin sind. Das heißt nicht, dass tausende Galerien errichtet werden müssen, es geht darum, das zu nutzen was gerade geht. Es gibt so viel Potenzial in Wiesbaden, aber die Leute, beziehungsweise Entscheider, stellen sich da leider noch etwas quer. Ein gutes Beispiel ist die Biennale, die vor ein paar Jahren in Wiesbaden war. Das war unter anderem in der City Passage, aber auch in vielen kleinen Galerien und Stores. Das ging eine Woche lang und da war Wiesbaden komplett im Ausnahmezustand, hatte ich das Gefühl. Das ist das perfekte Beispiel, was man aus Wiesbaden machen könnte. 

Wir haben bereits unterschiedliche Kunstformen angeschnitten, aber welche Form von Kunst begeistert dich denn außerhalb von Film am meisten? Kannst du in dem Bereich Künstler:innen empfehlen?

Ich bin in letzter Zeit großer Fan von Architektur, vor allem was alte Plattenbauten angeht. Ostmoderne nennt man das ja. Ich schaue mir viele Videos dazu an und Fotos von Fotografen und Architekten. Es gibt einen Fotografen auf Instagram, den ich diesbezüglich sehr empfehlen kann. Der ist auch Architekt und Autor und dokumentiert die ostmoderne und baubezogene Kunst aus der DDR. Martin Maleschka (@martinmaleschka) heißt er. Ein Freund von mir, Luis Kirche (@luiskirche12), macht sehr coole Zeichnungen und hat ein sehr kreatives Mindset. Er ist noch jung, aber in ihm sehe ich auf jeden Fall Potenzial, dass er mal ein großer Grafiker wird. Zwei weitere Empfehlungen wären Daniel Edvon (@daniel.edvon) und Konstantin Kipfmüller (@k.fuerchtegott). Das sind beides krasse Maler. 

Danke für die vielen Empfehlungen, werde ich auschecken. Was wünschst du dir denn für deine Zukunft und die der Kunst- und Kulturszene hier?

Einfach mehr in Wiesbaden, mehr öffentliche Räume, egal ob temporär oder auf lange Zeit. Mehr nach außen tragen was passiert und dass die Leute offener werden. Es wäre cool, wenn Veranstaltungen dann auch mal länger als 22 Uhr gehen würden, ohne dass gleich die Stadtpolizei kommt (lacht). Für mich wünsche ich mir, dass ich mich in dem ganzen Video-Ding weiter beweisen kann, genauso wie in meinem Studium. Ich will mich einfach weiter professionalisieren und damit auch im besten Fall mein Geld verdienen. Das Ganze sollte aber bedacht sein und mit viel Zeit. Ich mache mir da keinen Stress. 

Eine Frage, die andere Kunst- und Kulturschaffende interessiert, in dem Fall die Initiative „CatCalls of Wiesbaden“: Mit welcher Person, egal ob tot oder lebendig, würdest du gerne zusammen Abendessen?

Puh (lacht)! Günther Jauch! Ich habe früher gerne „Wer wird Millionär?“ geschaut. Mit Günther Jauch einen Jibbi fetzen (lacht). 

Ihr findet Lenny auf Instagram unter @lennywestend

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