Wer still steht, der stirbt

Interview mit muvin records im muvin Studio in der Mainzer Altstadt

Fotos:
Philipp Nguyen
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Ich hatte das wunderbare Vergnügen, mit muvin records abzuhängen und mit ihnen, vor ihrer eigenen Soli-Party, ein Interview zu führen. Bei Bier und dem ein oder anderen Glas Sekt, im äußerst professionellen muvin Tonstudio/Headquarter, sprachen wir über ihr Projekt, wer sie sind, was sie antreibt, wie alles anfing und sehr vieles mehr. 

Das Wiesbadener House Kollektiv, welches in Mainz ansässig ist, besteht aus Jonathan Spencer (Musik), Hamit Darvish (Musik), Joyce Abrahams (Illustrationen) und Wolfgang „Wolfi“ Holz (Typo) und entstand im Jahr 2017, auch wenn sich die Beteiligten schon viele Jahre länger kennen. Der Fokus liegt dabei auf guten House-Partys, doch auch selbst produzierte Musik kommt aus dem Hause muvin. Ich befinde mich während des Interviews in einer Wohnung in der Mainzer Altstadt. Neben dem atemberaubenden Studio, in welchem wir das Gespräch führen, verfügt die Wohnung über ein Schaufensterzimmer. In diesem Zimmer betreibt Jonathan gerne seinen kleinen Secondhand-Shop und auch kleinere Tanzveranstaltungen fanden dort schon statt. Was jedoch die Vorstellung und den Entstehungsprozess des Kollektivs angeht, würde ich das Wort gerne an die Schöpfer:innen selbst abgeben:          

Foto Credit: Philipp Nguyen

Stellt euch doch mal vor; wer seid ihr denn, was tut ihr denn und woher kommt ihr? 

Jonathan: Ehhhhhhhhhm (lacht). Ja, eigentlich sind wir echt nur ne Viererbande, mit der Joyce und Wolfi und Hamit, des sind so die fixen Bestandteile. Ich bin der Jonathan. 

Erzähl mal bisschen von dir, wo kommst du denn her, was machst du so?

Jonathan: Ich komm aus Wiesbaden tatsächlich, gebürtig. Meine Familie ist da auch noch. Ich wohn jetzt seit 12 Jahren hier in Mainz, bin Tontechniker und Toningenieur beim SWR/ZDF und bald auch beim WDR (…) das war, als ich mit Anfang 20 studiert hab, nur ein Traum so, ich hätte nie gedacht, dass ich mal in dem Job Fuß fasse und dass es echt Realität wird. Ich weiß auch noch, wie ich ausgelacht wurde, dass ich halt kein Wirtschaftsingenieurwesen studier’ oder so n Scheiß, keine Ahnung. 

Was genau hast du studiert? 

Jonathan: (lacht) Abgebrochene Studiengänge waren Wirtschaftsingenieurwesen und Medientechnik und am Ende hab ich tatsächlich Music Technology studiert, das ist an der SAE (…) und genau, das war so der Startschuss und ich bin dann eigentlich relativ schnell auch in das Berufsleben gerutscht, aber auch nur durch Zufälle. Ich hab mir auch nach dem Abschluss gedacht: „Das ist voll kompliziert und es gibt ja kaum noch professionelle Tonstudios und die alten Säcke, die da sitzen, die kriegst du auch nicht mehr aus ihren Stühlen.“, aber es lief doch echt erstaunlich gut. 

Und ich hab jetzt parallel so das Tonstudio aufgebaut. (…) Also ich bin n Tonmensch, durch und durch.   

Hamit? 

Hamit: Ich, ich bin der Hamit. Ich bin auch gebürtiger Wiesbadener (…), ich hab sehr viel probiert in meinem Leben, nie was gefunden, was mir gefallen hat, deswegen war das so n leichter Struggle mein Leben lang, bis jetzt. Ich hab mittlerweile nen Vollzeitjob (lacht) und arbeite in der Logistik, aber die Musik war halt immer da. 2008 hab ich angefangen, elektronische Musik zu machen und hab dann den Jonathan, nachdem wir uns aus den Augen verloren hatten, irgendwann auf ner Veranstaltung in Biebrich getroffen und es hat ihn halt wahrscheinlich gecatcht, keine Ahnung. Es ist auch schon jetzt zehn Jahre her, da haben wir angefangen, Musik zu machen, also kurz darauf; und es ist sehr viel passiert, wir haben sehr viel gemacht, was keiner weiß, also sehr viel ist nicht veröffentlicht (Jonathan wirft „Terrabytes“ ein).

Und Wolfi, wie sieht’s bei dir aus? 

Wolfi: Ich bin Wolfgang/Wolfi, ich bin 33 Jahre alt und ich bin von Beruf Schreiner, ich war mal Student, aber das hat nicht geklappt und jetzt bin ich Arbeiter (lacht), ja. Ich hab mit Sound gar nicht so viel zu tun, sondern halt eher mit Schriften irgendwie und ja, deswegen wars halt, weil ich mit den beiden sehr, sehr gut befreundet bin, auch seit 20 Jahren fast (Jonathan wirft „Hä, du bist mein bester Freund“ ein), sodass ich halt die Schriften für alles, was irgendwie nötig ist, mache. (…) Ich design gar nichts, ich kritzel nur n bisschen rum und, keine Ahnung, für unsere muvin-Geschichte mach ich halt was, aber ansonsten mach ich eigentlich für niemanden was. 

Und Joyce?

Joyce: Ich arbeite bei der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, das ist mein Hauptberuf, da bin ich Grafikerin und mach alles Mögliche, was so anfällt, Foto/ Film/ Technik/ Plakate pipapo und ehm, weils mir sehr eintönig ist, mache ich gerne für Freunde, Bekannte und die, die sich sonst melden, alles Mögliche: Plattencover, Plakate, Flyer, Logos nicht so gerne, aber mach ich
(Ktr. a. d. Rdk.: Lustigerweise hatte Joyce damals das ursprüngliche Logo des Einerseits Magazin designed, lange vor unserem Re-Launch) und Visitenkarten und so Kram, das find ich halt super, wenn ichs mit meinen eigenen Skizzen noch am besten machen kann und ansonsten so mal bisschen freier gestalte. Meinen Bruder bei der Centralstation unterstütz ich da auch.   

  

Die Mitglieder erzählen mir, dass sie alle etwa Anfang 30 seien und sich teilweise schon seit der Schulzeit kennen würden. Auch vom Schulschwänzen in jungen Jahren, Kippen auf dem Pausenhof, Joints im Kurpark und dem Dernschen Gelände als ehemaligem Meeting-Place ist die Rede. Sie hätten bereits eine wahnsinnig lange und intensive Geschichte miteinander und machen den Anschein, unzertrennlich zu sein. Verbinden würde sie, neben dem geteilten Humor und einem ähnlichen, fast schon gleichen Denkverhalten, vor allem die Liebe zu dem, was sich außerhalb der Norm abspielt und natürlich auch die Liebe zur Musik. Nachdem ich mehr über die Menschen hinter muvin erfahren habe, möchte ich wissen, was genau muvin ist und wie es zu all dem kam.

Wie darf ich mir denn muvin vorstellen, was ist euer Konzept?

Jonathan: Ein Haufen Clowns (lacht). Der Witz war, es gab nie ein Konzept, des war einfach machen, bevor man denkt. Wir wollten alles gleichzeitig machen und am besten alles direkt. 

Hamit: Wir wollten n Kollektiv gründen, wo jeder sich einbringen kann, es waren halt auch zwei-drei mehr Leute dabei, die jetzt nicht da sind, die dann ausgestiegen sind. Wir wollten einen Verein gründen, wir wollten Kunstausstellungen machen, wir wollten Workshops anbieten, z. B. DJ-Workshops. Nicht nur Veranstaltungen, sondern kulturell aktiv sein. Also zurzeit ist muvin „nur“ ein Musiklabel. Wir haben auch ein Sub-Label, vielleicht sollte man das hier auch erwähnen, tru heißt das, da haben wir auch schon ne Veröffentlichung von Jean Louis. Genau, das ist muvin jetzt, aber was wir vorhaben, ist noch auf jeden Fall größer. 

Jonathan: Im Grunde ist es einfach ein Bündnis von Freunden. Also du hast jetzt nach dem Kern gefragt, klar da sind noch ganz viele Akteure drum herum, aber eigentlich is es, früher hat man gesagt, ne Clique (lacht). Wir sind einfach n Freundeskreis und der Name war immer Gesprächsthema. Die erste Party war damals noch mit dem Samuel Kedzia und mit’m Paul Massow (…) und da gabs dann irgendwann diese Geburtstagsparty, weil ich und der Paul haben am gleichen Tag Geburtstag, da war das selbstverständlich, dass wir zusammen feiern. 

Hamit: Veranstaltungen wollten wir schon immer machen, wir wollten halt durchstarten, unser eigenes Ding machen und da war die nächstbeste Möglichkeit die Party in der Krea, weil wir haben vor muvin auch schon aufgelegt und wir wollten dann ne neue Veranstaltungsreihe machen und haben die dann muvin genannt. Der Geburtstag war dann glaub die erste Möglichkeit, eine Party unter dem Namen zu machen. 

Jonathan: Es war auch schon immer der Wunsch da, es einfach selber zu machen. Es macht ja keiner für dich, wenn du's nicht selber machst, so ist es halt. 

Foto Credit: Philipp Nguyen

Wie kamt ihr zu dem Namen?

Jonathan: Ja, das war Brainstorming, ewig, ewig lange Listen; die hab ich auch noch irgendwo, die kann ich dir auch gerne mal noch raussuchen. Da waren auch paar geile andere Namen dabei und muvin war dann einfach… plump, ich fands am Anfang plump, weil es ist so…

Hamit: Das war glaub auch einer der ersten Namen, relativ am Anfang, oder? Wir haben uns dann deshalb entschieden, weil es am meisten Sinn gemacht hat, weil wir nach vorne gehen wollen, wir wollen was bewegen, wir wollen Leute bewegen, wir wollen Leute zum Tanzen bringen, so nach dem Motto war das halt gedacht. 

Jonathan: Des ist halt, wie gesagt, Bewegung, einfach allgemein, Veränderungen gehören dazu und das war halt das Ding (…) ist auch der Graffiti-Szene geschuldet, es ist einfach n geiler Schriftzug, du kannst m-u-v-i-n durchziehen, nen One-Liner machen und wir kommen da auch alle n bisschen aus der Graffiti-Szene (lacht). 

Wolfi: Es geht auch um mehr als Tanzen, weil das muvin ist einfach irgendwie Bewegung, das Leben, also alles ist in Bewegung, weißt du? 

Jonathan: Ja, wer still steht, der stirbt. 

Und wie kam es bei euch ganz ursprünglich zur Musik? 

Hamit: Angefangen hab ich durch meinen Bruder, glaub ich. Also ich hab nen älteren Bruder, der jetzt 40 ist. Als ich jung war, hat er angefangen, in Wiesbaden und dem Rhein-Main-Gebiet, feiern zu gehen und ich hab das natürlich mitbekommen. Ich selbst hatte erstmal ne Hip-Hop-Phase gehabt, dann ne Metalphase, Punk, weil ich skaten war, aber mit 18 hat’s angefangen mit dem Elektronischen, als ich alt genug war, würd ich jetzt mal sagen. Da wollte ich dann auch alles gleichzeitig machen: Ich wollte auflegen, ich wollte selber Beats machen und ja. 

Und bei dir Jonathan, wann hat denn dein Interesse dafür begonnen?

Jonathan: Ich war auch echt Hip-Hop-affin, bis in die späte Pubertät. Wolfi wird sich noch erinnern, wie wir Tupac rauf und runter gehört haben (lacht). Das war der Witz, elektronische Musik ging mir gar nicht rein, früher, ich habs einfach nicht verstanden. 

Hamit: Und dann kam Aphex Twin (alle lachen). 

Jonathan: Das ist der Witz, Aphex Twin war mein Einstieg 2008 über n sehr guten Freund, den Arash, den ich auch zur Familie zähle würde (…) der hat auch morgen Geburtstag und kommt heute Abend. Auf jeden Fall, er hatte nen Freund, den Arman Behdad und der hat uns allen damals die gecrackte Reason 4 Version gegeben. Da fings dann an, dass ich Musik gemacht hab. Das war so mit 16/17; ich hab tatsächlich die alten Beats noch. Mit dem Auflegen hab ich dann durch’n Hamit angefangen. Ich hab sonst bei unseren ersten Gigs auch immer live gespielt, hab meine Grooveboxen und so mitgenommen. Auflegen war gar nicht mein Ding, ich dachte mir ganz oft bei der Musik: „Das kriegst du doch acht mal besser hin“, weil das für mich so das Ding war: Du stehst da und spielst Musik von anderen, „Ich spiel meine eigene Musik“ war immer so das Ding. Ist schade, weil das in den letzten Jahren immer mehr nur Auflegen wurde, ist auch einfach ne Bequemlichkeitssache. Wir haben sogar früher immer zusammen live gespielt, also wir haben beide Musik gemacht. (Hamit im Hintergrund: Ich mit meinem Laptop) wir haben uns getroffen, haben uns gesynct...

Hamit: Nein, wir haben uns nicht mal gesynct, wir haben einfach von drei runter gezählt und gleichzeitig Play gedrückt (lacht, mit nostalgischen Augen). 

Jonathan: Nein echt, das war damals... das war zum ersten Mal so, hatte ich das Gefühl, wie ne Band. Gänsehautmomente, das war so wow. Da haben wir uns halt getroffen und ey, 2012-2015 haben wir das echt wöchentlich gemacht. Das war echt ne magische Zeit. Das vermiss ich auch so’n bisschen, weil wir jetzt alle erwachsen geworden sind und das so mit den Jobs auch einfach zeitlich gar nicht mehr möglich ist. Aber das war damals ne Magie, wo ich zum ersten Mal so dieses Band Feeling hatte, keine Ahnung so, das war krass. 

Hamit: Das haben wir auch ein bisschen so dem Achim Saufhaus zu verdanken. Das ist auch‘n alter Hase aus Wiesbaden, der mittlerweile in der Schweiz wohnt, der hat uns sehr viel gezeigt und sehr viel ermöglicht. Wir hatten nen Proberaum, sag ich mal, in der Wartburg, auf jeden Fall hat er halt im Theater gespielt und die hatten da so Räumlichkeiten, wo wir einfach jammen konnten. Er hat uns die ersten Plattenspieler zur Verfügung gestellt und den dürfen wir auch nicht vergessen. 

Wolfi: Wir hatten auf jeden Fall auch zeitweise so nen gemeinsamen Kreativ-Flow, dass die beiden Musik gemacht haben und ich dann meine Mal-Sessions gemacht habe. Das war einfach so n gemeinsames Ausleben davon.   

Hamit, du hast zuerst mit dem Produzieren angefangen und dann mit dem Auflegen?

Hamit: Ich hab erstmal mit Fruity Loops Hip-Hop-Beats gemacht, bevor ich zum Elektronischen bin. Das mit dem Auflegen hat erst angefangen, genau irgendwann, als ich dann durch meinen Bruder gesehen hab, wie er aufgelegt hat, also ich hab seine alten Platten bekommen. Dann hab ich irgendwann versucht aufzulegen, erstmal digital, ich habs nicht geschafft, Platten anzupassen, so. Hab da so n Traktor DJ-Controller gehabt, wo ich dann auf „Sync“ gedrückt hab, das hat voll Bock gemacht (lacht). Also erstmal amateurhaft, aber irgendwann bin ich auf Platten rüber, bis heute macht mir das nicht anders Spaß, mit Platten machts am meisten Spaß.     

Jonathan: Ich weiß auch noch, wo der Achim uns die Plattenspieler gegeben hat und die oben bei mir standen, ich kam gar nicht drauf klar. Der Hamit hat mir das dann auch nahe gebracht, ne. Ich kann mich auch noch erinnern, er hat gesagt: „Hör auf die Clap“ (lacht). 

Hamit: Der Witz ist halt wirklich, man kanns jemandem beibringen oder sagen wies funktioniert, aber er selbst muss es trainieren, man muss das Gehör trainieren. Man kann nicht direkt Mixen lernen, mindestens n halbes Jahr oder paar Monate, manche könnens schneller, bei machen dauerts n Jahr, aber du musst dein Gehör trainieren, dann weißt du, was schneller und langsamer ist, das geht dann irgendwann.   

Foto Credit: Philipp Nguyen

Habt ihr denn ein großes Ziel und wenn ja, wie wollt ihr es erreichen? 

Hamit: Also unser Ziel ist immer noch, Partys zu machen, halt für Leute da zu sein. Uns selbst zu entfalten mit unserer Musik und halt einfach zu leben und Spaß zu haben. Ein ganz großes Ziel, wie jetzt auf Ibiza zu spielen oder so, war jetzt noch nie drin, bei mir so. Also ich habs von vorneherein für mich selbst bzw. uns selbst getan. 

Jonathan: Großes Ziel isses, dass wirs nächsten Monat mal gebacken bekommen, zusammen in den Urlaub zu fahren. Es läuft ganz gut, man kann sich da noch mehr reinhängen, ne Website machen und so weiter... Es war einfach immer, dass wir alle uns sehen und ne gute Zeit haben, natürlich ist es immer schön, wenn fremde Leute kommen oder halt Leute, die man nicht kennt, aber im Grunde genommen wollten wir immer ne schöne Zeit haben, glaub ich.  

Eine sehr lange Freundschaft und schon sehr früh entfachte Liebe zur Musik: Der Entstehungs- und Entwicklungsprozess der beiden (Hamit und Jonathan) hat schon fast romantische Züge. Ich denke, jeder und jede kann etwas finden, was ihn oder sie so antreibt und über Jahre am Laufen hält wie diese Menschen; auch beweisen sie, dass es auf Umwegen und oft auch erst nach vielen Jahren passieren kann. Aber auch Interessen außerhalb der Musik treiben diese Menschen an. Wolfi habe beispielsweise eine Affinität für Graffiti-Kunst (auf Papier!) und Joyce würde für ihr Leben gerne gärtnern, bouldern und wandern. Hamit steht auf Videospiele und Skaten, Jonathan möge es zu lesen, Stunden auf Audiogear-Websites zu verbringen und auch mal längere Fahrradtouren zu machen.    

Wie zudem auch zu erkennen ist, haben sie sehr viel vor und wollen mit ihrem künstlerischen Schaffen auch kulturell und gesellschaftlich etwas bewirken. So schmissen sie am Abend des Interviewtages noch eine Soli-Party in der Kreativfabrik, bei welcher alle Erlöse gesammelt und an eine wohltätige Organisation gespendet wurden. Auch eine recht neue Veröffentlichung hatten und haben sie zu feiern und zwar die „SATT EP“.

Bild Credits: Joyce Abrahams

Ihr habt ja vor Kurzem die SATT EP mit vier Tracks veröffentlicht. Die EP ist zugleich euer erster Vinyl-Release. Seid ihr zufrieden mit dem Ergebnis und der Resonanz; hättet ihr euch etwas anders gewünscht?     

Hamit: Also ich bin vollkommen zufrieden, auf jeden Fall. Für unsere erste Platte, wir haben, wie gesagt, sehr viele Tracks im Repertoire gehabt, nur haben wir an diesen Tracks sehr gehangen und haben auch sehr viel dran gearbeitet. Letztendlich haben wir uns dann entschieden, diese Tracks zu nehmen... Also ich bin super zufrieden, auf jeden Fall. Du Jojo? 

Jonathan: (Lacht) Ja, ich find es is’n bisschen blöd gelaufen, weil wir den einen Track tauschen mussten. Den mussten wir tauschen, weil es da Copyright Issues gab... Anderes Interview (lacht). 

Ist für diesen Release noch irgendwas Konkretes geplant oder für die nähere Zukunft, wollt ihr ‘ne Release Party machen oder so?

Hamit: Genau. Wir haben heute eine Release-Party in der Kreativfabrik in Wiesbaden. Wir hatten vorher schon privat ne kleine Runde gehabt, wo wir ne kleine Feier hatten, wo wirs unter uns zelebriert hatten.

Jonathan: Das heute ist die Soli-Party. Die Release-Party wird noch kommen. Wir sind da gerade im Adamstal was am planen und ansonsten waren Silbergold und Heaven so die Stationen. 

Hamit: Also da wird auf jeden Fall noch mehr kommen!  

Habt ihr denn noch visuelle Sachen geplant?

Hamit: Jetzt konkret, Video war schon in Planung, wir wollten nen Teaser machen für die Release-Party sogar, aber das kam leider nicht zustande. In die Richtung wollen wir aber auf jeden Fall was machen. An Musikvideos haben wir auch schon gedacht. 

Wie war denn der Entstehungsprozess der EP? Standen die Tracks schon lange vorher oder wurden sie für die EP produziert?

Hamit: Ne, also wir haben die Tracks, wir hatten die schon im Repertoire gehabt, wir haben 1-2 neue gemacht, bei denen wir uns dann entschieden hatten, dass sie auf die Platte kommen. Wie Jojo schon gesagt hat, mussten wir leider einen Track austauschen, da war ein anderer geplant, aber das ging aus rechtlichen Gründen nicht. Da musst’ dann halt n anderer Track her, da haben wir ja Glück, dass wir so viele im Repertoire haben. 

Jonathan: Wenn du noch einmal Repertoire sagst... (lacht). Mein Track stand, glaub ich, schon so 2017, der eine. (Hamit im Hintergrund: Der hieß sogar „Satt“, das war dann auch die Idee, die EP so zu nennen), wir hatten das schon 2019/2020 geplant, das hat sich dann halt alles verzögert, wegen dem Neuschnitt und dem Mastering, was wir dann extern gemacht haben und dem Corona, dass dann teilweise die Presswerke zu gemacht haben. Deshalb hat der Prozess ewig gedauert. Also so zwei Jahre summa summarum.  

Foto Credit: Philipp Nguyen

Mal abgesehen von der EP, wie gestaltet sich denn euer Workflow, wenn ihr Musik macht und wie lange braucht ihr für gewöhnlich, um etwas fertigzustellen? 

Jonathan: Ja, also, wenn man so nen Musikuss hat, sag ich mal, dann geht das ganz schnell. Das kann echt schon sein, dass man am Abend dann die Skizze fertig hat und dann kann ich den lange nicht mehr hören, weils mir dann einfach aufn Sack geht (lacht). Deshalb liegen die bei mir relativ lange, bis ich mich da wieder ran traue und neue Ideen hab, aber so Skizzen, da haben wir schon zwei-drei an nem Abend gemacht, das geht relativ fix, wenn man da Bock drauf hat. Ich fang eigentlich mit den Chords an und wenn ich dann noch ne Melodie habe, die mich halt catcht, dann geh ich an die Drums ran und dann strikt die Kick, die Snare, die Hat, das Gefrickel und die ganzen Feinheiten kommen dann ganz am Ende. 

Hamit: Meistens versuch ich auch was Angefangenes zu Ende zu bringen, weil man die Tracks auch irgendwann nicht mehr hören kann, wenn man sich so oft dran hockt, deshalb versuch ich, Tracks immer in einem Durchgang „im Tunnel“ zu machen. Eigentlich fängts bei mir mit den Drums an, dann guck ich so „da passt vielleicht ne Melodie rein“ oder so, ich experimentier sehr viel. Jonathan macht meistens eigentlich nur alles analog und ich hab nur Maus, Keyboard. Tastatur, Ableton mit Kopfhörern, das ist so, wie ich daheim arbeite, genau. 

Ab wann ist denn was fertig?

Jonathan: Die sind nie fertig für mich. Das war auch das Ding mit der Platte, bei den Tracks hab ich meiner Meinung nach immer noch Verbesserungsvorschläge, ich glaub, das hört auch nie auf. 

Hamit: Ja, es ist schwer zu sagen, wann was fertig ist. Wenn man selbst irgendwas macht, dann ist es schwer zu sagen, wann der Track fertig sein soll, weil da immer wieder Platz ist für irgendwas anderes oder für den Sound, aber irgendwann macht man halt doch n Cut und sagt „Ja, der isses, der groovt“.    

Wer sorgt dann bei euch am Ende dafür, dass das alles gut klingt? 

Hamit: Das ist Jonathans Werk, der Tonmeister natürlich (lacht). 

Jonathan: (lacht) Ich mach das Mixing und Mastering, ja. Unsere erste Platte hab ich aber zum Fremdmastern gebracht, an das erste Vinyl-Master hab ich mich dann doch nicht getraut. Der Witz war aber, dass ich durch den Tausch des einen Tracks doch ein Master gemacht habe und er klingt gar nicht schlimm.

So sollte jetzt verständlich sein, was diese Menschen antreibt und wie die Rollen innerhalb des Projekts muvin verteilt und was die Ambitionen sind. Als ich sie frage, wie es sich anfühlt, vor einer Crowd zu stehen, mit dem Wissen, dass all das ohne einen selbst nicht passieren würde, entgegnen sie mir, dass es einfach mega Bock mache, Menschen zu sehen, die ihre Partys genießen, obgleich sowohl Jonathan als auch Hamit nie in die Crowd, sondern immer nur auf die Decks schauen würden. Auch das Tanzen, Schreien, Pfeifen, Singen und Rauchen in der Menge würden sie besonders fühlen. Als Partygast fänden sie besonders bunte Partys gut, in welchen nicht alles abgedunkelt ist und alle „wie Zombies dastehen“, primär entscheide jedoch die Musik. 

Als Veranstalter seies besonders schön, viele Gäste zu sehen und auch neue Gesichter zu entdecken, die Spaß an der Sache haben und gute Laune mitbringen. 

Party-Bummer seien für sie vor allem Getränke auf dem Mischpult und Liedwünsche gingen leider immer ins Leere, da sie auf ihre Platten limitiert seien. 

Auch Phasen, in denen sie Partys weniger fühlen, gehörten dazu. So würden sie sich mittlerweile eigentlich hauptsächlich auf ihren eigenen Partys oder im kleineren Rahmen bei Freund:innen aufhalten. Früher wäre das anders gewesen, doch auch würde das Älterwerden da einfach ne Rolle spielen.

Natürlich musste leider auch das unangenehme Lieblingsthema der letzten zwei Jahre zur Sprache kommen, wie soll es im Eventbereich anders sein… Allerdings betonte Hamit sehr stark, dass obgleich einige Ideen, wie die Vereinsgründung und eine Etablierung als Kollektiv, aufgrund von Corona auf Eis gelegt werden mussten, die Krise auch gute Dinge zur Folge hatte. So seienin der Pandemiezeit bei ihm mehr Songs als jemals zuvor entstanden. Auch Jonathan hat Gutes zu berichten, denn in der Zeit der vielen Lockdowns, des Hin-und-Hers und der Eventausfälle habe er das muvin Tonstudio aufgebaut, welches mittlerweile Equipment im Wert von rund 50.000€ beherbergt, welches größtenteils kaputt gekauft und selbstständig aufpoliert worden sei. 

Die Krise hatte für muvin also nicht nur schlechte Folgen, oder sie haben einfach das Beste daraus gemacht. 

Neben Partys und Musik interessieren mich jedoch auch persönliche Themen:        

Gibt es Dinge oder Themen, die euch besonders belasten? 

Hamit: Ja, es gibt vieles, was mir Angst macht, wie z. B. der Krieg, der vielleicht kommt, doch ich blende es geschickt aus und lenke mich ab mit Arbeit und mit meinen Hobbys und versuch, nicht an das Schlimme zu denken, also es gibt vieles, was mir Angst macht; aber ich versuch da immer nen Cut zu machen und zu leben, denn wir leben nicht lang auf dieser Welt. 

Jonathan: Fuckt vieles ab, so die letzten drei Jahre... Da sind Sachen passiert, da hätte ich gedacht, das wird nie im Leben passieren, keine Ahnung, nie damit gerechnet. Hätte es dir auch nicht geglaubt, hättest du mir das erzählt und gesagt, du kommst aus der Zukunft, ich hätt dich vermöbelt (lacht). Es sind schon abgefuckte Zeiten auf jeden Fall, das wird mir immer klarer. Inflation, Krieg, was weiß ich.. Die Eltern werden älter… 

Hamit: Das ist die größte Angst, glaub ich.

Wie geht ihr mit Tiefs im Leben um und wie handelt ihr Niederschläge in der Musik?

Hamit: Also ich seh das alles entspannt, eigentlich. Ich mach mir da nicht so n großen Kopf. Wenn ich mal n Tief hab, dann weiß ich, dass es irgendwann auch wieder hochgeht. Gibs halt nicht auf und sehs entspannt. 

Jonathan: Einfach machen. Wenn man in so Grübelkreise kommt, das hilft nichts, man muss einfach am Ball bleiben und sich aus dem Loch halt wieder rausholen. Das macht kein anderer für dich, das musst du selber machen. Das hat mir immer geholfen, auch wenns nur Tagesziele sind, mich morgens einfach hinzusetzen, beim Kaffee und mir einfach paar Dinge vorzunehmen für den Tag, die durchzuziehen und am Abend sieht die Welt meistens anders aus. 

Gab es Zeiten, in denen ihr so richtig an der ganzen Sache mit der Musik gezweifelt habt und euch gedacht habt, es lieber sein zu lassen? 

Hamit: Nie. Also ich nicht, ich hab das immer so, klingt jetzt dumm, aber so nebensächlich gesehen. Das würd gar nicht infrage kommen, es ist ja immer da, warum soll ichs aufgeben, wenns immer da ist? 

Jonathan: Ganz oft (lacht), weil ich damit ja auch mein Geld verdienen wollte, ich habs immer auch mit so nem finanziellen Aspekt gesehen. Es ist kein Umsatz und kein Geld in irgendeiner Form, von dem du da leben kannst. Dass ich da Fuß gefasst hab, das war jetzt auch nicht mein Traum-Arbeitgeber, aber es ist schön, dass es mit dem Gesamtkonstrukt Ton was zu tun hat.

Jetzt vielleicht etwas oberflächlicher, ich hätte gerne – wenn ihr wollt – von euch allen jeweils Antworten. 

Was ist euer Lieblingssnack, -drink und -track? 

Hamit: Kartoffelchips mit Joghurt / Wasser / France Gall – Ella, Elle l’a. 

Jonathan: Tiefgekühlte Kinder®-Produkte / kühles Helles / Whitney Houston – I will Always Love You.

Was macht euch happy?

Hamit: Gutes Essen. 

Jonathan: Schlaf. 

Joyce: Bouldern/Klettern.

Wolfi: Apfelwein. 

Wer ist eure größte Inspiration und wenn ihr mit einem:r Künstler:in eurer Wahl, international, tot oder lebendig, zusammenarbeiten könntet, wer wäre das?

Hamit: Richard D. James aka Aphex Twin / Madonna. 

Jonathan: Stevie Wonder, als Antwort auf beide Fragen. 

Joyce: Mein Onkel, den ich nie kennengelernt habe; er war Künstler und hat mich schon früh zum Malen inspiriert / Max Löffler. 

Wolfi: Mein Vater / OZ aus Hamburg.  

Habt ihr ein Lieblingsprojekt von euch selbst? 

   

Hamit: Jedes nächste Projekt ist mein Lieblingsprojekt. 

Jonathan: Das Leben. 

Wolfi: Alle muvin Projekte. 

Ohne was könntet ihr nicht leben?

Hamit: Internet.

Jonathan: Musik oder Töne im Allgemeinen. 

Joyce: Meine Pflanzen. 

Wolfi: Wörter. 

Jonathan, hast du ein Lieblingspiece hier in diesem Studio?

Jonathan: Der Wolfi, der Hamit und die Joyce (alle schwärmen, Jonathan lacht). Wenn's um Gegenstände geht, dann wahrscheinlich das Mischpult.      

Foto Credit: Philipp Nguyen

Zum Schluss stelle ich der Truppe noch ein paar Abschlussfragen, darunter unsere bekannte letzte/nächste Frage, bei welcher der:die zuletzt Interviewte dem:der Nächsten eine Frage stellen kann bzw. von der letzten Person eine gestellt bekommt. Schweren Herzens neigte sich unser fast dreistündiges Gespräch dann auch dem Ende zu. Doch ein paar wichtige Worte mussten noch verloren werden.  

Wird man denn dieses Jahr noch was von euch hören?

Hamit: Dieses Jahr? Das Jahr geht noch lang, auf jeden Fall, definitiv. Wir haben jetzt auch geplant, die digitale EP von mir rauszuhauen, das ist die „Lovers EP“, die wahrscheinlich Juli/August spätestens kommen wird.

Jonathan: Da ist dann auch n Track von unserem neuen Künstler GI Jordan dabei (lacht) und die nächste Platte sind wir auch schon am planen, aber die wird dann wahrscheinlich eher nächstes Jahr, frühestens im Januar/Februar rauskommen. 

Hamit: Erstmal ist Urlaub angesagt. 

Jonathan: Und zu ein-zwei Dates haben wir auch schon zusagen; wir sind auch bei dem „25 Jahre Krea Festival“ dabei, das ist im August oder September. Da werden wir dann vielleicht auch einen eigenen Stand haben. Und wie gesagt, im Adamstal... Also ein paar Sachen stehen an. Ansonsten mal in den Sommer kommen, ich hab Bock, mal bisschen den Kopf auszuschalten. 

Was würdet ihr euch für die Kunst- und Kulturszene von Wiesbaden und Mainz wünschen?

Joyce: Endlich mal ne gescheite alternative Szene, die durchhält und nicht nur die ganze Zeit kaputtgemacht wird, man (lacht).

Hamit: Mehr muvin Partys, safe!

Wolfi: (Mehr) Urban Gardening.

Jonathan: Mehr Zusammenhalt zwischen den verschiedenen Kulturinstituten. Ich denke, man könnte viel mehr reißen, wenn alle am selben Strang ziehen und nicht alle nur ihr eigenes Ding machen würden. 

Möchtet ihr zweifelnden anstrebenden Künstler:innen einen Rat mit auf den Weg geben?

Jonathan: Am Ball bleiben ist einfach das Ding, keine Ahnung, also ich mein, jeder kann dir irgendwie deine Ziele oder Pläne schlecht reden oder sowas, aber solange man daran glaubt und seinen Traum, was auch immer das ist, erfüllt und am Ball bleibt… Meistens braucht man ja gar nicht den großen Erfolg, um sich etwas zu erfüllen, oft ist ja das Ausleben des Traums schon die Erfüllung des Traums. 

Hamit: Nicht gezwungen versuchen irgendwie sich selbst da zu überfordern einfach, entspannt angehen und Pausen machen vielleicht, wenns mal nicht geht. 

Jonathan: Und sich nicht verstellen und einfach sich selber treu sein, das ist das Wichtigste. Wenn dann irgend so ein aufstrebender Künstler sagt: „Ja, ich will da in diese Szene rein“, aber warum, bist du des? Ist das überhaupt dein Lebensstil? Hast du da Bock drauf? Also man muss immer gucken, dass es auch mit seinem eigenen Lebensstil vereinbar ist, also dass es für dein Leben passt, keine Ahnung...  

    

Wollt ihr die Möglichkeit nutzen, um Shoutouts an die Leute zu geben, ohne die es nicht möglich gewesen wäre?

Hamit: Oh ja, Achim Saufhaus, danke, dass du mir meine ersten Plattenspieler „geschenkt“ hast, vorübergehend, damit hat er mir auf jeden Fall nen richtigen Push gegeben, in der DJ-Richtung. Robert Fischer auch, der hat mir auch sehr viel gezeigt. Auch Thorsten Thielen, der Besitzer vom „Cloeb Fresh“, damals „Totti“, den grüß ich auch, der hat mir damals Türen geöffnet in Wiesbaden. Schlachthof, Paul Massow, viele andere. 

Jonathan: Ich würde auf jeden Fall denen danken, die hier anwesend sind und Marc Maurer. Das ist alles nur möglich, weil sie das aus Leidenschaft machen. 

Sooo, die letzte Frage, die ich euch stelle, kommt von Beatrixe Klein, der Betreiberin des Frauenmuseums Wiesbaden. Sie fragt, was eure Lieblingsbücher sind. 

Joyce: „Momo“ – Michael Ende

Jonathan: „Wege zu sich selbst“Marc Aurel  

Hamit: Robinson Crusoe” – Daniel Defoe

Wolfi: “Siddharta” – Hermann Hesse 

Und damit verabschiede ich mich von muvin records und bedanke mich für das wunderschöne Gespräch. Es war mir eine große Freude, hinter die Kulissen blicken zu können und mehr über dieses kleine, jedoch äußerst professionelle House-Label und die Menschen dahinter zu erfahren. Im Anschluss an das Interview fand die Party statt, die unser lieber Philipp fotografisch begleitete und von welcher auch die im Artikel verwendeten Bilder stammen. 

Foto Credit: Philipp Nguyen

Ich hoffe, das Interview hat denjenigen, die bis hierher durchgehalten haben, gefallen, und wenn ihr mehr von muvin records sehen wollt, sind hier ihre Instagramprofile: 

Jonathan Spencer: @charloniii

Hamit Darvish: @egalstheniker

Joyce Abrahams: @alice.maline

       

Vielen Dank fürs Lesen, bleibt gesund und passt aufeinander auf! 

Edwin Piperek 

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Ich hatte das wunderbare Vergnügen, mit muvin records abzuhängen und mit ihnen, vor ihrer eigenen Soli-Party, ein Interview zu führen. Bei Bier und dem ein oder anderen Glas Sekt, im äußerst professionellen muvin Tonstudio/Headquarter, sprachen wir über ihr Projekt, wer sie sind, was sie antreibt, wie alles anfing und sehr vieles mehr. 

Das Wiesbadener House Kollektiv, welches in Mainz ansässig ist, besteht aus Jonathan Spencer (Musik), Hamit Darvish (Musik), Joyce Abrahams (Illustrationen) und Wolfgang „Wolfi“ Holz (Typo) und entstand im Jahr 2017, auch wenn sich die Beteiligten schon viele Jahre länger kennen. Der Fokus liegt dabei auf guten House-Partys, doch auch selbst produzierte Musik kommt aus dem Hause muvin. Ich befinde mich während des Interviews in einer Wohnung in der Mainzer Altstadt. Neben dem atemberaubenden Studio, in welchem wir das Gespräch führen, verfügt die Wohnung über ein Schaufensterzimmer. In diesem Zimmer betreibt Jonathan gerne seinen kleinen Secondhand-Shop und auch kleinere Tanzveranstaltungen fanden dort schon statt. Was jedoch die Vorstellung und den Entstehungsprozess des Kollektivs angeht, würde ich das Wort gerne an die Schöpfer:innen selbst abgeben:          

Foto Credit: Philipp Nguyen

Stellt euch doch mal vor; wer seid ihr denn, was tut ihr denn und woher kommt ihr? 

Jonathan: Ehhhhhhhhhm (lacht). Ja, eigentlich sind wir echt nur ne Viererbande, mit der Joyce und Wolfi und Hamit, des sind so die fixen Bestandteile. Ich bin der Jonathan. 

Erzähl mal bisschen von dir, wo kommst du denn her, was machst du so?

Jonathan: Ich komm aus Wiesbaden tatsächlich, gebürtig. Meine Familie ist da auch noch. Ich wohn jetzt seit 12 Jahren hier in Mainz, bin Tontechniker und Toningenieur beim SWR/ZDF und bald auch beim WDR (…) das war, als ich mit Anfang 20 studiert hab, nur ein Traum so, ich hätte nie gedacht, dass ich mal in dem Job Fuß fasse und dass es echt Realität wird. Ich weiß auch noch, wie ich ausgelacht wurde, dass ich halt kein Wirtschaftsingenieurwesen studier’ oder so n Scheiß, keine Ahnung. 

Was genau hast du studiert? 

Jonathan: (lacht) Abgebrochene Studiengänge waren Wirtschaftsingenieurwesen und Medientechnik und am Ende hab ich tatsächlich Music Technology studiert, das ist an der SAE (…) und genau, das war so der Startschuss und ich bin dann eigentlich relativ schnell auch in das Berufsleben gerutscht, aber auch nur durch Zufälle. Ich hab mir auch nach dem Abschluss gedacht: „Das ist voll kompliziert und es gibt ja kaum noch professionelle Tonstudios und die alten Säcke, die da sitzen, die kriegst du auch nicht mehr aus ihren Stühlen.“, aber es lief doch echt erstaunlich gut. 

Und ich hab jetzt parallel so das Tonstudio aufgebaut. (…) Also ich bin n Tonmensch, durch und durch.   

Hamit? 

Hamit: Ich, ich bin der Hamit. Ich bin auch gebürtiger Wiesbadener (…), ich hab sehr viel probiert in meinem Leben, nie was gefunden, was mir gefallen hat, deswegen war das so n leichter Struggle mein Leben lang, bis jetzt. Ich hab mittlerweile nen Vollzeitjob (lacht) und arbeite in der Logistik, aber die Musik war halt immer da. 2008 hab ich angefangen, elektronische Musik zu machen und hab dann den Jonathan, nachdem wir uns aus den Augen verloren hatten, irgendwann auf ner Veranstaltung in Biebrich getroffen und es hat ihn halt wahrscheinlich gecatcht, keine Ahnung. Es ist auch schon jetzt zehn Jahre her, da haben wir angefangen, Musik zu machen, also kurz darauf; und es ist sehr viel passiert, wir haben sehr viel gemacht, was keiner weiß, also sehr viel ist nicht veröffentlicht (Jonathan wirft „Terrabytes“ ein).

Und Wolfi, wie sieht’s bei dir aus? 

Wolfi: Ich bin Wolfgang/Wolfi, ich bin 33 Jahre alt und ich bin von Beruf Schreiner, ich war mal Student, aber das hat nicht geklappt und jetzt bin ich Arbeiter (lacht), ja. Ich hab mit Sound gar nicht so viel zu tun, sondern halt eher mit Schriften irgendwie und ja, deswegen wars halt, weil ich mit den beiden sehr, sehr gut befreundet bin, auch seit 20 Jahren fast (Jonathan wirft „Hä, du bist mein bester Freund“ ein), sodass ich halt die Schriften für alles, was irgendwie nötig ist, mache. (…) Ich design gar nichts, ich kritzel nur n bisschen rum und, keine Ahnung, für unsere muvin-Geschichte mach ich halt was, aber ansonsten mach ich eigentlich für niemanden was. 

Und Joyce?

Joyce: Ich arbeite bei der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, das ist mein Hauptberuf, da bin ich Grafikerin und mach alles Mögliche, was so anfällt, Foto/ Film/ Technik/ Plakate pipapo und ehm, weils mir sehr eintönig ist, mache ich gerne für Freunde, Bekannte und die, die sich sonst melden, alles Mögliche: Plattencover, Plakate, Flyer, Logos nicht so gerne, aber mach ich
(Ktr. a. d. Rdk.: Lustigerweise hatte Joyce damals das ursprüngliche Logo des Einerseits Magazin designed, lange vor unserem Re-Launch) und Visitenkarten und so Kram, das find ich halt super, wenn ichs mit meinen eigenen Skizzen noch am besten machen kann und ansonsten so mal bisschen freier gestalte. Meinen Bruder bei der Centralstation unterstütz ich da auch.   

  

Die Mitglieder erzählen mir, dass sie alle etwa Anfang 30 seien und sich teilweise schon seit der Schulzeit kennen würden. Auch vom Schulschwänzen in jungen Jahren, Kippen auf dem Pausenhof, Joints im Kurpark und dem Dernschen Gelände als ehemaligem Meeting-Place ist die Rede. Sie hätten bereits eine wahnsinnig lange und intensive Geschichte miteinander und machen den Anschein, unzertrennlich zu sein. Verbinden würde sie, neben dem geteilten Humor und einem ähnlichen, fast schon gleichen Denkverhalten, vor allem die Liebe zu dem, was sich außerhalb der Norm abspielt und natürlich auch die Liebe zur Musik. Nachdem ich mehr über die Menschen hinter muvin erfahren habe, möchte ich wissen, was genau muvin ist und wie es zu all dem kam.

Wie darf ich mir denn muvin vorstellen, was ist euer Konzept?

Jonathan: Ein Haufen Clowns (lacht). Der Witz war, es gab nie ein Konzept, des war einfach machen, bevor man denkt. Wir wollten alles gleichzeitig machen und am besten alles direkt. 

Hamit: Wir wollten n Kollektiv gründen, wo jeder sich einbringen kann, es waren halt auch zwei-drei mehr Leute dabei, die jetzt nicht da sind, die dann ausgestiegen sind. Wir wollten einen Verein gründen, wir wollten Kunstausstellungen machen, wir wollten Workshops anbieten, z. B. DJ-Workshops. Nicht nur Veranstaltungen, sondern kulturell aktiv sein. Also zurzeit ist muvin „nur“ ein Musiklabel. Wir haben auch ein Sub-Label, vielleicht sollte man das hier auch erwähnen, tru heißt das, da haben wir auch schon ne Veröffentlichung von Jean Louis. Genau, das ist muvin jetzt, aber was wir vorhaben, ist noch auf jeden Fall größer. 

Jonathan: Im Grunde ist es einfach ein Bündnis von Freunden. Also du hast jetzt nach dem Kern gefragt, klar da sind noch ganz viele Akteure drum herum, aber eigentlich is es, früher hat man gesagt, ne Clique (lacht). Wir sind einfach n Freundeskreis und der Name war immer Gesprächsthema. Die erste Party war damals noch mit dem Samuel Kedzia und mit’m Paul Massow (…) und da gabs dann irgendwann diese Geburtstagsparty, weil ich und der Paul haben am gleichen Tag Geburtstag, da war das selbstverständlich, dass wir zusammen feiern. 

Hamit: Veranstaltungen wollten wir schon immer machen, wir wollten halt durchstarten, unser eigenes Ding machen und da war die nächstbeste Möglichkeit die Party in der Krea, weil wir haben vor muvin auch schon aufgelegt und wir wollten dann ne neue Veranstaltungsreihe machen und haben die dann muvin genannt. Der Geburtstag war dann glaub die erste Möglichkeit, eine Party unter dem Namen zu machen. 

Jonathan: Es war auch schon immer der Wunsch da, es einfach selber zu machen. Es macht ja keiner für dich, wenn du's nicht selber machst, so ist es halt. 

Foto Credit: Philipp Nguyen

Wie kamt ihr zu dem Namen?

Jonathan: Ja, das war Brainstorming, ewig, ewig lange Listen; die hab ich auch noch irgendwo, die kann ich dir auch gerne mal noch raussuchen. Da waren auch paar geile andere Namen dabei und muvin war dann einfach… plump, ich fands am Anfang plump, weil es ist so…

Hamit: Das war glaub auch einer der ersten Namen, relativ am Anfang, oder? Wir haben uns dann deshalb entschieden, weil es am meisten Sinn gemacht hat, weil wir nach vorne gehen wollen, wir wollen was bewegen, wir wollen Leute bewegen, wir wollen Leute zum Tanzen bringen, so nach dem Motto war das halt gedacht. 

Jonathan: Des ist halt, wie gesagt, Bewegung, einfach allgemein, Veränderungen gehören dazu und das war halt das Ding (…) ist auch der Graffiti-Szene geschuldet, es ist einfach n geiler Schriftzug, du kannst m-u-v-i-n durchziehen, nen One-Liner machen und wir kommen da auch alle n bisschen aus der Graffiti-Szene (lacht). 

Wolfi: Es geht auch um mehr als Tanzen, weil das muvin ist einfach irgendwie Bewegung, das Leben, also alles ist in Bewegung, weißt du? 

Jonathan: Ja, wer still steht, der stirbt. 

Und wie kam es bei euch ganz ursprünglich zur Musik? 

Hamit: Angefangen hab ich durch meinen Bruder, glaub ich. Also ich hab nen älteren Bruder, der jetzt 40 ist. Als ich jung war, hat er angefangen, in Wiesbaden und dem Rhein-Main-Gebiet, feiern zu gehen und ich hab das natürlich mitbekommen. Ich selbst hatte erstmal ne Hip-Hop-Phase gehabt, dann ne Metalphase, Punk, weil ich skaten war, aber mit 18 hat’s angefangen mit dem Elektronischen, als ich alt genug war, würd ich jetzt mal sagen. Da wollte ich dann auch alles gleichzeitig machen: Ich wollte auflegen, ich wollte selber Beats machen und ja. 

Und bei dir Jonathan, wann hat denn dein Interesse dafür begonnen?

Jonathan: Ich war auch echt Hip-Hop-affin, bis in die späte Pubertät. Wolfi wird sich noch erinnern, wie wir Tupac rauf und runter gehört haben (lacht). Das war der Witz, elektronische Musik ging mir gar nicht rein, früher, ich habs einfach nicht verstanden. 

Hamit: Und dann kam Aphex Twin (alle lachen). 

Jonathan: Das ist der Witz, Aphex Twin war mein Einstieg 2008 über n sehr guten Freund, den Arash, den ich auch zur Familie zähle würde (…) der hat auch morgen Geburtstag und kommt heute Abend. Auf jeden Fall, er hatte nen Freund, den Arman Behdad und der hat uns allen damals die gecrackte Reason 4 Version gegeben. Da fings dann an, dass ich Musik gemacht hab. Das war so mit 16/17; ich hab tatsächlich die alten Beats noch. Mit dem Auflegen hab ich dann durch’n Hamit angefangen. Ich hab sonst bei unseren ersten Gigs auch immer live gespielt, hab meine Grooveboxen und so mitgenommen. Auflegen war gar nicht mein Ding, ich dachte mir ganz oft bei der Musik: „Das kriegst du doch acht mal besser hin“, weil das für mich so das Ding war: Du stehst da und spielst Musik von anderen, „Ich spiel meine eigene Musik“ war immer so das Ding. Ist schade, weil das in den letzten Jahren immer mehr nur Auflegen wurde, ist auch einfach ne Bequemlichkeitssache. Wir haben sogar früher immer zusammen live gespielt, also wir haben beide Musik gemacht. (Hamit im Hintergrund: Ich mit meinem Laptop) wir haben uns getroffen, haben uns gesynct...

Hamit: Nein, wir haben uns nicht mal gesynct, wir haben einfach von drei runter gezählt und gleichzeitig Play gedrückt (lacht, mit nostalgischen Augen). 

Jonathan: Nein echt, das war damals... das war zum ersten Mal so, hatte ich das Gefühl, wie ne Band. Gänsehautmomente, das war so wow. Da haben wir uns halt getroffen und ey, 2012-2015 haben wir das echt wöchentlich gemacht. Das war echt ne magische Zeit. Das vermiss ich auch so’n bisschen, weil wir jetzt alle erwachsen geworden sind und das so mit den Jobs auch einfach zeitlich gar nicht mehr möglich ist. Aber das war damals ne Magie, wo ich zum ersten Mal so dieses Band Feeling hatte, keine Ahnung so, das war krass. 

Hamit: Das haben wir auch ein bisschen so dem Achim Saufhaus zu verdanken. Das ist auch‘n alter Hase aus Wiesbaden, der mittlerweile in der Schweiz wohnt, der hat uns sehr viel gezeigt und sehr viel ermöglicht. Wir hatten nen Proberaum, sag ich mal, in der Wartburg, auf jeden Fall hat er halt im Theater gespielt und die hatten da so Räumlichkeiten, wo wir einfach jammen konnten. Er hat uns die ersten Plattenspieler zur Verfügung gestellt und den dürfen wir auch nicht vergessen. 

Wolfi: Wir hatten auf jeden Fall auch zeitweise so nen gemeinsamen Kreativ-Flow, dass die beiden Musik gemacht haben und ich dann meine Mal-Sessions gemacht habe. Das war einfach so n gemeinsames Ausleben davon.   

Hamit, du hast zuerst mit dem Produzieren angefangen und dann mit dem Auflegen?

Hamit: Ich hab erstmal mit Fruity Loops Hip-Hop-Beats gemacht, bevor ich zum Elektronischen bin. Das mit dem Auflegen hat erst angefangen, genau irgendwann, als ich dann durch meinen Bruder gesehen hab, wie er aufgelegt hat, also ich hab seine alten Platten bekommen. Dann hab ich irgendwann versucht aufzulegen, erstmal digital, ich habs nicht geschafft, Platten anzupassen, so. Hab da so n Traktor DJ-Controller gehabt, wo ich dann auf „Sync“ gedrückt hab, das hat voll Bock gemacht (lacht). Also erstmal amateurhaft, aber irgendwann bin ich auf Platten rüber, bis heute macht mir das nicht anders Spaß, mit Platten machts am meisten Spaß.     

Jonathan: Ich weiß auch noch, wo der Achim uns die Plattenspieler gegeben hat und die oben bei mir standen, ich kam gar nicht drauf klar. Der Hamit hat mir das dann auch nahe gebracht, ne. Ich kann mich auch noch erinnern, er hat gesagt: „Hör auf die Clap“ (lacht). 

Hamit: Der Witz ist halt wirklich, man kanns jemandem beibringen oder sagen wies funktioniert, aber er selbst muss es trainieren, man muss das Gehör trainieren. Man kann nicht direkt Mixen lernen, mindestens n halbes Jahr oder paar Monate, manche könnens schneller, bei machen dauerts n Jahr, aber du musst dein Gehör trainieren, dann weißt du, was schneller und langsamer ist, das geht dann irgendwann.   

Foto Credit: Philipp Nguyen

Habt ihr denn ein großes Ziel und wenn ja, wie wollt ihr es erreichen? 

Hamit: Also unser Ziel ist immer noch, Partys zu machen, halt für Leute da zu sein. Uns selbst zu entfalten mit unserer Musik und halt einfach zu leben und Spaß zu haben. Ein ganz großes Ziel, wie jetzt auf Ibiza zu spielen oder so, war jetzt noch nie drin, bei mir so. Also ich habs von vorneherein für mich selbst bzw. uns selbst getan. 

Jonathan: Großes Ziel isses, dass wirs nächsten Monat mal gebacken bekommen, zusammen in den Urlaub zu fahren. Es läuft ganz gut, man kann sich da noch mehr reinhängen, ne Website machen und so weiter... Es war einfach immer, dass wir alle uns sehen und ne gute Zeit haben, natürlich ist es immer schön, wenn fremde Leute kommen oder halt Leute, die man nicht kennt, aber im Grunde genommen wollten wir immer ne schöne Zeit haben, glaub ich.  

Eine sehr lange Freundschaft und schon sehr früh entfachte Liebe zur Musik: Der Entstehungs- und Entwicklungsprozess der beiden (Hamit und Jonathan) hat schon fast romantische Züge. Ich denke, jeder und jede kann etwas finden, was ihn oder sie so antreibt und über Jahre am Laufen hält wie diese Menschen; auch beweisen sie, dass es auf Umwegen und oft auch erst nach vielen Jahren passieren kann. Aber auch Interessen außerhalb der Musik treiben diese Menschen an. Wolfi habe beispielsweise eine Affinität für Graffiti-Kunst (auf Papier!) und Joyce würde für ihr Leben gerne gärtnern, bouldern und wandern. Hamit steht auf Videospiele und Skaten, Jonathan möge es zu lesen, Stunden auf Audiogear-Websites zu verbringen und auch mal längere Fahrradtouren zu machen.    

Wie zudem auch zu erkennen ist, haben sie sehr viel vor und wollen mit ihrem künstlerischen Schaffen auch kulturell und gesellschaftlich etwas bewirken. So schmissen sie am Abend des Interviewtages noch eine Soli-Party in der Kreativfabrik, bei welcher alle Erlöse gesammelt und an eine wohltätige Organisation gespendet wurden. Auch eine recht neue Veröffentlichung hatten und haben sie zu feiern und zwar die „SATT EP“.

Bild Credits: Joyce Abrahams

Ihr habt ja vor Kurzem die SATT EP mit vier Tracks veröffentlicht. Die EP ist zugleich euer erster Vinyl-Release. Seid ihr zufrieden mit dem Ergebnis und der Resonanz; hättet ihr euch etwas anders gewünscht?     

Hamit: Also ich bin vollkommen zufrieden, auf jeden Fall. Für unsere erste Platte, wir haben, wie gesagt, sehr viele Tracks im Repertoire gehabt, nur haben wir an diesen Tracks sehr gehangen und haben auch sehr viel dran gearbeitet. Letztendlich haben wir uns dann entschieden, diese Tracks zu nehmen... Also ich bin super zufrieden, auf jeden Fall. Du Jojo? 

Jonathan: (Lacht) Ja, ich find es is’n bisschen blöd gelaufen, weil wir den einen Track tauschen mussten. Den mussten wir tauschen, weil es da Copyright Issues gab... Anderes Interview (lacht). 

Ist für diesen Release noch irgendwas Konkretes geplant oder für die nähere Zukunft, wollt ihr ‘ne Release Party machen oder so?

Hamit: Genau. Wir haben heute eine Release-Party in der Kreativfabrik in Wiesbaden. Wir hatten vorher schon privat ne kleine Runde gehabt, wo wir ne kleine Feier hatten, wo wirs unter uns zelebriert hatten.

Jonathan: Das heute ist die Soli-Party. Die Release-Party wird noch kommen. Wir sind da gerade im Adamstal was am planen und ansonsten waren Silbergold und Heaven so die Stationen. 

Hamit: Also da wird auf jeden Fall noch mehr kommen!  

Habt ihr denn noch visuelle Sachen geplant?

Hamit: Jetzt konkret, Video war schon in Planung, wir wollten nen Teaser machen für die Release-Party sogar, aber das kam leider nicht zustande. In die Richtung wollen wir aber auf jeden Fall was machen. An Musikvideos haben wir auch schon gedacht. 

Wie war denn der Entstehungsprozess der EP? Standen die Tracks schon lange vorher oder wurden sie für die EP produziert?

Hamit: Ne, also wir haben die Tracks, wir hatten die schon im Repertoire gehabt, wir haben 1-2 neue gemacht, bei denen wir uns dann entschieden hatten, dass sie auf die Platte kommen. Wie Jojo schon gesagt hat, mussten wir leider einen Track austauschen, da war ein anderer geplant, aber das ging aus rechtlichen Gründen nicht. Da musst’ dann halt n anderer Track her, da haben wir ja Glück, dass wir so viele im Repertoire haben. 

Jonathan: Wenn du noch einmal Repertoire sagst... (lacht). Mein Track stand, glaub ich, schon so 2017, der eine. (Hamit im Hintergrund: Der hieß sogar „Satt“, das war dann auch die Idee, die EP so zu nennen), wir hatten das schon 2019/2020 geplant, das hat sich dann halt alles verzögert, wegen dem Neuschnitt und dem Mastering, was wir dann extern gemacht haben und dem Corona, dass dann teilweise die Presswerke zu gemacht haben. Deshalb hat der Prozess ewig gedauert. Also so zwei Jahre summa summarum.  

Foto Credit: Philipp Nguyen

Mal abgesehen von der EP, wie gestaltet sich denn euer Workflow, wenn ihr Musik macht und wie lange braucht ihr für gewöhnlich, um etwas fertigzustellen? 

Jonathan: Ja, also, wenn man so nen Musikuss hat, sag ich mal, dann geht das ganz schnell. Das kann echt schon sein, dass man am Abend dann die Skizze fertig hat und dann kann ich den lange nicht mehr hören, weils mir dann einfach aufn Sack geht (lacht). Deshalb liegen die bei mir relativ lange, bis ich mich da wieder ran traue und neue Ideen hab, aber so Skizzen, da haben wir schon zwei-drei an nem Abend gemacht, das geht relativ fix, wenn man da Bock drauf hat. Ich fang eigentlich mit den Chords an und wenn ich dann noch ne Melodie habe, die mich halt catcht, dann geh ich an die Drums ran und dann strikt die Kick, die Snare, die Hat, das Gefrickel und die ganzen Feinheiten kommen dann ganz am Ende. 

Hamit: Meistens versuch ich auch was Angefangenes zu Ende zu bringen, weil man die Tracks auch irgendwann nicht mehr hören kann, wenn man sich so oft dran hockt, deshalb versuch ich, Tracks immer in einem Durchgang „im Tunnel“ zu machen. Eigentlich fängts bei mir mit den Drums an, dann guck ich so „da passt vielleicht ne Melodie rein“ oder so, ich experimentier sehr viel. Jonathan macht meistens eigentlich nur alles analog und ich hab nur Maus, Keyboard. Tastatur, Ableton mit Kopfhörern, das ist so, wie ich daheim arbeite, genau. 

Ab wann ist denn was fertig?

Jonathan: Die sind nie fertig für mich. Das war auch das Ding mit der Platte, bei den Tracks hab ich meiner Meinung nach immer noch Verbesserungsvorschläge, ich glaub, das hört auch nie auf. 

Hamit: Ja, es ist schwer zu sagen, wann was fertig ist. Wenn man selbst irgendwas macht, dann ist es schwer zu sagen, wann der Track fertig sein soll, weil da immer wieder Platz ist für irgendwas anderes oder für den Sound, aber irgendwann macht man halt doch n Cut und sagt „Ja, der isses, der groovt“.    

Wer sorgt dann bei euch am Ende dafür, dass das alles gut klingt? 

Hamit: Das ist Jonathans Werk, der Tonmeister natürlich (lacht). 

Jonathan: (lacht) Ich mach das Mixing und Mastering, ja. Unsere erste Platte hab ich aber zum Fremdmastern gebracht, an das erste Vinyl-Master hab ich mich dann doch nicht getraut. Der Witz war aber, dass ich durch den Tausch des einen Tracks doch ein Master gemacht habe und er klingt gar nicht schlimm.

So sollte jetzt verständlich sein, was diese Menschen antreibt und wie die Rollen innerhalb des Projekts muvin verteilt und was die Ambitionen sind. Als ich sie frage, wie es sich anfühlt, vor einer Crowd zu stehen, mit dem Wissen, dass all das ohne einen selbst nicht passieren würde, entgegnen sie mir, dass es einfach mega Bock mache, Menschen zu sehen, die ihre Partys genießen, obgleich sowohl Jonathan als auch Hamit nie in die Crowd, sondern immer nur auf die Decks schauen würden. Auch das Tanzen, Schreien, Pfeifen, Singen und Rauchen in der Menge würden sie besonders fühlen. Als Partygast fänden sie besonders bunte Partys gut, in welchen nicht alles abgedunkelt ist und alle „wie Zombies dastehen“, primär entscheide jedoch die Musik. 

Als Veranstalter seies besonders schön, viele Gäste zu sehen und auch neue Gesichter zu entdecken, die Spaß an der Sache haben und gute Laune mitbringen. 

Party-Bummer seien für sie vor allem Getränke auf dem Mischpult und Liedwünsche gingen leider immer ins Leere, da sie auf ihre Platten limitiert seien. 

Auch Phasen, in denen sie Partys weniger fühlen, gehörten dazu. So würden sie sich mittlerweile eigentlich hauptsächlich auf ihren eigenen Partys oder im kleineren Rahmen bei Freund:innen aufhalten. Früher wäre das anders gewesen, doch auch würde das Älterwerden da einfach ne Rolle spielen.

Natürlich musste leider auch das unangenehme Lieblingsthema der letzten zwei Jahre zur Sprache kommen, wie soll es im Eventbereich anders sein… Allerdings betonte Hamit sehr stark, dass obgleich einige Ideen, wie die Vereinsgründung und eine Etablierung als Kollektiv, aufgrund von Corona auf Eis gelegt werden mussten, die Krise auch gute Dinge zur Folge hatte. So seienin der Pandemiezeit bei ihm mehr Songs als jemals zuvor entstanden. Auch Jonathan hat Gutes zu berichten, denn in der Zeit der vielen Lockdowns, des Hin-und-Hers und der Eventausfälle habe er das muvin Tonstudio aufgebaut, welches mittlerweile Equipment im Wert von rund 50.000€ beherbergt, welches größtenteils kaputt gekauft und selbstständig aufpoliert worden sei. 

Die Krise hatte für muvin also nicht nur schlechte Folgen, oder sie haben einfach das Beste daraus gemacht. 

Neben Partys und Musik interessieren mich jedoch auch persönliche Themen:        

Gibt es Dinge oder Themen, die euch besonders belasten? 

Hamit: Ja, es gibt vieles, was mir Angst macht, wie z. B. der Krieg, der vielleicht kommt, doch ich blende es geschickt aus und lenke mich ab mit Arbeit und mit meinen Hobbys und versuch, nicht an das Schlimme zu denken, also es gibt vieles, was mir Angst macht; aber ich versuch da immer nen Cut zu machen und zu leben, denn wir leben nicht lang auf dieser Welt. 

Jonathan: Fuckt vieles ab, so die letzten drei Jahre... Da sind Sachen passiert, da hätte ich gedacht, das wird nie im Leben passieren, keine Ahnung, nie damit gerechnet. Hätte es dir auch nicht geglaubt, hättest du mir das erzählt und gesagt, du kommst aus der Zukunft, ich hätt dich vermöbelt (lacht). Es sind schon abgefuckte Zeiten auf jeden Fall, das wird mir immer klarer. Inflation, Krieg, was weiß ich.. Die Eltern werden älter… 

Hamit: Das ist die größte Angst, glaub ich.

Wie geht ihr mit Tiefs im Leben um und wie handelt ihr Niederschläge in der Musik?

Hamit: Also ich seh das alles entspannt, eigentlich. Ich mach mir da nicht so n großen Kopf. Wenn ich mal n Tief hab, dann weiß ich, dass es irgendwann auch wieder hochgeht. Gibs halt nicht auf und sehs entspannt. 

Jonathan: Einfach machen. Wenn man in so Grübelkreise kommt, das hilft nichts, man muss einfach am Ball bleiben und sich aus dem Loch halt wieder rausholen. Das macht kein anderer für dich, das musst du selber machen. Das hat mir immer geholfen, auch wenns nur Tagesziele sind, mich morgens einfach hinzusetzen, beim Kaffee und mir einfach paar Dinge vorzunehmen für den Tag, die durchzuziehen und am Abend sieht die Welt meistens anders aus. 

Gab es Zeiten, in denen ihr so richtig an der ganzen Sache mit der Musik gezweifelt habt und euch gedacht habt, es lieber sein zu lassen? 

Hamit: Nie. Also ich nicht, ich hab das immer so, klingt jetzt dumm, aber so nebensächlich gesehen. Das würd gar nicht infrage kommen, es ist ja immer da, warum soll ichs aufgeben, wenns immer da ist? 

Jonathan: Ganz oft (lacht), weil ich damit ja auch mein Geld verdienen wollte, ich habs immer auch mit so nem finanziellen Aspekt gesehen. Es ist kein Umsatz und kein Geld in irgendeiner Form, von dem du da leben kannst. Dass ich da Fuß gefasst hab, das war jetzt auch nicht mein Traum-Arbeitgeber, aber es ist schön, dass es mit dem Gesamtkonstrukt Ton was zu tun hat.

Jetzt vielleicht etwas oberflächlicher, ich hätte gerne – wenn ihr wollt – von euch allen jeweils Antworten. 

Was ist euer Lieblingssnack, -drink und -track? 

Hamit: Kartoffelchips mit Joghurt / Wasser / France Gall – Ella, Elle l’a. 

Jonathan: Tiefgekühlte Kinder®-Produkte / kühles Helles / Whitney Houston – I will Always Love You.

Was macht euch happy?

Hamit: Gutes Essen. 

Jonathan: Schlaf. 

Joyce: Bouldern/Klettern.

Wolfi: Apfelwein. 

Wer ist eure größte Inspiration und wenn ihr mit einem:r Künstler:in eurer Wahl, international, tot oder lebendig, zusammenarbeiten könntet, wer wäre das?

Hamit: Richard D. James aka Aphex Twin / Madonna. 

Jonathan: Stevie Wonder, als Antwort auf beide Fragen. 

Joyce: Mein Onkel, den ich nie kennengelernt habe; er war Künstler und hat mich schon früh zum Malen inspiriert / Max Löffler. 

Wolfi: Mein Vater / OZ aus Hamburg.  

Habt ihr ein Lieblingsprojekt von euch selbst? 

   

Hamit: Jedes nächste Projekt ist mein Lieblingsprojekt. 

Jonathan: Das Leben. 

Wolfi: Alle muvin Projekte. 

Ohne was könntet ihr nicht leben?

Hamit: Internet.

Jonathan: Musik oder Töne im Allgemeinen. 

Joyce: Meine Pflanzen. 

Wolfi: Wörter. 

Jonathan, hast du ein Lieblingspiece hier in diesem Studio?

Jonathan: Der Wolfi, der Hamit und die Joyce (alle schwärmen, Jonathan lacht). Wenn's um Gegenstände geht, dann wahrscheinlich das Mischpult.      

Foto Credit: Philipp Nguyen

Zum Schluss stelle ich der Truppe noch ein paar Abschlussfragen, darunter unsere bekannte letzte/nächste Frage, bei welcher der:die zuletzt Interviewte dem:der Nächsten eine Frage stellen kann bzw. von der letzten Person eine gestellt bekommt. Schweren Herzens neigte sich unser fast dreistündiges Gespräch dann auch dem Ende zu. Doch ein paar wichtige Worte mussten noch verloren werden.  

Wird man denn dieses Jahr noch was von euch hören?

Hamit: Dieses Jahr? Das Jahr geht noch lang, auf jeden Fall, definitiv. Wir haben jetzt auch geplant, die digitale EP von mir rauszuhauen, das ist die „Lovers EP“, die wahrscheinlich Juli/August spätestens kommen wird.

Jonathan: Da ist dann auch n Track von unserem neuen Künstler GI Jordan dabei (lacht) und die nächste Platte sind wir auch schon am planen, aber die wird dann wahrscheinlich eher nächstes Jahr, frühestens im Januar/Februar rauskommen. 

Hamit: Erstmal ist Urlaub angesagt. 

Jonathan: Und zu ein-zwei Dates haben wir auch schon zusagen; wir sind auch bei dem „25 Jahre Krea Festival“ dabei, das ist im August oder September. Da werden wir dann vielleicht auch einen eigenen Stand haben. Und wie gesagt, im Adamstal... Also ein paar Sachen stehen an. Ansonsten mal in den Sommer kommen, ich hab Bock, mal bisschen den Kopf auszuschalten. 

Was würdet ihr euch für die Kunst- und Kulturszene von Wiesbaden und Mainz wünschen?

Joyce: Endlich mal ne gescheite alternative Szene, die durchhält und nicht nur die ganze Zeit kaputtgemacht wird, man (lacht).

Hamit: Mehr muvin Partys, safe!

Wolfi: (Mehr) Urban Gardening.

Jonathan: Mehr Zusammenhalt zwischen den verschiedenen Kulturinstituten. Ich denke, man könnte viel mehr reißen, wenn alle am selben Strang ziehen und nicht alle nur ihr eigenes Ding machen würden. 

Möchtet ihr zweifelnden anstrebenden Künstler:innen einen Rat mit auf den Weg geben?

Jonathan: Am Ball bleiben ist einfach das Ding, keine Ahnung, also ich mein, jeder kann dir irgendwie deine Ziele oder Pläne schlecht reden oder sowas, aber solange man daran glaubt und seinen Traum, was auch immer das ist, erfüllt und am Ball bleibt… Meistens braucht man ja gar nicht den großen Erfolg, um sich etwas zu erfüllen, oft ist ja das Ausleben des Traums schon die Erfüllung des Traums. 

Hamit: Nicht gezwungen versuchen irgendwie sich selbst da zu überfordern einfach, entspannt angehen und Pausen machen vielleicht, wenns mal nicht geht. 

Jonathan: Und sich nicht verstellen und einfach sich selber treu sein, das ist das Wichtigste. Wenn dann irgend so ein aufstrebender Künstler sagt: „Ja, ich will da in diese Szene rein“, aber warum, bist du des? Ist das überhaupt dein Lebensstil? Hast du da Bock drauf? Also man muss immer gucken, dass es auch mit seinem eigenen Lebensstil vereinbar ist, also dass es für dein Leben passt, keine Ahnung...  

    

Wollt ihr die Möglichkeit nutzen, um Shoutouts an die Leute zu geben, ohne die es nicht möglich gewesen wäre?

Hamit: Oh ja, Achim Saufhaus, danke, dass du mir meine ersten Plattenspieler „geschenkt“ hast, vorübergehend, damit hat er mir auf jeden Fall nen richtigen Push gegeben, in der DJ-Richtung. Robert Fischer auch, der hat mir auch sehr viel gezeigt. Auch Thorsten Thielen, der Besitzer vom „Cloeb Fresh“, damals „Totti“, den grüß ich auch, der hat mir damals Türen geöffnet in Wiesbaden. Schlachthof, Paul Massow, viele andere. 

Jonathan: Ich würde auf jeden Fall denen danken, die hier anwesend sind und Marc Maurer. Das ist alles nur möglich, weil sie das aus Leidenschaft machen. 

Sooo, die letzte Frage, die ich euch stelle, kommt von Beatrixe Klein, der Betreiberin des Frauenmuseums Wiesbaden. Sie fragt, was eure Lieblingsbücher sind. 

Joyce: „Momo“ – Michael Ende

Jonathan: „Wege zu sich selbst“Marc Aurel  

Hamit: Robinson Crusoe” – Daniel Defoe

Wolfi: “Siddharta” – Hermann Hesse 

Und damit verabschiede ich mich von muvin records und bedanke mich für das wunderschöne Gespräch. Es war mir eine große Freude, hinter die Kulissen blicken zu können und mehr über dieses kleine, jedoch äußerst professionelle House-Label und die Menschen dahinter zu erfahren. Im Anschluss an das Interview fand die Party statt, die unser lieber Philipp fotografisch begleitete und von welcher auch die im Artikel verwendeten Bilder stammen. 

Foto Credit: Philipp Nguyen

Ich hoffe, das Interview hat denjenigen, die bis hierher durchgehalten haben, gefallen, und wenn ihr mehr von muvin records sehen wollt, sind hier ihre Instagramprofile: 

Jonathan Spencer: @charloniii

Hamit Darvish: @egalstheniker

Joyce Abrahams: @alice.maline

       

Vielen Dank fürs Lesen, bleibt gesund und passt aufeinander auf! 

Edwin Piperek 

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Ich hatte das wunderbare Vergnügen, mit muvin records abzuhängen und mit ihnen, vor ihrer eigenen Soli-Party, ein Interview zu führen. Bei Bier und dem ein oder anderen Glas Sekt, im äußerst professionellen muvin Tonstudio/Headquarter, sprachen wir über ihr Projekt, wer sie sind, was sie antreibt, wie alles anfing und sehr vieles mehr. 

Das Wiesbadener House Kollektiv, welches in Mainz ansässig ist, besteht aus Jonathan Spencer (Musik), Hamit Darvish (Musik), Joyce Abrahams (Illustrationen) und Wolfgang „Wolfi“ Holz (Typo) und entstand im Jahr 2017, auch wenn sich die Beteiligten schon viele Jahre länger kennen. Der Fokus liegt dabei auf guten House-Partys, doch auch selbst produzierte Musik kommt aus dem Hause muvin. Ich befinde mich während des Interviews in einer Wohnung in der Mainzer Altstadt. Neben dem atemberaubenden Studio, in welchem wir das Gespräch führen, verfügt die Wohnung über ein Schaufensterzimmer. In diesem Zimmer betreibt Jonathan gerne seinen kleinen Secondhand-Shop und auch kleinere Tanzveranstaltungen fanden dort schon statt. Was jedoch die Vorstellung und den Entstehungsprozess des Kollektivs angeht, würde ich das Wort gerne an die Schöpfer:innen selbst abgeben:          

Foto Credit: Philipp Nguyen

Stellt euch doch mal vor; wer seid ihr denn, was tut ihr denn und woher kommt ihr? 

Jonathan: Ehhhhhhhhhm (lacht). Ja, eigentlich sind wir echt nur ne Viererbande, mit der Joyce und Wolfi und Hamit, des sind so die fixen Bestandteile. Ich bin der Jonathan. 

Erzähl mal bisschen von dir, wo kommst du denn her, was machst du so?

Jonathan: Ich komm aus Wiesbaden tatsächlich, gebürtig. Meine Familie ist da auch noch. Ich wohn jetzt seit 12 Jahren hier in Mainz, bin Tontechniker und Toningenieur beim SWR/ZDF und bald auch beim WDR (…) das war, als ich mit Anfang 20 studiert hab, nur ein Traum so, ich hätte nie gedacht, dass ich mal in dem Job Fuß fasse und dass es echt Realität wird. Ich weiß auch noch, wie ich ausgelacht wurde, dass ich halt kein Wirtschaftsingenieurwesen studier’ oder so n Scheiß, keine Ahnung. 

Was genau hast du studiert? 

Jonathan: (lacht) Abgebrochene Studiengänge waren Wirtschaftsingenieurwesen und Medientechnik und am Ende hab ich tatsächlich Music Technology studiert, das ist an der SAE (…) und genau, das war so der Startschuss und ich bin dann eigentlich relativ schnell auch in das Berufsleben gerutscht, aber auch nur durch Zufälle. Ich hab mir auch nach dem Abschluss gedacht: „Das ist voll kompliziert und es gibt ja kaum noch professionelle Tonstudios und die alten Säcke, die da sitzen, die kriegst du auch nicht mehr aus ihren Stühlen.“, aber es lief doch echt erstaunlich gut. 

Und ich hab jetzt parallel so das Tonstudio aufgebaut. (…) Also ich bin n Tonmensch, durch und durch.   

Hamit? 

Hamit: Ich, ich bin der Hamit. Ich bin auch gebürtiger Wiesbadener (…), ich hab sehr viel probiert in meinem Leben, nie was gefunden, was mir gefallen hat, deswegen war das so n leichter Struggle mein Leben lang, bis jetzt. Ich hab mittlerweile nen Vollzeitjob (lacht) und arbeite in der Logistik, aber die Musik war halt immer da. 2008 hab ich angefangen, elektronische Musik zu machen und hab dann den Jonathan, nachdem wir uns aus den Augen verloren hatten, irgendwann auf ner Veranstaltung in Biebrich getroffen und es hat ihn halt wahrscheinlich gecatcht, keine Ahnung. Es ist auch schon jetzt zehn Jahre her, da haben wir angefangen, Musik zu machen, also kurz darauf; und es ist sehr viel passiert, wir haben sehr viel gemacht, was keiner weiß, also sehr viel ist nicht veröffentlicht (Jonathan wirft „Terrabytes“ ein).

Und Wolfi, wie sieht’s bei dir aus? 

Wolfi: Ich bin Wolfgang/Wolfi, ich bin 33 Jahre alt und ich bin von Beruf Schreiner, ich war mal Student, aber das hat nicht geklappt und jetzt bin ich Arbeiter (lacht), ja. Ich hab mit Sound gar nicht so viel zu tun, sondern halt eher mit Schriften irgendwie und ja, deswegen wars halt, weil ich mit den beiden sehr, sehr gut befreundet bin, auch seit 20 Jahren fast (Jonathan wirft „Hä, du bist mein bester Freund“ ein), sodass ich halt die Schriften für alles, was irgendwie nötig ist, mache. (…) Ich design gar nichts, ich kritzel nur n bisschen rum und, keine Ahnung, für unsere muvin-Geschichte mach ich halt was, aber ansonsten mach ich eigentlich für niemanden was. 

Und Joyce?

Joyce: Ich arbeite bei der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, das ist mein Hauptberuf, da bin ich Grafikerin und mach alles Mögliche, was so anfällt, Foto/ Film/ Technik/ Plakate pipapo und ehm, weils mir sehr eintönig ist, mache ich gerne für Freunde, Bekannte und die, die sich sonst melden, alles Mögliche: Plattencover, Plakate, Flyer, Logos nicht so gerne, aber mach ich
(Ktr. a. d. Rdk.: Lustigerweise hatte Joyce damals das ursprüngliche Logo des Einerseits Magazin designed, lange vor unserem Re-Launch) und Visitenkarten und so Kram, das find ich halt super, wenn ichs mit meinen eigenen Skizzen noch am besten machen kann und ansonsten so mal bisschen freier gestalte. Meinen Bruder bei der Centralstation unterstütz ich da auch.   

  

Die Mitglieder erzählen mir, dass sie alle etwa Anfang 30 seien und sich teilweise schon seit der Schulzeit kennen würden. Auch vom Schulschwänzen in jungen Jahren, Kippen auf dem Pausenhof, Joints im Kurpark und dem Dernschen Gelände als ehemaligem Meeting-Place ist die Rede. Sie hätten bereits eine wahnsinnig lange und intensive Geschichte miteinander und machen den Anschein, unzertrennlich zu sein. Verbinden würde sie, neben dem geteilten Humor und einem ähnlichen, fast schon gleichen Denkverhalten, vor allem die Liebe zu dem, was sich außerhalb der Norm abspielt und natürlich auch die Liebe zur Musik. Nachdem ich mehr über die Menschen hinter muvin erfahren habe, möchte ich wissen, was genau muvin ist und wie es zu all dem kam.

Wie darf ich mir denn muvin vorstellen, was ist euer Konzept?

Jonathan: Ein Haufen Clowns (lacht). Der Witz war, es gab nie ein Konzept, des war einfach machen, bevor man denkt. Wir wollten alles gleichzeitig machen und am besten alles direkt. 

Hamit: Wir wollten n Kollektiv gründen, wo jeder sich einbringen kann, es waren halt auch zwei-drei mehr Leute dabei, die jetzt nicht da sind, die dann ausgestiegen sind. Wir wollten einen Verein gründen, wir wollten Kunstausstellungen machen, wir wollten Workshops anbieten, z. B. DJ-Workshops. Nicht nur Veranstaltungen, sondern kulturell aktiv sein. Also zurzeit ist muvin „nur“ ein Musiklabel. Wir haben auch ein Sub-Label, vielleicht sollte man das hier auch erwähnen, tru heißt das, da haben wir auch schon ne Veröffentlichung von Jean Louis. Genau, das ist muvin jetzt, aber was wir vorhaben, ist noch auf jeden Fall größer. 

Jonathan: Im Grunde ist es einfach ein Bündnis von Freunden. Also du hast jetzt nach dem Kern gefragt, klar da sind noch ganz viele Akteure drum herum, aber eigentlich is es, früher hat man gesagt, ne Clique (lacht). Wir sind einfach n Freundeskreis und der Name war immer Gesprächsthema. Die erste Party war damals noch mit dem Samuel Kedzia und mit’m Paul Massow (…) und da gabs dann irgendwann diese Geburtstagsparty, weil ich und der Paul haben am gleichen Tag Geburtstag, da war das selbstverständlich, dass wir zusammen feiern. 

Hamit: Veranstaltungen wollten wir schon immer machen, wir wollten halt durchstarten, unser eigenes Ding machen und da war die nächstbeste Möglichkeit die Party in der Krea, weil wir haben vor muvin auch schon aufgelegt und wir wollten dann ne neue Veranstaltungsreihe machen und haben die dann muvin genannt. Der Geburtstag war dann glaub die erste Möglichkeit, eine Party unter dem Namen zu machen. 

Jonathan: Es war auch schon immer der Wunsch da, es einfach selber zu machen. Es macht ja keiner für dich, wenn du's nicht selber machst, so ist es halt. 

Foto Credit: Philipp Nguyen

Wie kamt ihr zu dem Namen?

Jonathan: Ja, das war Brainstorming, ewig, ewig lange Listen; die hab ich auch noch irgendwo, die kann ich dir auch gerne mal noch raussuchen. Da waren auch paar geile andere Namen dabei und muvin war dann einfach… plump, ich fands am Anfang plump, weil es ist so…

Hamit: Das war glaub auch einer der ersten Namen, relativ am Anfang, oder? Wir haben uns dann deshalb entschieden, weil es am meisten Sinn gemacht hat, weil wir nach vorne gehen wollen, wir wollen was bewegen, wir wollen Leute bewegen, wir wollen Leute zum Tanzen bringen, so nach dem Motto war das halt gedacht. 

Jonathan: Des ist halt, wie gesagt, Bewegung, einfach allgemein, Veränderungen gehören dazu und das war halt das Ding (…) ist auch der Graffiti-Szene geschuldet, es ist einfach n geiler Schriftzug, du kannst m-u-v-i-n durchziehen, nen One-Liner machen und wir kommen da auch alle n bisschen aus der Graffiti-Szene (lacht). 

Wolfi: Es geht auch um mehr als Tanzen, weil das muvin ist einfach irgendwie Bewegung, das Leben, also alles ist in Bewegung, weißt du? 

Jonathan: Ja, wer still steht, der stirbt. 

Und wie kam es bei euch ganz ursprünglich zur Musik? 

Hamit: Angefangen hab ich durch meinen Bruder, glaub ich. Also ich hab nen älteren Bruder, der jetzt 40 ist. Als ich jung war, hat er angefangen, in Wiesbaden und dem Rhein-Main-Gebiet, feiern zu gehen und ich hab das natürlich mitbekommen. Ich selbst hatte erstmal ne Hip-Hop-Phase gehabt, dann ne Metalphase, Punk, weil ich skaten war, aber mit 18 hat’s angefangen mit dem Elektronischen, als ich alt genug war, würd ich jetzt mal sagen. Da wollte ich dann auch alles gleichzeitig machen: Ich wollte auflegen, ich wollte selber Beats machen und ja. 

Und bei dir Jonathan, wann hat denn dein Interesse dafür begonnen?

Jonathan: Ich war auch echt Hip-Hop-affin, bis in die späte Pubertät. Wolfi wird sich noch erinnern, wie wir Tupac rauf und runter gehört haben (lacht). Das war der Witz, elektronische Musik ging mir gar nicht rein, früher, ich habs einfach nicht verstanden. 

Hamit: Und dann kam Aphex Twin (alle lachen). 

Jonathan: Das ist der Witz, Aphex Twin war mein Einstieg 2008 über n sehr guten Freund, den Arash, den ich auch zur Familie zähle würde (…) der hat auch morgen Geburtstag und kommt heute Abend. Auf jeden Fall, er hatte nen Freund, den Arman Behdad und der hat uns allen damals die gecrackte Reason 4 Version gegeben. Da fings dann an, dass ich Musik gemacht hab. Das war so mit 16/17; ich hab tatsächlich die alten Beats noch. Mit dem Auflegen hab ich dann durch’n Hamit angefangen. Ich hab sonst bei unseren ersten Gigs auch immer live gespielt, hab meine Grooveboxen und so mitgenommen. Auflegen war gar nicht mein Ding, ich dachte mir ganz oft bei der Musik: „Das kriegst du doch acht mal besser hin“, weil das für mich so das Ding war: Du stehst da und spielst Musik von anderen, „Ich spiel meine eigene Musik“ war immer so das Ding. Ist schade, weil das in den letzten Jahren immer mehr nur Auflegen wurde, ist auch einfach ne Bequemlichkeitssache. Wir haben sogar früher immer zusammen live gespielt, also wir haben beide Musik gemacht. (Hamit im Hintergrund: Ich mit meinem Laptop) wir haben uns getroffen, haben uns gesynct...

Hamit: Nein, wir haben uns nicht mal gesynct, wir haben einfach von drei runter gezählt und gleichzeitig Play gedrückt (lacht, mit nostalgischen Augen). 

Jonathan: Nein echt, das war damals... das war zum ersten Mal so, hatte ich das Gefühl, wie ne Band. Gänsehautmomente, das war so wow. Da haben wir uns halt getroffen und ey, 2012-2015 haben wir das echt wöchentlich gemacht. Das war echt ne magische Zeit. Das vermiss ich auch so’n bisschen, weil wir jetzt alle erwachsen geworden sind und das so mit den Jobs auch einfach zeitlich gar nicht mehr möglich ist. Aber das war damals ne Magie, wo ich zum ersten Mal so dieses Band Feeling hatte, keine Ahnung so, das war krass. 

Hamit: Das haben wir auch ein bisschen so dem Achim Saufhaus zu verdanken. Das ist auch‘n alter Hase aus Wiesbaden, der mittlerweile in der Schweiz wohnt, der hat uns sehr viel gezeigt und sehr viel ermöglicht. Wir hatten nen Proberaum, sag ich mal, in der Wartburg, auf jeden Fall hat er halt im Theater gespielt und die hatten da so Räumlichkeiten, wo wir einfach jammen konnten. Er hat uns die ersten Plattenspieler zur Verfügung gestellt und den dürfen wir auch nicht vergessen. 

Wolfi: Wir hatten auf jeden Fall auch zeitweise so nen gemeinsamen Kreativ-Flow, dass die beiden Musik gemacht haben und ich dann meine Mal-Sessions gemacht habe. Das war einfach so n gemeinsames Ausleben davon.   

Hamit, du hast zuerst mit dem Produzieren angefangen und dann mit dem Auflegen?

Hamit: Ich hab erstmal mit Fruity Loops Hip-Hop-Beats gemacht, bevor ich zum Elektronischen bin. Das mit dem Auflegen hat erst angefangen, genau irgendwann, als ich dann durch meinen Bruder gesehen hab, wie er aufgelegt hat, also ich hab seine alten Platten bekommen. Dann hab ich irgendwann versucht aufzulegen, erstmal digital, ich habs nicht geschafft, Platten anzupassen, so. Hab da so n Traktor DJ-Controller gehabt, wo ich dann auf „Sync“ gedrückt hab, das hat voll Bock gemacht (lacht). Also erstmal amateurhaft, aber irgendwann bin ich auf Platten rüber, bis heute macht mir das nicht anders Spaß, mit Platten machts am meisten Spaß.     

Jonathan: Ich weiß auch noch, wo der Achim uns die Plattenspieler gegeben hat und die oben bei mir standen, ich kam gar nicht drauf klar. Der Hamit hat mir das dann auch nahe gebracht, ne. Ich kann mich auch noch erinnern, er hat gesagt: „Hör auf die Clap“ (lacht). 

Hamit: Der Witz ist halt wirklich, man kanns jemandem beibringen oder sagen wies funktioniert, aber er selbst muss es trainieren, man muss das Gehör trainieren. Man kann nicht direkt Mixen lernen, mindestens n halbes Jahr oder paar Monate, manche könnens schneller, bei machen dauerts n Jahr, aber du musst dein Gehör trainieren, dann weißt du, was schneller und langsamer ist, das geht dann irgendwann.   

Foto Credit: Philipp Nguyen

Habt ihr denn ein großes Ziel und wenn ja, wie wollt ihr es erreichen? 

Hamit: Also unser Ziel ist immer noch, Partys zu machen, halt für Leute da zu sein. Uns selbst zu entfalten mit unserer Musik und halt einfach zu leben und Spaß zu haben. Ein ganz großes Ziel, wie jetzt auf Ibiza zu spielen oder so, war jetzt noch nie drin, bei mir so. Also ich habs von vorneherein für mich selbst bzw. uns selbst getan. 

Jonathan: Großes Ziel isses, dass wirs nächsten Monat mal gebacken bekommen, zusammen in den Urlaub zu fahren. Es läuft ganz gut, man kann sich da noch mehr reinhängen, ne Website machen und so weiter... Es war einfach immer, dass wir alle uns sehen und ne gute Zeit haben, natürlich ist es immer schön, wenn fremde Leute kommen oder halt Leute, die man nicht kennt, aber im Grunde genommen wollten wir immer ne schöne Zeit haben, glaub ich.  

Eine sehr lange Freundschaft und schon sehr früh entfachte Liebe zur Musik: Der Entstehungs- und Entwicklungsprozess der beiden (Hamit und Jonathan) hat schon fast romantische Züge. Ich denke, jeder und jede kann etwas finden, was ihn oder sie so antreibt und über Jahre am Laufen hält wie diese Menschen; auch beweisen sie, dass es auf Umwegen und oft auch erst nach vielen Jahren passieren kann. Aber auch Interessen außerhalb der Musik treiben diese Menschen an. Wolfi habe beispielsweise eine Affinität für Graffiti-Kunst (auf Papier!) und Joyce würde für ihr Leben gerne gärtnern, bouldern und wandern. Hamit steht auf Videospiele und Skaten, Jonathan möge es zu lesen, Stunden auf Audiogear-Websites zu verbringen und auch mal längere Fahrradtouren zu machen.    

Wie zudem auch zu erkennen ist, haben sie sehr viel vor und wollen mit ihrem künstlerischen Schaffen auch kulturell und gesellschaftlich etwas bewirken. So schmissen sie am Abend des Interviewtages noch eine Soli-Party in der Kreativfabrik, bei welcher alle Erlöse gesammelt und an eine wohltätige Organisation gespendet wurden. Auch eine recht neue Veröffentlichung hatten und haben sie zu feiern und zwar die „SATT EP“.

Bild Credits: Joyce Abrahams

Ihr habt ja vor Kurzem die SATT EP mit vier Tracks veröffentlicht. Die EP ist zugleich euer erster Vinyl-Release. Seid ihr zufrieden mit dem Ergebnis und der Resonanz; hättet ihr euch etwas anders gewünscht?     

Hamit: Also ich bin vollkommen zufrieden, auf jeden Fall. Für unsere erste Platte, wir haben, wie gesagt, sehr viele Tracks im Repertoire gehabt, nur haben wir an diesen Tracks sehr gehangen und haben auch sehr viel dran gearbeitet. Letztendlich haben wir uns dann entschieden, diese Tracks zu nehmen... Also ich bin super zufrieden, auf jeden Fall. Du Jojo? 

Jonathan: (Lacht) Ja, ich find es is’n bisschen blöd gelaufen, weil wir den einen Track tauschen mussten. Den mussten wir tauschen, weil es da Copyright Issues gab... Anderes Interview (lacht). 

Ist für diesen Release noch irgendwas Konkretes geplant oder für die nähere Zukunft, wollt ihr ‘ne Release Party machen oder so?

Hamit: Genau. Wir haben heute eine Release-Party in der Kreativfabrik in Wiesbaden. Wir hatten vorher schon privat ne kleine Runde gehabt, wo wir ne kleine Feier hatten, wo wirs unter uns zelebriert hatten.

Jonathan: Das heute ist die Soli-Party. Die Release-Party wird noch kommen. Wir sind da gerade im Adamstal was am planen und ansonsten waren Silbergold und Heaven so die Stationen. 

Hamit: Also da wird auf jeden Fall noch mehr kommen!  

Habt ihr denn noch visuelle Sachen geplant?

Hamit: Jetzt konkret, Video war schon in Planung, wir wollten nen Teaser machen für die Release-Party sogar, aber das kam leider nicht zustande. In die Richtung wollen wir aber auf jeden Fall was machen. An Musikvideos haben wir auch schon gedacht. 

Wie war denn der Entstehungsprozess der EP? Standen die Tracks schon lange vorher oder wurden sie für die EP produziert?

Hamit: Ne, also wir haben die Tracks, wir hatten die schon im Repertoire gehabt, wir haben 1-2 neue gemacht, bei denen wir uns dann entschieden hatten, dass sie auf die Platte kommen. Wie Jojo schon gesagt hat, mussten wir leider einen Track austauschen, da war ein anderer geplant, aber das ging aus rechtlichen Gründen nicht. Da musst’ dann halt n anderer Track her, da haben wir ja Glück, dass wir so viele im Repertoire haben. 

Jonathan: Wenn du noch einmal Repertoire sagst... (lacht). Mein Track stand, glaub ich, schon so 2017, der eine. (Hamit im Hintergrund: Der hieß sogar „Satt“, das war dann auch die Idee, die EP so zu nennen), wir hatten das schon 2019/2020 geplant, das hat sich dann halt alles verzögert, wegen dem Neuschnitt und dem Mastering, was wir dann extern gemacht haben und dem Corona, dass dann teilweise die Presswerke zu gemacht haben. Deshalb hat der Prozess ewig gedauert. Also so zwei Jahre summa summarum.  

Foto Credit: Philipp Nguyen

Mal abgesehen von der EP, wie gestaltet sich denn euer Workflow, wenn ihr Musik macht und wie lange braucht ihr für gewöhnlich, um etwas fertigzustellen? 

Jonathan: Ja, also, wenn man so nen Musikuss hat, sag ich mal, dann geht das ganz schnell. Das kann echt schon sein, dass man am Abend dann die Skizze fertig hat und dann kann ich den lange nicht mehr hören, weils mir dann einfach aufn Sack geht (lacht). Deshalb liegen die bei mir relativ lange, bis ich mich da wieder ran traue und neue Ideen hab, aber so Skizzen, da haben wir schon zwei-drei an nem Abend gemacht, das geht relativ fix, wenn man da Bock drauf hat. Ich fang eigentlich mit den Chords an und wenn ich dann noch ne Melodie habe, die mich halt catcht, dann geh ich an die Drums ran und dann strikt die Kick, die Snare, die Hat, das Gefrickel und die ganzen Feinheiten kommen dann ganz am Ende. 

Hamit: Meistens versuch ich auch was Angefangenes zu Ende zu bringen, weil man die Tracks auch irgendwann nicht mehr hören kann, wenn man sich so oft dran hockt, deshalb versuch ich, Tracks immer in einem Durchgang „im Tunnel“ zu machen. Eigentlich fängts bei mir mit den Drums an, dann guck ich so „da passt vielleicht ne Melodie rein“ oder so, ich experimentier sehr viel. Jonathan macht meistens eigentlich nur alles analog und ich hab nur Maus, Keyboard. Tastatur, Ableton mit Kopfhörern, das ist so, wie ich daheim arbeite, genau. 

Ab wann ist denn was fertig?

Jonathan: Die sind nie fertig für mich. Das war auch das Ding mit der Platte, bei den Tracks hab ich meiner Meinung nach immer noch Verbesserungsvorschläge, ich glaub, das hört auch nie auf. 

Hamit: Ja, es ist schwer zu sagen, wann was fertig ist. Wenn man selbst irgendwas macht, dann ist es schwer zu sagen, wann der Track fertig sein soll, weil da immer wieder Platz ist für irgendwas anderes oder für den Sound, aber irgendwann macht man halt doch n Cut und sagt „Ja, der isses, der groovt“.    

Wer sorgt dann bei euch am Ende dafür, dass das alles gut klingt? 

Hamit: Das ist Jonathans Werk, der Tonmeister natürlich (lacht). 

Jonathan: (lacht) Ich mach das Mixing und Mastering, ja. Unsere erste Platte hab ich aber zum Fremdmastern gebracht, an das erste Vinyl-Master hab ich mich dann doch nicht getraut. Der Witz war aber, dass ich durch den Tausch des einen Tracks doch ein Master gemacht habe und er klingt gar nicht schlimm.

So sollte jetzt verständlich sein, was diese Menschen antreibt und wie die Rollen innerhalb des Projekts muvin verteilt und was die Ambitionen sind. Als ich sie frage, wie es sich anfühlt, vor einer Crowd zu stehen, mit dem Wissen, dass all das ohne einen selbst nicht passieren würde, entgegnen sie mir, dass es einfach mega Bock mache, Menschen zu sehen, die ihre Partys genießen, obgleich sowohl Jonathan als auch Hamit nie in die Crowd, sondern immer nur auf die Decks schauen würden. Auch das Tanzen, Schreien, Pfeifen, Singen und Rauchen in der Menge würden sie besonders fühlen. Als Partygast fänden sie besonders bunte Partys gut, in welchen nicht alles abgedunkelt ist und alle „wie Zombies dastehen“, primär entscheide jedoch die Musik. 

Als Veranstalter seies besonders schön, viele Gäste zu sehen und auch neue Gesichter zu entdecken, die Spaß an der Sache haben und gute Laune mitbringen. 

Party-Bummer seien für sie vor allem Getränke auf dem Mischpult und Liedwünsche gingen leider immer ins Leere, da sie auf ihre Platten limitiert seien. 

Auch Phasen, in denen sie Partys weniger fühlen, gehörten dazu. So würden sie sich mittlerweile eigentlich hauptsächlich auf ihren eigenen Partys oder im kleineren Rahmen bei Freund:innen aufhalten. Früher wäre das anders gewesen, doch auch würde das Älterwerden da einfach ne Rolle spielen.

Natürlich musste leider auch das unangenehme Lieblingsthema der letzten zwei Jahre zur Sprache kommen, wie soll es im Eventbereich anders sein… Allerdings betonte Hamit sehr stark, dass obgleich einige Ideen, wie die Vereinsgründung und eine Etablierung als Kollektiv, aufgrund von Corona auf Eis gelegt werden mussten, die Krise auch gute Dinge zur Folge hatte. So seienin der Pandemiezeit bei ihm mehr Songs als jemals zuvor entstanden. Auch Jonathan hat Gutes zu berichten, denn in der Zeit der vielen Lockdowns, des Hin-und-Hers und der Eventausfälle habe er das muvin Tonstudio aufgebaut, welches mittlerweile Equipment im Wert von rund 50.000€ beherbergt, welches größtenteils kaputt gekauft und selbstständig aufpoliert worden sei. 

Die Krise hatte für muvin also nicht nur schlechte Folgen, oder sie haben einfach das Beste daraus gemacht. 

Neben Partys und Musik interessieren mich jedoch auch persönliche Themen:        

Gibt es Dinge oder Themen, die euch besonders belasten? 

Hamit: Ja, es gibt vieles, was mir Angst macht, wie z. B. der Krieg, der vielleicht kommt, doch ich blende es geschickt aus und lenke mich ab mit Arbeit und mit meinen Hobbys und versuch, nicht an das Schlimme zu denken, also es gibt vieles, was mir Angst macht; aber ich versuch da immer nen Cut zu machen und zu leben, denn wir leben nicht lang auf dieser Welt. 

Jonathan: Fuckt vieles ab, so die letzten drei Jahre... Da sind Sachen passiert, da hätte ich gedacht, das wird nie im Leben passieren, keine Ahnung, nie damit gerechnet. Hätte es dir auch nicht geglaubt, hättest du mir das erzählt und gesagt, du kommst aus der Zukunft, ich hätt dich vermöbelt (lacht). Es sind schon abgefuckte Zeiten auf jeden Fall, das wird mir immer klarer. Inflation, Krieg, was weiß ich.. Die Eltern werden älter… 

Hamit: Das ist die größte Angst, glaub ich.

Wie geht ihr mit Tiefs im Leben um und wie handelt ihr Niederschläge in der Musik?

Hamit: Also ich seh das alles entspannt, eigentlich. Ich mach mir da nicht so n großen Kopf. Wenn ich mal n Tief hab, dann weiß ich, dass es irgendwann auch wieder hochgeht. Gibs halt nicht auf und sehs entspannt. 

Jonathan: Einfach machen. Wenn man in so Grübelkreise kommt, das hilft nichts, man muss einfach am Ball bleiben und sich aus dem Loch halt wieder rausholen. Das macht kein anderer für dich, das musst du selber machen. Das hat mir immer geholfen, auch wenns nur Tagesziele sind, mich morgens einfach hinzusetzen, beim Kaffee und mir einfach paar Dinge vorzunehmen für den Tag, die durchzuziehen und am Abend sieht die Welt meistens anders aus. 

Gab es Zeiten, in denen ihr so richtig an der ganzen Sache mit der Musik gezweifelt habt und euch gedacht habt, es lieber sein zu lassen? 

Hamit: Nie. Also ich nicht, ich hab das immer so, klingt jetzt dumm, aber so nebensächlich gesehen. Das würd gar nicht infrage kommen, es ist ja immer da, warum soll ichs aufgeben, wenns immer da ist? 

Jonathan: Ganz oft (lacht), weil ich damit ja auch mein Geld verdienen wollte, ich habs immer auch mit so nem finanziellen Aspekt gesehen. Es ist kein Umsatz und kein Geld in irgendeiner Form, von dem du da leben kannst. Dass ich da Fuß gefasst hab, das war jetzt auch nicht mein Traum-Arbeitgeber, aber es ist schön, dass es mit dem Gesamtkonstrukt Ton was zu tun hat.

Jetzt vielleicht etwas oberflächlicher, ich hätte gerne – wenn ihr wollt – von euch allen jeweils Antworten. 

Was ist euer Lieblingssnack, -drink und -track? 

Hamit: Kartoffelchips mit Joghurt / Wasser / France Gall – Ella, Elle l’a. 

Jonathan: Tiefgekühlte Kinder®-Produkte / kühles Helles / Whitney Houston – I will Always Love You.

Was macht euch happy?

Hamit: Gutes Essen. 

Jonathan: Schlaf. 

Joyce: Bouldern/Klettern.

Wolfi: Apfelwein. 

Wer ist eure größte Inspiration und wenn ihr mit einem:r Künstler:in eurer Wahl, international, tot oder lebendig, zusammenarbeiten könntet, wer wäre das?

Hamit: Richard D. James aka Aphex Twin / Madonna. 

Jonathan: Stevie Wonder, als Antwort auf beide Fragen. 

Joyce: Mein Onkel, den ich nie kennengelernt habe; er war Künstler und hat mich schon früh zum Malen inspiriert / Max Löffler. 

Wolfi: Mein Vater / OZ aus Hamburg.  

Habt ihr ein Lieblingsprojekt von euch selbst? 

   

Hamit: Jedes nächste Projekt ist mein Lieblingsprojekt. 

Jonathan: Das Leben. 

Wolfi: Alle muvin Projekte. 

Ohne was könntet ihr nicht leben?

Hamit: Internet.

Jonathan: Musik oder Töne im Allgemeinen. 

Joyce: Meine Pflanzen. 

Wolfi: Wörter. 

Jonathan, hast du ein Lieblingspiece hier in diesem Studio?

Jonathan: Der Wolfi, der Hamit und die Joyce (alle schwärmen, Jonathan lacht). Wenn's um Gegenstände geht, dann wahrscheinlich das Mischpult.      

Foto Credit: Philipp Nguyen

Zum Schluss stelle ich der Truppe noch ein paar Abschlussfragen, darunter unsere bekannte letzte/nächste Frage, bei welcher der:die zuletzt Interviewte dem:der Nächsten eine Frage stellen kann bzw. von der letzten Person eine gestellt bekommt. Schweren Herzens neigte sich unser fast dreistündiges Gespräch dann auch dem Ende zu. Doch ein paar wichtige Worte mussten noch verloren werden.  

Wird man denn dieses Jahr noch was von euch hören?

Hamit: Dieses Jahr? Das Jahr geht noch lang, auf jeden Fall, definitiv. Wir haben jetzt auch geplant, die digitale EP von mir rauszuhauen, das ist die „Lovers EP“, die wahrscheinlich Juli/August spätestens kommen wird.

Jonathan: Da ist dann auch n Track von unserem neuen Künstler GI Jordan dabei (lacht) und die nächste Platte sind wir auch schon am planen, aber die wird dann wahrscheinlich eher nächstes Jahr, frühestens im Januar/Februar rauskommen. 

Hamit: Erstmal ist Urlaub angesagt. 

Jonathan: Und zu ein-zwei Dates haben wir auch schon zusagen; wir sind auch bei dem „25 Jahre Krea Festival“ dabei, das ist im August oder September. Da werden wir dann vielleicht auch einen eigenen Stand haben. Und wie gesagt, im Adamstal... Also ein paar Sachen stehen an. Ansonsten mal in den Sommer kommen, ich hab Bock, mal bisschen den Kopf auszuschalten. 

Was würdet ihr euch für die Kunst- und Kulturszene von Wiesbaden und Mainz wünschen?

Joyce: Endlich mal ne gescheite alternative Szene, die durchhält und nicht nur die ganze Zeit kaputtgemacht wird, man (lacht).

Hamit: Mehr muvin Partys, safe!

Wolfi: (Mehr) Urban Gardening.

Jonathan: Mehr Zusammenhalt zwischen den verschiedenen Kulturinstituten. Ich denke, man könnte viel mehr reißen, wenn alle am selben Strang ziehen und nicht alle nur ihr eigenes Ding machen würden. 

Möchtet ihr zweifelnden anstrebenden Künstler:innen einen Rat mit auf den Weg geben?

Jonathan: Am Ball bleiben ist einfach das Ding, keine Ahnung, also ich mein, jeder kann dir irgendwie deine Ziele oder Pläne schlecht reden oder sowas, aber solange man daran glaubt und seinen Traum, was auch immer das ist, erfüllt und am Ball bleibt… Meistens braucht man ja gar nicht den großen Erfolg, um sich etwas zu erfüllen, oft ist ja das Ausleben des Traums schon die Erfüllung des Traums. 

Hamit: Nicht gezwungen versuchen irgendwie sich selbst da zu überfordern einfach, entspannt angehen und Pausen machen vielleicht, wenns mal nicht geht. 

Jonathan: Und sich nicht verstellen und einfach sich selber treu sein, das ist das Wichtigste. Wenn dann irgend so ein aufstrebender Künstler sagt: „Ja, ich will da in diese Szene rein“, aber warum, bist du des? Ist das überhaupt dein Lebensstil? Hast du da Bock drauf? Also man muss immer gucken, dass es auch mit seinem eigenen Lebensstil vereinbar ist, also dass es für dein Leben passt, keine Ahnung...  

    

Wollt ihr die Möglichkeit nutzen, um Shoutouts an die Leute zu geben, ohne die es nicht möglich gewesen wäre?

Hamit: Oh ja, Achim Saufhaus, danke, dass du mir meine ersten Plattenspieler „geschenkt“ hast, vorübergehend, damit hat er mir auf jeden Fall nen richtigen Push gegeben, in der DJ-Richtung. Robert Fischer auch, der hat mir auch sehr viel gezeigt. Auch Thorsten Thielen, der Besitzer vom „Cloeb Fresh“, damals „Totti“, den grüß ich auch, der hat mir damals Türen geöffnet in Wiesbaden. Schlachthof, Paul Massow, viele andere. 

Jonathan: Ich würde auf jeden Fall denen danken, die hier anwesend sind und Marc Maurer. Das ist alles nur möglich, weil sie das aus Leidenschaft machen. 

Sooo, die letzte Frage, die ich euch stelle, kommt von Beatrixe Klein, der Betreiberin des Frauenmuseums Wiesbaden. Sie fragt, was eure Lieblingsbücher sind. 

Joyce: „Momo“ – Michael Ende

Jonathan: „Wege zu sich selbst“Marc Aurel  

Hamit: Robinson Crusoe” – Daniel Defoe

Wolfi: “Siddharta” – Hermann Hesse 

Und damit verabschiede ich mich von muvin records und bedanke mich für das wunderschöne Gespräch. Es war mir eine große Freude, hinter die Kulissen blicken zu können und mehr über dieses kleine, jedoch äußerst professionelle House-Label und die Menschen dahinter zu erfahren. Im Anschluss an das Interview fand die Party statt, die unser lieber Philipp fotografisch begleitete und von welcher auch die im Artikel verwendeten Bilder stammen. 

Foto Credit: Philipp Nguyen

Ich hoffe, das Interview hat denjenigen, die bis hierher durchgehalten haben, gefallen, und wenn ihr mehr von muvin records sehen wollt, sind hier ihre Instagramprofile: 

Jonathan Spencer: @charloniii

Hamit Darvish: @egalstheniker

Joyce Abrahams: @alice.maline

       

Vielen Dank fürs Lesen, bleibt gesund und passt aufeinander auf! 

Edwin Piperek 

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Fotocredits

Ich hatte das wunderbare Vergnügen, mit muvin records abzuhängen und mit ihnen, vor ihrer eigenen Soli-Party, ein Interview zu führen. Bei Bier und dem ein oder anderen Glas Sekt, im äußerst professionellen muvin Tonstudio/Headquarter, sprachen wir über ihr Projekt, wer sie sind, was sie antreibt, wie alles anfing und sehr vieles mehr. 

Das Wiesbadener House Kollektiv, welches in Mainz ansässig ist, besteht aus Jonathan Spencer (Musik), Hamit Darvish (Musik), Joyce Abrahams (Illustrationen) und Wolfgang „Wolfi“ Holz (Typo) und entstand im Jahr 2017, auch wenn sich die Beteiligten schon viele Jahre länger kennen. Der Fokus liegt dabei auf guten House-Partys, doch auch selbst produzierte Musik kommt aus dem Hause muvin. Ich befinde mich während des Interviews in einer Wohnung in der Mainzer Altstadt. Neben dem atemberaubenden Studio, in welchem wir das Gespräch führen, verfügt die Wohnung über ein Schaufensterzimmer. In diesem Zimmer betreibt Jonathan gerne seinen kleinen Secondhand-Shop und auch kleinere Tanzveranstaltungen fanden dort schon statt. Was jedoch die Vorstellung und den Entstehungsprozess des Kollektivs angeht, würde ich das Wort gerne an die Schöpfer:innen selbst abgeben:          

Foto Credit: Philipp Nguyen

Stellt euch doch mal vor; wer seid ihr denn, was tut ihr denn und woher kommt ihr? 

Jonathan: Ehhhhhhhhhm (lacht). Ja, eigentlich sind wir echt nur ne Viererbande, mit der Joyce und Wolfi und Hamit, des sind so die fixen Bestandteile. Ich bin der Jonathan. 

Erzähl mal bisschen von dir, wo kommst du denn her, was machst du so?

Jonathan: Ich komm aus Wiesbaden tatsächlich, gebürtig. Meine Familie ist da auch noch. Ich wohn jetzt seit 12 Jahren hier in Mainz, bin Tontechniker und Toningenieur beim SWR/ZDF und bald auch beim WDR (…) das war, als ich mit Anfang 20 studiert hab, nur ein Traum so, ich hätte nie gedacht, dass ich mal in dem Job Fuß fasse und dass es echt Realität wird. Ich weiß auch noch, wie ich ausgelacht wurde, dass ich halt kein Wirtschaftsingenieurwesen studier’ oder so n Scheiß, keine Ahnung. 

Was genau hast du studiert? 

Jonathan: (lacht) Abgebrochene Studiengänge waren Wirtschaftsingenieurwesen und Medientechnik und am Ende hab ich tatsächlich Music Technology studiert, das ist an der SAE (…) und genau, das war so der Startschuss und ich bin dann eigentlich relativ schnell auch in das Berufsleben gerutscht, aber auch nur durch Zufälle. Ich hab mir auch nach dem Abschluss gedacht: „Das ist voll kompliziert und es gibt ja kaum noch professionelle Tonstudios und die alten Säcke, die da sitzen, die kriegst du auch nicht mehr aus ihren Stühlen.“, aber es lief doch echt erstaunlich gut. 

Und ich hab jetzt parallel so das Tonstudio aufgebaut. (…) Also ich bin n Tonmensch, durch und durch.   

Hamit? 

Hamit: Ich, ich bin der Hamit. Ich bin auch gebürtiger Wiesbadener (…), ich hab sehr viel probiert in meinem Leben, nie was gefunden, was mir gefallen hat, deswegen war das so n leichter Struggle mein Leben lang, bis jetzt. Ich hab mittlerweile nen Vollzeitjob (lacht) und arbeite in der Logistik, aber die Musik war halt immer da. 2008 hab ich angefangen, elektronische Musik zu machen und hab dann den Jonathan, nachdem wir uns aus den Augen verloren hatten, irgendwann auf ner Veranstaltung in Biebrich getroffen und es hat ihn halt wahrscheinlich gecatcht, keine Ahnung. Es ist auch schon jetzt zehn Jahre her, da haben wir angefangen, Musik zu machen, also kurz darauf; und es ist sehr viel passiert, wir haben sehr viel gemacht, was keiner weiß, also sehr viel ist nicht veröffentlicht (Jonathan wirft „Terrabytes“ ein).

Und Wolfi, wie sieht’s bei dir aus? 

Wolfi: Ich bin Wolfgang/Wolfi, ich bin 33 Jahre alt und ich bin von Beruf Schreiner, ich war mal Student, aber das hat nicht geklappt und jetzt bin ich Arbeiter (lacht), ja. Ich hab mit Sound gar nicht so viel zu tun, sondern halt eher mit Schriften irgendwie und ja, deswegen wars halt, weil ich mit den beiden sehr, sehr gut befreundet bin, auch seit 20 Jahren fast (Jonathan wirft „Hä, du bist mein bester Freund“ ein), sodass ich halt die Schriften für alles, was irgendwie nötig ist, mache. (…) Ich design gar nichts, ich kritzel nur n bisschen rum und, keine Ahnung, für unsere muvin-Geschichte mach ich halt was, aber ansonsten mach ich eigentlich für niemanden was. 

Und Joyce?

Joyce: Ich arbeite bei der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, das ist mein Hauptberuf, da bin ich Grafikerin und mach alles Mögliche, was so anfällt, Foto/ Film/ Technik/ Plakate pipapo und ehm, weils mir sehr eintönig ist, mache ich gerne für Freunde, Bekannte und die, die sich sonst melden, alles Mögliche: Plattencover, Plakate, Flyer, Logos nicht so gerne, aber mach ich
(Ktr. a. d. Rdk.: Lustigerweise hatte Joyce damals das ursprüngliche Logo des Einerseits Magazin designed, lange vor unserem Re-Launch) und Visitenkarten und so Kram, das find ich halt super, wenn ichs mit meinen eigenen Skizzen noch am besten machen kann und ansonsten so mal bisschen freier gestalte. Meinen Bruder bei der Centralstation unterstütz ich da auch.   

  

Die Mitglieder erzählen mir, dass sie alle etwa Anfang 30 seien und sich teilweise schon seit der Schulzeit kennen würden. Auch vom Schulschwänzen in jungen Jahren, Kippen auf dem Pausenhof, Joints im Kurpark und dem Dernschen Gelände als ehemaligem Meeting-Place ist die Rede. Sie hätten bereits eine wahnsinnig lange und intensive Geschichte miteinander und machen den Anschein, unzertrennlich zu sein. Verbinden würde sie, neben dem geteilten Humor und einem ähnlichen, fast schon gleichen Denkverhalten, vor allem die Liebe zu dem, was sich außerhalb der Norm abspielt und natürlich auch die Liebe zur Musik. Nachdem ich mehr über die Menschen hinter muvin erfahren habe, möchte ich wissen, was genau muvin ist und wie es zu all dem kam.

Wie darf ich mir denn muvin vorstellen, was ist euer Konzept?

Jonathan: Ein Haufen Clowns (lacht). Der Witz war, es gab nie ein Konzept, des war einfach machen, bevor man denkt. Wir wollten alles gleichzeitig machen und am besten alles direkt. 

Hamit: Wir wollten n Kollektiv gründen, wo jeder sich einbringen kann, es waren halt auch zwei-drei mehr Leute dabei, die jetzt nicht da sind, die dann ausgestiegen sind. Wir wollten einen Verein gründen, wir wollten Kunstausstellungen machen, wir wollten Workshops anbieten, z. B. DJ-Workshops. Nicht nur Veranstaltungen, sondern kulturell aktiv sein. Also zurzeit ist muvin „nur“ ein Musiklabel. Wir haben auch ein Sub-Label, vielleicht sollte man das hier auch erwähnen, tru heißt das, da haben wir auch schon ne Veröffentlichung von Jean Louis. Genau, das ist muvin jetzt, aber was wir vorhaben, ist noch auf jeden Fall größer. 

Jonathan: Im Grunde ist es einfach ein Bündnis von Freunden. Also du hast jetzt nach dem Kern gefragt, klar da sind noch ganz viele Akteure drum herum, aber eigentlich is es, früher hat man gesagt, ne Clique (lacht). Wir sind einfach n Freundeskreis und der Name war immer Gesprächsthema. Die erste Party war damals noch mit dem Samuel Kedzia und mit’m Paul Massow (…) und da gabs dann irgendwann diese Geburtstagsparty, weil ich und der Paul haben am gleichen Tag Geburtstag, da war das selbstverständlich, dass wir zusammen feiern. 

Hamit: Veranstaltungen wollten wir schon immer machen, wir wollten halt durchstarten, unser eigenes Ding machen und da war die nächstbeste Möglichkeit die Party in der Krea, weil wir haben vor muvin auch schon aufgelegt und wir wollten dann ne neue Veranstaltungsreihe machen und haben die dann muvin genannt. Der Geburtstag war dann glaub die erste Möglichkeit, eine Party unter dem Namen zu machen. 

Jonathan: Es war auch schon immer der Wunsch da, es einfach selber zu machen. Es macht ja keiner für dich, wenn du's nicht selber machst, so ist es halt. 

Foto Credit: Philipp Nguyen

Wie kamt ihr zu dem Namen?

Jonathan: Ja, das war Brainstorming, ewig, ewig lange Listen; die hab ich auch noch irgendwo, die kann ich dir auch gerne mal noch raussuchen. Da waren auch paar geile andere Namen dabei und muvin war dann einfach… plump, ich fands am Anfang plump, weil es ist so…

Hamit: Das war glaub auch einer der ersten Namen, relativ am Anfang, oder? Wir haben uns dann deshalb entschieden, weil es am meisten Sinn gemacht hat, weil wir nach vorne gehen wollen, wir wollen was bewegen, wir wollen Leute bewegen, wir wollen Leute zum Tanzen bringen, so nach dem Motto war das halt gedacht. 

Jonathan: Des ist halt, wie gesagt, Bewegung, einfach allgemein, Veränderungen gehören dazu und das war halt das Ding (…) ist auch der Graffiti-Szene geschuldet, es ist einfach n geiler Schriftzug, du kannst m-u-v-i-n durchziehen, nen One-Liner machen und wir kommen da auch alle n bisschen aus der Graffiti-Szene (lacht). 

Wolfi: Es geht auch um mehr als Tanzen, weil das muvin ist einfach irgendwie Bewegung, das Leben, also alles ist in Bewegung, weißt du? 

Jonathan: Ja, wer still steht, der stirbt. 

Und wie kam es bei euch ganz ursprünglich zur Musik? 

Hamit: Angefangen hab ich durch meinen Bruder, glaub ich. Also ich hab nen älteren Bruder, der jetzt 40 ist. Als ich jung war, hat er angefangen, in Wiesbaden und dem Rhein-Main-Gebiet, feiern zu gehen und ich hab das natürlich mitbekommen. Ich selbst hatte erstmal ne Hip-Hop-Phase gehabt, dann ne Metalphase, Punk, weil ich skaten war, aber mit 18 hat’s angefangen mit dem Elektronischen, als ich alt genug war, würd ich jetzt mal sagen. Da wollte ich dann auch alles gleichzeitig machen: Ich wollte auflegen, ich wollte selber Beats machen und ja. 

Und bei dir Jonathan, wann hat denn dein Interesse dafür begonnen?

Jonathan: Ich war auch echt Hip-Hop-affin, bis in die späte Pubertät. Wolfi wird sich noch erinnern, wie wir Tupac rauf und runter gehört haben (lacht). Das war der Witz, elektronische Musik ging mir gar nicht rein, früher, ich habs einfach nicht verstanden. 

Hamit: Und dann kam Aphex Twin (alle lachen). 

Jonathan: Das ist der Witz, Aphex Twin war mein Einstieg 2008 über n sehr guten Freund, den Arash, den ich auch zur Familie zähle würde (…) der hat auch morgen Geburtstag und kommt heute Abend. Auf jeden Fall, er hatte nen Freund, den Arman Behdad und der hat uns allen damals die gecrackte Reason 4 Version gegeben. Da fings dann an, dass ich Musik gemacht hab. Das war so mit 16/17; ich hab tatsächlich die alten Beats noch. Mit dem Auflegen hab ich dann durch’n Hamit angefangen. Ich hab sonst bei unseren ersten Gigs auch immer live gespielt, hab meine Grooveboxen und so mitgenommen. Auflegen war gar nicht mein Ding, ich dachte mir ganz oft bei der Musik: „Das kriegst du doch acht mal besser hin“, weil das für mich so das Ding war: Du stehst da und spielst Musik von anderen, „Ich spiel meine eigene Musik“ war immer so das Ding. Ist schade, weil das in den letzten Jahren immer mehr nur Auflegen wurde, ist auch einfach ne Bequemlichkeitssache. Wir haben sogar früher immer zusammen live gespielt, also wir haben beide Musik gemacht. (Hamit im Hintergrund: Ich mit meinem Laptop) wir haben uns getroffen, haben uns gesynct...

Hamit: Nein, wir haben uns nicht mal gesynct, wir haben einfach von drei runter gezählt und gleichzeitig Play gedrückt (lacht, mit nostalgischen Augen). 

Jonathan: Nein echt, das war damals... das war zum ersten Mal so, hatte ich das Gefühl, wie ne Band. Gänsehautmomente, das war so wow. Da haben wir uns halt getroffen und ey, 2012-2015 haben wir das echt wöchentlich gemacht. Das war echt ne magische Zeit. Das vermiss ich auch so’n bisschen, weil wir jetzt alle erwachsen geworden sind und das so mit den Jobs auch einfach zeitlich gar nicht mehr möglich ist. Aber das war damals ne Magie, wo ich zum ersten Mal so dieses Band Feeling hatte, keine Ahnung so, das war krass. 

Hamit: Das haben wir auch ein bisschen so dem Achim Saufhaus zu verdanken. Das ist auch‘n alter Hase aus Wiesbaden, der mittlerweile in der Schweiz wohnt, der hat uns sehr viel gezeigt und sehr viel ermöglicht. Wir hatten nen Proberaum, sag ich mal, in der Wartburg, auf jeden Fall hat er halt im Theater gespielt und die hatten da so Räumlichkeiten, wo wir einfach jammen konnten. Er hat uns die ersten Plattenspieler zur Verfügung gestellt und den dürfen wir auch nicht vergessen. 

Wolfi: Wir hatten auf jeden Fall auch zeitweise so nen gemeinsamen Kreativ-Flow, dass die beiden Musik gemacht haben und ich dann meine Mal-Sessions gemacht habe. Das war einfach so n gemeinsames Ausleben davon.   

Hamit, du hast zuerst mit dem Produzieren angefangen und dann mit dem Auflegen?

Hamit: Ich hab erstmal mit Fruity Loops Hip-Hop-Beats gemacht, bevor ich zum Elektronischen bin. Das mit dem Auflegen hat erst angefangen, genau irgendwann, als ich dann durch meinen Bruder gesehen hab, wie er aufgelegt hat, also ich hab seine alten Platten bekommen. Dann hab ich irgendwann versucht aufzulegen, erstmal digital, ich habs nicht geschafft, Platten anzupassen, so. Hab da so n Traktor DJ-Controller gehabt, wo ich dann auf „Sync“ gedrückt hab, das hat voll Bock gemacht (lacht). Also erstmal amateurhaft, aber irgendwann bin ich auf Platten rüber, bis heute macht mir das nicht anders Spaß, mit Platten machts am meisten Spaß.     

Jonathan: Ich weiß auch noch, wo der Achim uns die Plattenspieler gegeben hat und die oben bei mir standen, ich kam gar nicht drauf klar. Der Hamit hat mir das dann auch nahe gebracht, ne. Ich kann mich auch noch erinnern, er hat gesagt: „Hör auf die Clap“ (lacht). 

Hamit: Der Witz ist halt wirklich, man kanns jemandem beibringen oder sagen wies funktioniert, aber er selbst muss es trainieren, man muss das Gehör trainieren. Man kann nicht direkt Mixen lernen, mindestens n halbes Jahr oder paar Monate, manche könnens schneller, bei machen dauerts n Jahr, aber du musst dein Gehör trainieren, dann weißt du, was schneller und langsamer ist, das geht dann irgendwann.   

Foto Credit: Philipp Nguyen

Habt ihr denn ein großes Ziel und wenn ja, wie wollt ihr es erreichen? 

Hamit: Also unser Ziel ist immer noch, Partys zu machen, halt für Leute da zu sein. Uns selbst zu entfalten mit unserer Musik und halt einfach zu leben und Spaß zu haben. Ein ganz großes Ziel, wie jetzt auf Ibiza zu spielen oder so, war jetzt noch nie drin, bei mir so. Also ich habs von vorneherein für mich selbst bzw. uns selbst getan. 

Jonathan: Großes Ziel isses, dass wirs nächsten Monat mal gebacken bekommen, zusammen in den Urlaub zu fahren. Es läuft ganz gut, man kann sich da noch mehr reinhängen, ne Website machen und so weiter... Es war einfach immer, dass wir alle uns sehen und ne gute Zeit haben, natürlich ist es immer schön, wenn fremde Leute kommen oder halt Leute, die man nicht kennt, aber im Grunde genommen wollten wir immer ne schöne Zeit haben, glaub ich.  

Eine sehr lange Freundschaft und schon sehr früh entfachte Liebe zur Musik: Der Entstehungs- und Entwicklungsprozess der beiden (Hamit und Jonathan) hat schon fast romantische Züge. Ich denke, jeder und jede kann etwas finden, was ihn oder sie so antreibt und über Jahre am Laufen hält wie diese Menschen; auch beweisen sie, dass es auf Umwegen und oft auch erst nach vielen Jahren passieren kann. Aber auch Interessen außerhalb der Musik treiben diese Menschen an. Wolfi habe beispielsweise eine Affinität für Graffiti-Kunst (auf Papier!) und Joyce würde für ihr Leben gerne gärtnern, bouldern und wandern. Hamit steht auf Videospiele und Skaten, Jonathan möge es zu lesen, Stunden auf Audiogear-Websites zu verbringen und auch mal längere Fahrradtouren zu machen.    

Wie zudem auch zu erkennen ist, haben sie sehr viel vor und wollen mit ihrem künstlerischen Schaffen auch kulturell und gesellschaftlich etwas bewirken. So schmissen sie am Abend des Interviewtages noch eine Soli-Party in der Kreativfabrik, bei welcher alle Erlöse gesammelt und an eine wohltätige Organisation gespendet wurden. Auch eine recht neue Veröffentlichung hatten und haben sie zu feiern und zwar die „SATT EP“.

Bild Credits: Joyce Abrahams

Ihr habt ja vor Kurzem die SATT EP mit vier Tracks veröffentlicht. Die EP ist zugleich euer erster Vinyl-Release. Seid ihr zufrieden mit dem Ergebnis und der Resonanz; hättet ihr euch etwas anders gewünscht?     

Hamit: Also ich bin vollkommen zufrieden, auf jeden Fall. Für unsere erste Platte, wir haben, wie gesagt, sehr viele Tracks im Repertoire gehabt, nur haben wir an diesen Tracks sehr gehangen und haben auch sehr viel dran gearbeitet. Letztendlich haben wir uns dann entschieden, diese Tracks zu nehmen... Also ich bin super zufrieden, auf jeden Fall. Du Jojo? 

Jonathan: (Lacht) Ja, ich find es is’n bisschen blöd gelaufen, weil wir den einen Track tauschen mussten. Den mussten wir tauschen, weil es da Copyright Issues gab... Anderes Interview (lacht). 

Ist für diesen Release noch irgendwas Konkretes geplant oder für die nähere Zukunft, wollt ihr ‘ne Release Party machen oder so?

Hamit: Genau. Wir haben heute eine Release-Party in der Kreativfabrik in Wiesbaden. Wir hatten vorher schon privat ne kleine Runde gehabt, wo wir ne kleine Feier hatten, wo wirs unter uns zelebriert hatten.

Jonathan: Das heute ist die Soli-Party. Die Release-Party wird noch kommen. Wir sind da gerade im Adamstal was am planen und ansonsten waren Silbergold und Heaven so die Stationen. 

Hamit: Also da wird auf jeden Fall noch mehr kommen!  

Habt ihr denn noch visuelle Sachen geplant?

Hamit: Jetzt konkret, Video war schon in Planung, wir wollten nen Teaser machen für die Release-Party sogar, aber das kam leider nicht zustande. In die Richtung wollen wir aber auf jeden Fall was machen. An Musikvideos haben wir auch schon gedacht. 

Wie war denn der Entstehungsprozess der EP? Standen die Tracks schon lange vorher oder wurden sie für die EP produziert?

Hamit: Ne, also wir haben die Tracks, wir hatten die schon im Repertoire gehabt, wir haben 1-2 neue gemacht, bei denen wir uns dann entschieden hatten, dass sie auf die Platte kommen. Wie Jojo schon gesagt hat, mussten wir leider einen Track austauschen, da war ein anderer geplant, aber das ging aus rechtlichen Gründen nicht. Da musst’ dann halt n anderer Track her, da haben wir ja Glück, dass wir so viele im Repertoire haben. 

Jonathan: Wenn du noch einmal Repertoire sagst... (lacht). Mein Track stand, glaub ich, schon so 2017, der eine. (Hamit im Hintergrund: Der hieß sogar „Satt“, das war dann auch die Idee, die EP so zu nennen), wir hatten das schon 2019/2020 geplant, das hat sich dann halt alles verzögert, wegen dem Neuschnitt und dem Mastering, was wir dann extern gemacht haben und dem Corona, dass dann teilweise die Presswerke zu gemacht haben. Deshalb hat der Prozess ewig gedauert. Also so zwei Jahre summa summarum.  

Foto Credit: Philipp Nguyen

Mal abgesehen von der EP, wie gestaltet sich denn euer Workflow, wenn ihr Musik macht und wie lange braucht ihr für gewöhnlich, um etwas fertigzustellen? 

Jonathan: Ja, also, wenn man so nen Musikuss hat, sag ich mal, dann geht das ganz schnell. Das kann echt schon sein, dass man am Abend dann die Skizze fertig hat und dann kann ich den lange nicht mehr hören, weils mir dann einfach aufn Sack geht (lacht). Deshalb liegen die bei mir relativ lange, bis ich mich da wieder ran traue und neue Ideen hab, aber so Skizzen, da haben wir schon zwei-drei an nem Abend gemacht, das geht relativ fix, wenn man da Bock drauf hat. Ich fang eigentlich mit den Chords an und wenn ich dann noch ne Melodie habe, die mich halt catcht, dann geh ich an die Drums ran und dann strikt die Kick, die Snare, die Hat, das Gefrickel und die ganzen Feinheiten kommen dann ganz am Ende. 

Hamit: Meistens versuch ich auch was Angefangenes zu Ende zu bringen, weil man die Tracks auch irgendwann nicht mehr hören kann, wenn man sich so oft dran hockt, deshalb versuch ich, Tracks immer in einem Durchgang „im Tunnel“ zu machen. Eigentlich fängts bei mir mit den Drums an, dann guck ich so „da passt vielleicht ne Melodie rein“ oder so, ich experimentier sehr viel. Jonathan macht meistens eigentlich nur alles analog und ich hab nur Maus, Keyboard. Tastatur, Ableton mit Kopfhörern, das ist so, wie ich daheim arbeite, genau. 

Ab wann ist denn was fertig?

Jonathan: Die sind nie fertig für mich. Das war auch das Ding mit der Platte, bei den Tracks hab ich meiner Meinung nach immer noch Verbesserungsvorschläge, ich glaub, das hört auch nie auf. 

Hamit: Ja, es ist schwer zu sagen, wann was fertig ist. Wenn man selbst irgendwas macht, dann ist es schwer zu sagen, wann der Track fertig sein soll, weil da immer wieder Platz ist für irgendwas anderes oder für den Sound, aber irgendwann macht man halt doch n Cut und sagt „Ja, der isses, der groovt“.    

Wer sorgt dann bei euch am Ende dafür, dass das alles gut klingt? 

Hamit: Das ist Jonathans Werk, der Tonmeister natürlich (lacht). 

Jonathan: (lacht) Ich mach das Mixing und Mastering, ja. Unsere erste Platte hab ich aber zum Fremdmastern gebracht, an das erste Vinyl-Master hab ich mich dann doch nicht getraut. Der Witz war aber, dass ich durch den Tausch des einen Tracks doch ein Master gemacht habe und er klingt gar nicht schlimm.

So sollte jetzt verständlich sein, was diese Menschen antreibt und wie die Rollen innerhalb des Projekts muvin verteilt und was die Ambitionen sind. Als ich sie frage, wie es sich anfühlt, vor einer Crowd zu stehen, mit dem Wissen, dass all das ohne einen selbst nicht passieren würde, entgegnen sie mir, dass es einfach mega Bock mache, Menschen zu sehen, die ihre Partys genießen, obgleich sowohl Jonathan als auch Hamit nie in die Crowd, sondern immer nur auf die Decks schauen würden. Auch das Tanzen, Schreien, Pfeifen, Singen und Rauchen in der Menge würden sie besonders fühlen. Als Partygast fänden sie besonders bunte Partys gut, in welchen nicht alles abgedunkelt ist und alle „wie Zombies dastehen“, primär entscheide jedoch die Musik. 

Als Veranstalter seies besonders schön, viele Gäste zu sehen und auch neue Gesichter zu entdecken, die Spaß an der Sache haben und gute Laune mitbringen. 

Party-Bummer seien für sie vor allem Getränke auf dem Mischpult und Liedwünsche gingen leider immer ins Leere, da sie auf ihre Platten limitiert seien. 

Auch Phasen, in denen sie Partys weniger fühlen, gehörten dazu. So würden sie sich mittlerweile eigentlich hauptsächlich auf ihren eigenen Partys oder im kleineren Rahmen bei Freund:innen aufhalten. Früher wäre das anders gewesen, doch auch würde das Älterwerden da einfach ne Rolle spielen.

Natürlich musste leider auch das unangenehme Lieblingsthema der letzten zwei Jahre zur Sprache kommen, wie soll es im Eventbereich anders sein… Allerdings betonte Hamit sehr stark, dass obgleich einige Ideen, wie die Vereinsgründung und eine Etablierung als Kollektiv, aufgrund von Corona auf Eis gelegt werden mussten, die Krise auch gute Dinge zur Folge hatte. So seienin der Pandemiezeit bei ihm mehr Songs als jemals zuvor entstanden. Auch Jonathan hat Gutes zu berichten, denn in der Zeit der vielen Lockdowns, des Hin-und-Hers und der Eventausfälle habe er das muvin Tonstudio aufgebaut, welches mittlerweile Equipment im Wert von rund 50.000€ beherbergt, welches größtenteils kaputt gekauft und selbstständig aufpoliert worden sei. 

Die Krise hatte für muvin also nicht nur schlechte Folgen, oder sie haben einfach das Beste daraus gemacht. 

Neben Partys und Musik interessieren mich jedoch auch persönliche Themen:        

Gibt es Dinge oder Themen, die euch besonders belasten? 

Hamit: Ja, es gibt vieles, was mir Angst macht, wie z. B. der Krieg, der vielleicht kommt, doch ich blende es geschickt aus und lenke mich ab mit Arbeit und mit meinen Hobbys und versuch, nicht an das Schlimme zu denken, also es gibt vieles, was mir Angst macht; aber ich versuch da immer nen Cut zu machen und zu leben, denn wir leben nicht lang auf dieser Welt. 

Jonathan: Fuckt vieles ab, so die letzten drei Jahre... Da sind Sachen passiert, da hätte ich gedacht, das wird nie im Leben passieren, keine Ahnung, nie damit gerechnet. Hätte es dir auch nicht geglaubt, hättest du mir das erzählt und gesagt, du kommst aus der Zukunft, ich hätt dich vermöbelt (lacht). Es sind schon abgefuckte Zeiten auf jeden Fall, das wird mir immer klarer. Inflation, Krieg, was weiß ich.. Die Eltern werden älter… 

Hamit: Das ist die größte Angst, glaub ich.

Wie geht ihr mit Tiefs im Leben um und wie handelt ihr Niederschläge in der Musik?

Hamit: Also ich seh das alles entspannt, eigentlich. Ich mach mir da nicht so n großen Kopf. Wenn ich mal n Tief hab, dann weiß ich, dass es irgendwann auch wieder hochgeht. Gibs halt nicht auf und sehs entspannt. 

Jonathan: Einfach machen. Wenn man in so Grübelkreise kommt, das hilft nichts, man muss einfach am Ball bleiben und sich aus dem Loch halt wieder rausholen. Das macht kein anderer für dich, das musst du selber machen. Das hat mir immer geholfen, auch wenns nur Tagesziele sind, mich morgens einfach hinzusetzen, beim Kaffee und mir einfach paar Dinge vorzunehmen für den Tag, die durchzuziehen und am Abend sieht die Welt meistens anders aus. 

Gab es Zeiten, in denen ihr so richtig an der ganzen Sache mit der Musik gezweifelt habt und euch gedacht habt, es lieber sein zu lassen? 

Hamit: Nie. Also ich nicht, ich hab das immer so, klingt jetzt dumm, aber so nebensächlich gesehen. Das würd gar nicht infrage kommen, es ist ja immer da, warum soll ichs aufgeben, wenns immer da ist? 

Jonathan: Ganz oft (lacht), weil ich damit ja auch mein Geld verdienen wollte, ich habs immer auch mit so nem finanziellen Aspekt gesehen. Es ist kein Umsatz und kein Geld in irgendeiner Form, von dem du da leben kannst. Dass ich da Fuß gefasst hab, das war jetzt auch nicht mein Traum-Arbeitgeber, aber es ist schön, dass es mit dem Gesamtkonstrukt Ton was zu tun hat.

Jetzt vielleicht etwas oberflächlicher, ich hätte gerne – wenn ihr wollt – von euch allen jeweils Antworten. 

Was ist euer Lieblingssnack, -drink und -track? 

Hamit: Kartoffelchips mit Joghurt / Wasser / France Gall – Ella, Elle l’a. 

Jonathan: Tiefgekühlte Kinder®-Produkte / kühles Helles / Whitney Houston – I will Always Love You.

Was macht euch happy?

Hamit: Gutes Essen. 

Jonathan: Schlaf. 

Joyce: Bouldern/Klettern.

Wolfi: Apfelwein. 

Wer ist eure größte Inspiration und wenn ihr mit einem:r Künstler:in eurer Wahl, international, tot oder lebendig, zusammenarbeiten könntet, wer wäre das?

Hamit: Richard D. James aka Aphex Twin / Madonna. 

Jonathan: Stevie Wonder, als Antwort auf beide Fragen. 

Joyce: Mein Onkel, den ich nie kennengelernt habe; er war Künstler und hat mich schon früh zum Malen inspiriert / Max Löffler. 

Wolfi: Mein Vater / OZ aus Hamburg.  

Habt ihr ein Lieblingsprojekt von euch selbst? 

   

Hamit: Jedes nächste Projekt ist mein Lieblingsprojekt. 

Jonathan: Das Leben. 

Wolfi: Alle muvin Projekte. 

Ohne was könntet ihr nicht leben?

Hamit: Internet.

Jonathan: Musik oder Töne im Allgemeinen. 

Joyce: Meine Pflanzen. 

Wolfi: Wörter. 

Jonathan, hast du ein Lieblingspiece hier in diesem Studio?

Jonathan: Der Wolfi, der Hamit und die Joyce (alle schwärmen, Jonathan lacht). Wenn's um Gegenstände geht, dann wahrscheinlich das Mischpult.      

Foto Credit: Philipp Nguyen

Zum Schluss stelle ich der Truppe noch ein paar Abschlussfragen, darunter unsere bekannte letzte/nächste Frage, bei welcher der:die zuletzt Interviewte dem:der Nächsten eine Frage stellen kann bzw. von der letzten Person eine gestellt bekommt. Schweren Herzens neigte sich unser fast dreistündiges Gespräch dann auch dem Ende zu. Doch ein paar wichtige Worte mussten noch verloren werden.  

Wird man denn dieses Jahr noch was von euch hören?

Hamit: Dieses Jahr? Das Jahr geht noch lang, auf jeden Fall, definitiv. Wir haben jetzt auch geplant, die digitale EP von mir rauszuhauen, das ist die „Lovers EP“, die wahrscheinlich Juli/August spätestens kommen wird.

Jonathan: Da ist dann auch n Track von unserem neuen Künstler GI Jordan dabei (lacht) und die nächste Platte sind wir auch schon am planen, aber die wird dann wahrscheinlich eher nächstes Jahr, frühestens im Januar/Februar rauskommen. 

Hamit: Erstmal ist Urlaub angesagt. 

Jonathan: Und zu ein-zwei Dates haben wir auch schon zusagen; wir sind auch bei dem „25 Jahre Krea Festival“ dabei, das ist im August oder September. Da werden wir dann vielleicht auch einen eigenen Stand haben. Und wie gesagt, im Adamstal... Also ein paar Sachen stehen an. Ansonsten mal in den Sommer kommen, ich hab Bock, mal bisschen den Kopf auszuschalten. 

Was würdet ihr euch für die Kunst- und Kulturszene von Wiesbaden und Mainz wünschen?

Joyce: Endlich mal ne gescheite alternative Szene, die durchhält und nicht nur die ganze Zeit kaputtgemacht wird, man (lacht).

Hamit: Mehr muvin Partys, safe!

Wolfi: (Mehr) Urban Gardening.

Jonathan: Mehr Zusammenhalt zwischen den verschiedenen Kulturinstituten. Ich denke, man könnte viel mehr reißen, wenn alle am selben Strang ziehen und nicht alle nur ihr eigenes Ding machen würden. 

Möchtet ihr zweifelnden anstrebenden Künstler:innen einen Rat mit auf den Weg geben?

Jonathan: Am Ball bleiben ist einfach das Ding, keine Ahnung, also ich mein, jeder kann dir irgendwie deine Ziele oder Pläne schlecht reden oder sowas, aber solange man daran glaubt und seinen Traum, was auch immer das ist, erfüllt und am Ball bleibt… Meistens braucht man ja gar nicht den großen Erfolg, um sich etwas zu erfüllen, oft ist ja das Ausleben des Traums schon die Erfüllung des Traums. 

Hamit: Nicht gezwungen versuchen irgendwie sich selbst da zu überfordern einfach, entspannt angehen und Pausen machen vielleicht, wenns mal nicht geht. 

Jonathan: Und sich nicht verstellen und einfach sich selber treu sein, das ist das Wichtigste. Wenn dann irgend so ein aufstrebender Künstler sagt: „Ja, ich will da in diese Szene rein“, aber warum, bist du des? Ist das überhaupt dein Lebensstil? Hast du da Bock drauf? Also man muss immer gucken, dass es auch mit seinem eigenen Lebensstil vereinbar ist, also dass es für dein Leben passt, keine Ahnung...  

    

Wollt ihr die Möglichkeit nutzen, um Shoutouts an die Leute zu geben, ohne die es nicht möglich gewesen wäre?

Hamit: Oh ja, Achim Saufhaus, danke, dass du mir meine ersten Plattenspieler „geschenkt“ hast, vorübergehend, damit hat er mir auf jeden Fall nen richtigen Push gegeben, in der DJ-Richtung. Robert Fischer auch, der hat mir auch sehr viel gezeigt. Auch Thorsten Thielen, der Besitzer vom „Cloeb Fresh“, damals „Totti“, den grüß ich auch, der hat mir damals Türen geöffnet in Wiesbaden. Schlachthof, Paul Massow, viele andere. 

Jonathan: Ich würde auf jeden Fall denen danken, die hier anwesend sind und Marc Maurer. Das ist alles nur möglich, weil sie das aus Leidenschaft machen. 

Sooo, die letzte Frage, die ich euch stelle, kommt von Beatrixe Klein, der Betreiberin des Frauenmuseums Wiesbaden. Sie fragt, was eure Lieblingsbücher sind. 

Joyce: „Momo“ – Michael Ende

Jonathan: „Wege zu sich selbst“Marc Aurel  

Hamit: Robinson Crusoe” – Daniel Defoe

Wolfi: “Siddharta” – Hermann Hesse 

Und damit verabschiede ich mich von muvin records und bedanke mich für das wunderschöne Gespräch. Es war mir eine große Freude, hinter die Kulissen blicken zu können und mehr über dieses kleine, jedoch äußerst professionelle House-Label und die Menschen dahinter zu erfahren. Im Anschluss an das Interview fand die Party statt, die unser lieber Philipp fotografisch begleitete und von welcher auch die im Artikel verwendeten Bilder stammen. 

Foto Credit: Philipp Nguyen

Ich hoffe, das Interview hat denjenigen, die bis hierher durchgehalten haben, gefallen, und wenn ihr mehr von muvin records sehen wollt, sind hier ihre Instagramprofile: 

Jonathan Spencer: @charloniii

Hamit Darvish: @egalstheniker

Joyce Abrahams: @alice.maline

       

Vielen Dank fürs Lesen, bleibt gesund und passt aufeinander auf! 

Edwin Piperek 

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